https://www.faz.net/-gzg-7vldy

Eintracht Frankfurt : „Wir hauen uns selbst die Beine weg“

Was nun? Thomas Schaaf leidet mit seinen Spielern. Bild: Wonge Bergmann

Die Eintracht steht sich auch beim Wiedersehen mit Armin Veh selbst im Weg. Nach der Niederlage gegen Stuttgart geht der Blick nach unten.

          3 Min.

          Axel Hellmann war das Lachen vergangen. Doch das Vorstandsmitglied der Eintracht sorgte in der Mixed-Zone des Stadions für den letzten Spaß des Samstags, von dem sich sein Klub einen anderen Ausgang erhofft hatte. Gegen den VfB Stuttgart, der seit drei Monaten von ihrem ehemaligen Coach Armin Veh betreut wird, mussten sich die Hessen in einer packenden Bundesliga-Darbietung 4:5 geschlagen geben, und Peter Fischer, der Präsident der Frankfurter, gehörte zu den vielen Gratulanten, die sich im Gewühl zwischen den Umkleidekabinen einen Weg zum Trainer der Sieger bahnten. Fischer ist eine ziemlich eindrucksvolle Gestalt und zwei Meter groß. Doch als er sich im auffällig gemusterten Sakko vor Veh aufbaute, kam er in völlig freundlicher Absicht. Hellmanns salopper Zwischenruf – „Peter, leg’ den Mann übers Knie dafür!“ – verhallte ungehört: Fischer nahm den Dreiundfünfzigjährigen, der ihm zwischen Juni 2011 und Mai 2014 zu einem Vertrauten wurde, in den Arm und beglückwünschte ihn zu einem Erfolg, den die Eintracht mindestens genauso dringend benötigt hätte wie die am Ende glücklicheren Schwaben.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Fast 50000 Besucher erlebten ein dramatisches, aber auch von Fehlern geprägtes Spiel – die meisten davon unterliefen der Eintracht, der Tore von Alexander Madlung (21. und 65. Minute), Alexander Meier (57.) sowie Stefan Aigner (61.) gegen einen nie aufsteckenden Gegner nicht genügten. Denn der VfB schlug durch Martin Harnik (34., 36.), Christian Gentner (51., 84.) und Timo Werner (81.) einmal mehr zu. Meier gehörte danach zu den vielen Anwesenden, die zunächst tief Luft holen mussten, um das Erlebte auf den Punkt zu bringen: „Das war ein Spiel zwischen überragend und katastrophal“, sagte der Frankfurter Kapitän, der sich durch seinen sechsten Treffer an die Spitze der Torjägerliste schob.

          Anderson stand häufig falsch

          Doch das war für ihn an diesem Abend „nicht der Rede wert“. Auch Thomas Schaaf rang noch am Morgen danach um die passenden Worte. „Wir alle wollen ja ein Spektakel. Aber ich mag kein Spektakel, wenn ich dabei verliere“, sagte der Eintracht-Trainer nach dem Auslaufen der Profis am Stadtwald. „Wir haben unser Tor nicht genug verteidigt.“ Auch die nötige Entschlossenheit in der Rückwärtsbewegung habe gefehlt. „Das kann nicht sein, dass man vier Tore schießt und verliert“, sagte Keeper Felix Wiedwald frustriert. Bamba Anderson, ansonsten eher ein Ruhepol der Abwehr, trug diesmal seinen Teil zu dem aus Frankfurter Blickwinkel unerfreulichen Auf und Ab bei; sein verunglückter Freistoß leitete den 1:1-Ausgleich ein.

          Auch später erlaubte sich der Brasilianer beim Einleiten der Angriffe viele hektische Abspiele, die seine Kollegen nicht verwerten konnten, und stand häufig so falsch zum Ball, dass er sich nur mit einem Foul zu helfen wusste; Schaaf nahm ihn eine Viertelstunde vor Schluss, rotgefährdet, erstmals in dieser Saison vorzeitig aus dem Spiel. Aigner, Stefan Lanig und Madlung trugen ebenfalls durch Missgeschicke Schuld, dass der Kraftakt nach der Pause, bei dem die Frankfurter aus einem 1:3 ein 4:3 gemacht hatten, sich nicht lohnte. „Solche Fehler, die wir machen, das ist der Wahnsinn“, sagte Schaaf dazu. „Wir hauen uns selbst die Beine weg und laden den Gegner ein. Wir bestrafen uns selbst.“

          Schaaf brach sein Experiment ab

          Der 53-Jährige erlebte gegen Stuttgart sein 750. Bundesliga-Spiel als Trainer und Spieler, doch im Stadion jubelte ausgerechnet sein Vorgänger, der seine Rückkehr zelebrierte und genoss, wie ihn das Publikum beim Betreten des Stadions mit Beifall begrüßte. So viel Sympathiepunkte, wie sie sich Veh am Main verdiente, muss sich Schaaf erst noch erarbeiten. „Wir wissen um die Situation, dass wir im Aufbau sind und noch viel Festigkeit brauchen“, sagte er. „Die Mannschaft hat Qualität, wir müssen sie bündeln, ordnen und strukturieren. Das braucht Zeit, die Mannschaft muss sich erst finden.“ Vorerst rutschte sie in der Tabelle auf Rang elf ab.

          Am Samstag entschied sich Schaaf überraschend für eine Dreierabwehrkette, aber nach nur zwanzig Minuten beendete er das Experiment vorzeitig. Diskussionen über das Für und Wider des Versuchs ging er aus dem Weg, sondern sagte, es sei „keine Frage des Systems oder der Taktik, wenn wir nur danebenstehen und zuschauen“. Marco Russ formulierte es drastischer: „Unser Spielaufbau ist schlecht“, sagte der Routinier, „wir versuchen, den Ball ins Mittelfeld zu bringen, und wenn wir das überhaupt mal schaffen, dann ist er dort meistens gleich weg.“

          Seferovic entschuldigt sich

          Dessen ungeachtet sieht Schaaf der bevorstehenden Aufgabe an diesem Mittwoch im Pokal gegen Mönchengladbach (20.30 Uhr) nicht ohne Zuversicht entgegen. „Wir können da zeigen, dass wir an uns arbeiten und es besser machen wollen.“ Auf Haris Seferovic kann er dabei bauen. Am Sonntag entschuldigte sich der Heißsporn für seine Rote Karte beim „Tag der offenen Tür“ gegen Stuttgart. „Auch wenn Emotionen im Spiel waren, so was darf mir nicht passieren“, postete er bei Facebook. Der 22-Jährige wurde in der 86. Minute wegen einer beleidigenden Geste gegen den Schiedsrichter-Assistenten des Feldes verwiesen. Ihm drohen bis zu drei Bundesligaspiele Sperre.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.