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Eintracht Frankfurt : Die Zeichen stehen auf Abschied

  • -Aktualisiert am

Voller Tatendrang: Václav Kadlec zeigt sich in Mannheim von seiner besten Seite. Bild: Huebner/Ulrich

Václav Kadlec kam als hoch gehandelter Stürmer nach Frankfurt, mittlerweile ist er nur noch Edelreservist. Gibt es ein gutes Angebot, wäre die Eintracht gesprächsbereit.

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          Das Mannheimer Hallenfußballturnier ist nicht unbedingt die Veranstaltung, bei der Fußballprofis, die hoch hinaus wollen, auf einen Katapulteffekt hoffen können. Aber Václav Kadlec ist bescheiden geworden. Der tschechische Fußballprofi, der mit 18 Jahren Nationalspieler wurde und für den die Frankfurter Eintracht nach zähem Verhandeln eine Ablösesumme von 3,5 Millionen an Sparta Prag überwies, freute sich ausgelassen über seinen persönlichen Start ins neue Jahr. Beim ersten Auftritt der Eintracht nach der Winterpause drehte Kadlec im Auftaktspiel gegen den Zweitligaklub Karlsruher SC ein 0:1 im Alleingang zum 2:1 und in der nächsten Begegnung gegen Waldhof Mannheim setzte er den Schlusspunkt zum 3:0. Diesen Treffer ließ er vor lauter Befriedigung eine sägende Bewegung mit dem Unterarm folgen. Im dritten Gruppenspiel gelangen Kadlec beim 5:4 über den 1. FC Kaiserslautern sogar vier Treffer. Da ging er schon gelassener mit den Torerfolgen um (das Turnier war bei Reaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet).

          Kadlec galt einmal als größte Stürmerhoffnung in Tschechien, aber in Frankfurt geriet er nach starkem Beginn auf das Abstellgleis. Der ehemalige Trainer Veh warf ihm mangelnde Integrationsbereitschaft vor. Mittlerweile versteht und spricht Kadlec die deutsche Sprache und hat sich seinen Mitspielern ein wenig geöffnet. Aber das half ihm noch nicht weiter. Denn mit Alex Meier und Haris Seferovic hat sich ein Sturmduo gefunden, das dem Tschechen keinen Raum zur Entfaltung lässt. 20 Tore und sechs Assists haben die beiden gemeinsam zu Wege gebracht, da gibt es keinen Anlass zu meckern oder zu wechseln. In vier Spielen durfte Kadlec 117 Minuten lang ran, dabei erzielte er immerhin einen Treffer. Aber es ist bei weitem nicht das, was er von sich erwartet. Die Zeichen stehen auf Abschied, obwohl Kadlec mit dem neuen Trainer Thomas Schaaf besser zurecht kommt als mit Veh. Auch Sportdirektor Bruno Hübner attestiert dem 22 Jahre alten Profi überdurchschnittliche Fähigkeiten, sagt aber: „In seiner Situation macht es Sinn, über einen Wechsel nachzudenken.“

          Kadlec fällt positiv auf

          Kadlecs Situation ist folgende: In diesem Sommer findet in seiner Heimat die Junioren-Europameisterschaft U 21 statt. Und nachdem er im A-Team seines Landes kaum noch berücksichtigt wird, will er dort unbedingt dabei sein, um in Tschechien, aber auch international wieder auf sich aufmerksam zu machen. „Um eine gute EM zu spielen, braucht Václav aber Spielzeit, die bekommt er bei uns nicht“, sagt Hübner. Er steht einer Ausleihe aufgeschlossen gegenüber, sogar einem Verkauf: „Aber nur, wenn es ein außergewöhnlich gutes Angebot gibt. Es ist nämlich nicht leicht, einen Stürmer seiner Qualität zu finden.“ Kadlec, der bis 2017 in Frankfurt unter Vertrag steht, sagte immer wieder, bleiben zu wollen und um einen Stammplatz zu kämpfen. Mittlerweile schwankt der Tscheche. Er wird mit seinem früheren Klub in Verbindung gebracht.

          In Mannheim fiel Kadlec mit seinen Fähigkeiten auf. Seine Auffassungsgabe, Schusstechnik und Zielstrebigkeit stellten ihn über alle anderen. Allerdings war die Konkurrenz nicht allzu stark. Keiner der Gegner, Kaiserslautern, Karlsruhe, SV Sandhausen und Waldhof Mannheim spielt erstklassig, und von den Eintracht-Sturmkollegen war auch keiner dabei. Neben Kadlec gehörten vom Profi-Kader nur noch Sebastian Oczipka und die Talente David Kinsombu und Joel Gerezgiher zum Aufgebot. Aufgefüllt wurde die Mannschaft durch die Jugendlichen Yannick Zummack, Emil Balayev, Hermann Dörner, Ilias Azouaghi, Nico Rinderknecht und Enis Bunjaki. Betreut wurde die Eintracht von Assistenztrainer Wolfgang Rolff.

          Reise nach Abu Dhabi steht bevor

          An diesem Montag beginnt die Übungsphase mit einem Laktattest und einem leichten Auslaufen für die in Mannheim eingesetzten Spieler. Am kommenden Freitag steigt der erste Test beim Drittligaklub SV Wehen Wiesbaden. Einen Tag später nimmt die Eintracht am Frankfurter Hallenturnier in der Höchster Ballsporthalle teil - sicher in anderer Besetzung. Am Dienstag, den 13. Januar, folgt dann der Start ins achttägige Trainingslager nach Abu Dhabi, wo zwei Testspielen gegen Al-Ain und den Hamburger SV auf dem Programm stehen. Der Countdown bis zum Bundesliga-Rückrundenstart am 31. Januar spielt sich dann in der Heimat ab.

          Bis auf Constant Djakpa, mit dem nach seinem Kreuzbandriss in dieser Saison nicht mehr gerechnet wird, haben alle anderen Verletzten gute Fortschritte gemacht. Torwart Kevin Trapp meldet sich als völlig fit zurück. Sein Vertreter Felix Wiedwald soll nach seiner Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber die Reise nach Abu Dhabi mitmachen und Nelson Valdez (ebenfalls Kreuzbandriss) hofft ebenfalls, dabei sein zu können. Nach einer gelungen Vorrunde hat die Eintracht auch in der Winterpause gute Nachrichten produziert.

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