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Eintracht Frankfurt : Wiedersehen macht Freude

Letzter Frankfurter Europapokalschütze: Naohiro Takahara trifft doppelt am Bosporus, doch die Eintracht scheidet trotzdem aus. Bild: AP

Neunzig Minuten bleiben, um den Traum der Eintracht wahr werden zu lassen: Über Wolfsburg nach Europa. Nicht nur bei Oka Nikolov werden Erinnerungen wach.

          2 Min.

          Europapokal. Die Rufe der Frankfurter Fans sind noch allgegenwärtig. Zuletzt hallten sie am Samstag durch das Oval des Weserstadions, als die Eintracht aber den ersten Matchball vergeben hat, schon mit einem Sieg bei Werder den Einzug in die Europa League perfekt zu machen. Was nicht ist, kann ja noch kommen. Und so ist die Fußballmannschaft von Trainer Armin Veh von dem Wunsch beseelt, zumindest mit einem Remis gegen den finalen Saisongegner VfL Wolfsburg den Traum von Europa Wirklichkeit werden zu lassen.

          Europapokal. Das war einmal - und liegt noch gar nicht so lange zurück. Das letzte Spiel fand sogar in Asien statt. Jenseits vom Bosporus, im Istanbuler Stadtteil Kadiköy. 13. Dezember 2006. Das Stadion von Fenerbahce war prall gefüllt. Nach einer knappen Stunde, als die Eintracht dank der beiden Tore von Naohiro Takahara 2:0 führte und Direktkurs auf die nächste Runde nahm, wurden in Frankfurter Zeitungsredaktionen schon die ersten Überschriften gemacht. „Das Wunder von Kadiköy“, hieß es beispielsweise. Eine gute halbe Stunde später, als sich Trauer und Tristesse im Eintracht-Tross breitmachten, fügte der Kollege zwei Worte an: „ ... bleibt aus.“ 2:2 im Hexenkessel von Fenerbahce Istanbul.

          90 Minuten zwischen Traum und Trauma

          Acht Minuten haben der Eintracht seinerzeit gefehlt, um den fast schon sicher scheinenden Einzug in die Zwischenrunde tatsächlich perfekt zu machen. Auch damals schon stand Heribert Bruchhagen in der Verantwortung. Vor dem Rückflug in die Heimat sagte der Vorstandsvorsitzende: „Wir waren so nah dran.“ Dann dankte er jedem einzelnen Spieler persönlich für das Geleistete und fügte an: „Trotzdem können wir stolz sein. Wir haben den deutschen Fußball würdig vertreten.“ Patrick Ochs, vor sechseinhalb Jahren noch als flinker Verteidiger für die Eintracht am Ball, brachte seine Enttäuschung in zwei Sätzen zum Ausdruck: „Normalerweise waren wir schon durch. Doch dann brennt auf einmal die Hütte.“ Trotz des Ausscheidens war es eine lehrreiche Zeit für die Eintracht. Einziges Manko: Sie hat es nicht geschafft, eines ihrer Gruppenspiele zu gewinnen. 1:2 gegen US Palermo, 1:1 bei Celta Vigo, 0:0 gegen Newcastle United und zum Schluss das 2:2 bei Fenerbahce. In der Summe war dies zu wenig, um im Europapokal zu überwintern. In einer Mischung aus Stolz, Anerkennung und Rührung sagte der Trainer Friedhelm Funkel nach dem Aus: „Die, die auf dem Platz gestanden haben, haben um ihr Leben gekämpft und den Adler in der Brust getragen.“ Viele sind seit jenen internationalen Fußballwochen nicht mehr dabei. Aber: Alexander Meier, Marco Russ - und, natürlich, Oka Nikolov schon. In Istanbul saß der „ewige Oka“ auf der Bank, Markus Pröll stand zwischen den Pfosten. Ein Bild, das sich im Prinzip in diesen Tagen und Wochen wiederholt. Denn Stammkraft, das ist Nikolov auch jetzt nicht. Doch als verlässlicher Stellvertreter des verletzten Kevin Trapp zeigt der am 25. Mai 39 Jahre alt werdende Torwart seit acht Bundesligaspielen schon konstant gute und stabile Leistungen. In seiner gewohnt nüchternen Art gab der Eintracht-Routinier nach dem 1:1 von Bremen einen Ausblick auf das große Finale gegen Wolfsburg, in dem der abermalige Sprung nach Europa glücken soll. „Wir wussten, dass der Kampf um die Europacupplätze bis zum Ende spannend bleibt. Jetzt freuen wir uns auf das Heimspiel gegen Wolfsburg. Was die anderen machen, interessiert uns nicht. Wir müssen auf uns gucken und die Punkte holen. Wir haben jetzt vier Spiele in Folge nicht verloren, das macht uns Mut.“

          Ein Spiel noch. Einmal noch die Kräfte bündeln und sich fokussieren. „Wenn wir das schaffen sollten, wäre es wirklich ein Traum“, sagte Veh. Er war angetreten, um mit dem Aufsteiger den Klassenverbleib zu schaffen. Dafür hat er in der Trainerkabine jenen ominösen Zettel mit den vierzig Punkten aufgehängt. Aus vierzig sind mittlerweile 51 geworden - und seitdem in Frankfurt die mögliche Rückkehr in das internationale Geschäft mehr als nur eine Vision ist, baumelt passend zu den Eintracht-Träumen ein Pokal in Vehs Räumlichkeiten.

          Die Eintracht zwischen Istanbul und Wolfsburg. Am Bosporus fehlten acht Minuten zum Weiterkommen. Am 18. Mai liegen neunzig Minuten zwischen Traum und Trauma.

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