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Eintracht Frankfurt : Widersprüchliches in der Wüste

Jenseits von Frankfurt: Vorstandschef Heribert Bruchhagen räumt inzwischen ein, dass es gut sei, im Winter das Trainingslager in Abu Dhabi abzuhalten. Bild: Heiko Rhode

Die Eintracht sendet verwirrende Signale aus dem Trainingslager: Vorstandschef Bruchhagen sieht im Einstieg von Investoren mehr Risiken als Chancen, für Kollege Hellmann ist es genau umgekehrt.

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          Heribert Bruchhagen hat sein Urteil revidiert. Als er vor dreieinhalb Jahren Armin Veh in seinem Zimmer sitzen hatte und von ihm den Wunsch hörte, ein Trainingslager am Persischen Golf abzuhalten, war der Vorstandsvorsitzende der Eintracht nicht unbedingt angetan von dem Vorschlag. „Es gab bei mir keine Begeisterung.“ Am Sonntag nahm auch er am Rande des Übungsgeländes im „Emirates Palace“ Platz und verfolgte aufmerksam die Arbeit des Teams. Der Coach heißt inzwischen Thomas Schaaf bei der Eintracht, die in diesen Tagen nach einer Stippvisite 2012 in Qatar nun schon zum dritten Mal in Abu Dhabi Station macht, um sich für den zweiten Teil der Saison in Form zu bringen. Bruchhagen findet mittlerweile, „dass es eine kluge Entscheidung war“, eingetretene Pfade zu verlassen, den bis dahin bevorzugten Hotels in der Türkei oder Portugal den Rücken zu kehren und mit dem Aufbruch in den Mittleren Osten Neuland zu betreten. „Wenn sich nicht noch eine Verletzung ereignet“, zog der 66-Jährige sein Fazit, „war es rundum gelungen.“

          Marc Heinrich
          (mah.), Sport

          Den Fehler, sich noch einmal von der Situation in der Zeit zwischen Weihnachten und dem ersten Pflichtspiel Ende Januar blenden zu lassen, machte der in der Vormittagssonne des Sonntags sitzende Bruchhagen nicht. Dieser Irrtum unterlief ihm im Winter vor vier Jahren in Belek – anschließend stürzte das Team trotz 26 Punkten nach der Hinserie ungebremst ab und landete in der zweiten Liga. Die Ursachen des Abstiegs sind mittlerweile aufgearbeitet, die Folgen ausgestanden, vergessen ist die Schmach jedoch nicht. Bruchhagens Äußerungen klangen jedenfalls nicht nach grenzenlosem Optimismus. Es werde „ganz schwer“, das Abschneiden der vergangenen Monate (und 23 Zähler aus 17 Partien) zu wiederholen. „Wir haben ein Heimspiel weniger, die Konstellation des Spielplans ist nicht einfach.“ Und überhaupt: „Der Fußball ist unwägbar.“

          „Kein weißer Ritter“ für die Eintracht

          Planungssicherheit erwartet er so schnell wie möglich von Carlos Zambrano und Kevin Trapp. Verlassen sie den Verein im Sommer, oder bleiben sie? Er weiß es nicht, Verhandlungen laufen seit Wochen. „Beide erachte ich als extrem wichtig, und wir haben Angebote zur Vertragsverlängerung gemacht. Es ist das Ziel, sie zu halten.“ Zuletzt gelang es nicht, umworbene Kräfte im finanziellen Tauziehen mit der besser betuchten Konkurrenz zu binden; Schwegler, Rode und Jung zog es nach Hoffenheim, München und Wolfsburg, wo sie ihr zuvor schon stattliches Gehalt weiter verbesserten. In der Vergangenheit musste Bruchhagen anerkennen, „dass Spieler, die Leistung zeigten, uns vom Markt weggenommen wurden“. Um fortan im Wettbieten bessere Chancen zu besitzen, verständigten sich Aufsichtsrat und Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG darauf, zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, mit Hilfe von Anlegern mehr Geld in die Kassen zu bekommen.

          Vorstandskollege Axel Hellmann ist schon länger ein Freund der Araber.
          Vorstandskollege Axel Hellmann ist schon länger ein Freund der Araber. : Bild: Heiko Rhode

          Bruchhagen, der noch bis zu seinem angekündigten Rückzug 2016 Verantwortung trägt, hat mit der Idee, dass Investoren den Klub für sich entdecken könnten, nach wie vor seine Schwierigkeiten. Sein Grundsatz lautet, Mannschaften „aus den laufenden Geschäften heraus“ zu unterhalten, nur dann sei es „ordentlich gegenfinanziert“. Und weiter: „Alle anderen Konstellationen kann man machen, sind aber nicht zielführend. Investoren wollen verdienen.“ Das könne „Nachteile“ mit sich bringen. Bruchhagen, der den HSV und 1860 München als Beispiele nannte, wo sich Hoffnungen nicht erfüllten, unterstrich: „Man muss bei ihren Absichten genau hinschauen.“ Bei der Eintracht gebe es, Stand jetzt, „keinen Investor“, und darüber hinaus sehe er „keinen weißen Ritter“.

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