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Eintracht Frankfurt : „Wir wollen Kevin Trapp halten“

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Ein guter Fang für Paris? Kevin Trapp ist ein begehrter Torhüter, von dessen Abschied die Eintracht erst einmal überzeugt werden muss. Bild: Wonge Bergmann

Paris St. Germain wirbt um Torhüter Trapp, was Eintracht Frankfurt mindestens neun Millionen Euro bringen könnte. Die Gewissheit für die Nummer zwei im Tor wächst: Es soll Heinz Lindner werden.

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          Auf die Frage, ob für die Eintracht ein Vereinswechsel von Torhüter Kevin Trapp denkbar sei, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen am Dienstag dieser Zeitung: „Die Transparenz des Gedankenguts ist in diesem Geschäft schädlich.“ Als am gleichen Tag öffentlich geworden war, dass sich der französische Meister Paris St. Germain mit einer Verpflichtung des Frankfurter Kapitäns beschäftigt, sorgte das keineswegs für Erstaunen beim Fußball-Bundesligaverein. Denn: „Das ist für uns nicht ganz neu“, sagte Bruchhagen. „Wir haben von dem Interesse gehört.“

          Ein konkretes Angebot für Trapp sollen die Franzosen bisher bei der Eintracht nicht abgegeben haben. „Wir können nur reagieren, wenn wir ein Schriftstück mit Paris St. Germain auf dem Briefkopf bekommen haben.“ Bruchhagen und die Eintracht befinden sich also in gespannter Wartestellung. Dem Vernehmen nach soll der Champions-League-Klub und Double-Gewinner bereit sein, mindestens neun Millionen Euro für den 24 Jahre alten Deutschen zu zahlen. Den Frankfurtern dürfte das jedoch zu wenig sein - und das, obwohl es eine Rekordablösesumme für die Hessen wäre. Finanzstark ist der europäische Topklub aus Frankreich mit der Investorengruppe „Qatar Sports Investments“ auf jeden Fall.

          Lindner käme ablösefrei von Austria Wien

          „Wir wollen Kevin halten. Er ist ein wertvoller Spieler“, sagte der neue, alte Trainer Armin Veh am Dienstag dieser Zeitung. „Wir können aber nicht zu hundert Prozent sagen, dass er bleibt.“ Und weiter: „Wenn ein Spieler eine bestimmte Chance hat, kann man ihn nicht halten.“ Werden sich alle Beteiligten einig, stünde einem Weggang des Torhüters wohl nichts mehr im Weg. Trapp und seinem Berater liegt offenbar ein konkretes Angebot aus Paris vor. Mit Trapp hat Veh gesprochen. Aber es ging nicht hauptsächlich um dieses Thema. Zumindest einen nominell zweiten Torwart für den zu Werder Bremen abgewanderten Felix Wiedwald haben die Frankfurter nach Informationen dieser Zeitung bereits gefunden.

          Mit dem siebenmaligen österreichischen Nationalspieler Heinz Lindner sind die Verhandlungen weit fortgeschritten. Die Zusammenarbeit soll in Kürze besiegelt werden. Der Vierundzwanzigjährige käme dann ablösefrei von Austria Wien. Mit dem Traditionsverein, bei dem er zehn Jahre lang spielte und 2013 Torhüter des Jahres war, absolvierte er 2013 sechs Begegnungen in der Champions League. Veh würde also die gewünschte Qualität erhalten. Auf der Torhüterposition ist mächtig etwas los, weil die Frankfurter am Dienstag auch dem Talent Yannick Zummack einen Profivertrag für die kommende Saison gaben. Ebenfalls unter Vertrag steht noch der aserbaidschanische Nachwuchstorwart Emil Balayev.

          Paris wäre für Trapp ein Karrieresprung

          Trapp hatte seinen Vertrag in Frankfurt erst Anfang Februar bis Juni 2019 verlängert. Die Eintracht sei der richtige Verein, sagte er damals. Die Perspektive schien für ihn zu stimmen. Doch nun locken ganz andere Aussichten. Mit einem Engagement in Paris würde Trapp in neue, viel größere Dimensionen vorstoßen - nicht nur bei seinem Gehalt. Er wäre auch Mannschaftskollege von Stars wie Zlatan Ibrahimovic, Edinson Cavani und David Luiz. Und seine sportliche Heimat wäre die Königsklasse, in der die Franzosen in den zurückliegenden Jahren immer das Viertelfinale erreichten. Mit einem Sprung wäre Trapp, der wohl keine Ausstiegsklausel für das Ausland hat - das bedeutet, dass die Ablösesumme frei verhandelbar wäre -, auf der großen Bühne. Das würde auch seine Chancen im Hinblick auf die deutsche Nationalmannschaft erhöhen. Sein Rivale in Paris wäre der italienische Nationaltorwart Salvatore Sirigu. Er gilt als der designierte Nachfolger von Gianluigi Buffon. Der Marktwert des 28 Jahre alten Sirigu (Vertrag bis Juni 2018) wird auf 20 Millionen Euro geschätzt. Aufgrund von Patzern wurde er in Paris aber schon kritisiert und in Frage gestellt.

          Mit einer erzielten Ablösesumme für Trapp in Höhe von über zehn Millionen Euro könnten die Frankfurter ordentlich in Verstärkungen investieren. Das wäre ein großer Anreiz für die Eintracht, ihren geschätzten Torhüter doch ziehen zu lassen. Rechtsverteidiger Sebastian Jung würde Veh, der einige Tage Wanderurlaub im österreichischen Seefeld macht, gerne aus Wolfsburg zurückholen. Der vor einem Jahr nach Hoffenheim gegangene Pirmin Schwegler spielt in seinen Planungen hingegen keine Rolle. Unabhängig vom Genesungsprozess bei Alexander Meier (Knieoperation) will Veh noch einen Stürmer verpflichten. Und was die angedachte und von Sportdirektor Bruno Hübner seit Wochen in mühevoller Verhandlungsarbeit vorangetriebene Vertragsverlängerung mit Innenverteidiger Carlos Zambrano angeht, scheinen die Frankfurter auf die Zielgerade eingebogen zu sein. „Es sieht gut aus“, heißt es aus Eintracht-Kreisen.

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