https://www.faz.net/-gzg-7vek6

Eintracht Frankfurt : „Wir machen uns das Leben selbst zu schwer“

  • -Aktualisiert am

Adlerauge: Thomas Schaaf schärft den analytischen Blick für die Schwächen seiner Mannschaft. Bild: Heiko Rhode

Eintracht-Trainer Schaaf versucht, die Lehren aus dem 1:3 in Paderborn zu ziehen. Sein Team ist nicht gut genug, um sich weniger als 100 Prozent Einsatz leisten zu können.

          2 Min.

          Der Ärger über das 1:3 gegen Paderborn steckte der Eintracht auch am Dienstag noch in den Knochen. Der Tag begann überpünktlich, mit einer längeren Ansprache des Trainers. Die Atmosphäre hatte etwas leicht Düsteres. Am Nachmittag beim Testspiel gegen Opel Rüsselsheim durften dann die Spieler ran, die in den vergangenen Wochen zur zweiten Reihe gehört hatten. Ihnen gelang vor 1300 Zuschauern ein 12:2, zu dem die Torschützen Sonny Kittel (2), Marc Stendera (2), Martin Lanig (2), Vaclav Kadlec (2), Alexander Madlung, Stefan Aigner, Slobodan Medojevic und ein Rüsselsheimer Eigentor beitrugen. Aber sie lieferten keine überzeugenden Argumente dafür, dass Trainer Schaaf nun die Mannschaft für die Bundesliga unbedingt umkrempeln müsste, dazu war allein schon der Gegner aus der Kreisoberliga zu schwach.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Zu großen Veränderungen tendiert Thomas Schaaf ohnehin nicht. Der Trainer ging auch zwei Tage nach der Schlappe nicht auf Distanz zu den Spielern, die gegen Paderborn nach einem 1:0-Vorsprung völlig den Faden verloren hatten. Er wirkte alles andere als beleidigt oder enttäuscht, eher wie ein Lehrer, dem bewusst wird, dass die Schüler noch nicht so weit sind, wie er dachte, und dass er den Stoff eben noch länger vermitteln muss.

          „Wir wissen alles, kriegen es trotzdem nicht auf die Reihe“

          „Wir machen uns immer noch das Leben selbst zu schwer, indem wir die Bälle zu einfach und zu schnell abgeben und auf der anderen Seite die Chancen nicht nutzen“, sagte Schaaf, der sich von seinen Spielern mehr Selbstbewusstsein, Souveränität und Ruhe am Ball wünscht. Tugenden, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, zumindest gegen Konkurrenten wie Paderborn, die über begrenzte Mittel verfügen, Fähigkeiten, die seine Spieler schon besitzen müssten. Schaaf stellt sich vor seine Profis: „Was wir auf der Welt schon alles können müssten, welche großen Themen wie Umweltschutz wir schon gelöst haben sollten. Wir wissen alles, kriegen es trotzdem nicht auf die Reihe.“ Und so sei es eben auch im Fußball: „Wir trainieren zwar jeden Tag, aber wir gehen ja auch jeden Tag in die Schule und wissen trotzdem nicht alles. Es geht um Prozesse, die man zu lernen hat.“

          Eine Fußballmannschaft sei ein kompliziertes Gebilde. Und es gehe nicht darum, eine Schablone hinzulegen, an die sich jeder Spieler einfach zu halten habe. „Jeder interpretiert seine Aufgabe anders.“ Und jede Interpretation des einen beeinflusst die Aufgabe des anderen. „Es geht darum, dass wir uns aufeinander abstimmen, dass jeder vom anderen weiß, was er tut, und dass wir alle auf unserem Weg zusammenbleiben.“

          Genau daran sei die Mannschaft in Paderborn gescheitert, nicht am Versäumnis eines Einzelnen. „Natürlich hat es auch individuelle Fehler gegeben. Aber häufiger sind wir unter Druck geraten, weil es keine Anspielstationen gab oder weil das Umkehrspiel nicht schnell genug umgesetzt wurde.“ Die Gesamtheit habe es nicht geschafft, den Paderborner Druck zu brechen. „Vorne wurde der Ball nicht fest gemacht, und es wurde zu viel durchgelassen, weil man sich nicht genug gegenseitig in der Defensivarbeit unterstützte. Und hinten wurde nicht konsequent genug dagegen gegangen.“

          Dass er den defensiven Mittelfeldspieler Medojevic in der Schlussphase durch den offensiven Aigner ersetzte und somit auch nicht gerade zur Stabilität beitrug, erklärte Schaaf so: „Ich wollte gegen den Druck dadurch angehen, dass wir verstärkt über die Außen Angriffe vortragen.“ Es blieb beim Versuch. Aber genau das ist es, was Schaaf von seinen Spielern fordert: nicht nur reagieren, sondern selbst Akzente setzen. „Ich will, dass wir den Gegner durch eine aktive Arbeit nicht zur Entfaltung kommen lassen.“ Das gelang gegen Paderborn nicht, weil die Frankfurter nicht die gleiche Leidenschaft aufbrachten wie ihre Gegner. „Wir müssen die Lehren daraus ziehen, und das heißt, dass wir uns immer das Optimale abfordern“, sagt Schaaf. Das ist die Erkenntnis aus Paderborn. Die Eintracht ist nicht gut genug, um sich weniger als 100 Prozent Einsatz leisten zu können.

          Weitere Themen

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Topmeldungen

          Mietkäufe bei Immobilien : Miete zahlen, Eigentum bilden

          Schon seit Langem versucht die Politik, aus mehr Mietern Eigentümer zu machen. Mehrere Parteien wollen jetzt Mietkäufe stärker fördern. Das Modell klingt gut, doch in der Praxis lauern noch Tücken.
          Russischer Panzer rollen im April 2021 nach Manövern auf der Krim an Bord von Landungsschiffen.

          F.A.Z. Frühdenker : Kein Interesse an einem neuen Kalten Krieg

          Vom Treffen zwischen Biden und Putin gehen Entspannungssignale aus. Bundespräsident Steinmeier ist in Polen. Und die dänische Nationalmannschaft wieder im Stadion. In Deutschland wird es heiß. Der F.A.Z. Newsletter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.