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Eintracht Frankfurt : „Wer weiß, wofür es gut ist“

Finaler Frust: Caio kann’s nicht fassen, dass am Ende die Lauterer feiern – und Djakpa sieht auch nicht glücklicher aus. Bild: REUTERS

Bei aller Enttäuschung über das unglückliche Ausscheiden im Pokal gegen Kaiserslautern hofft Eintracht-Trainer Veh auf einen positiven Effekt für das Projekt Wiederaufstieg.

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          Es war ein Abend, der Spuren hinterlassen hatte. Der Morgen danach stand bei der Eintracht im Zeichen der Pflege, der Regeneration - und des Nachdenkens über ein Spiel, das mehr hatte als eine sportliche Dimension. Beim 0:1 nach Verlängerung gegen den 1. FC Kaiserslautern, durch das sich die Frankfurter aus dem Pokalwettbewerb verabschiedeten, waren alle Spieler bis an ihre körperlichen Grenzen gegangen - und manche auch ein Stück darüber hinaus. Besonders Alexander Meier, Constant Djakpa, Bamba Anderson und Erwin Hoffer waren nach dem K. o. in der zweiten Runde, die rund um die Arena im Stadtwald von schweren Krawallen begleitet wurde, gezeichnet und mit ihren Kräften am Ende. Sie gingen mit schweren Beinen, von Krämpfen geplagt und mit hängenden Köpfen vom Platz und durften am Donnerstag während des Trainings kürzer treten, sich massieren und die müden Muskeln medizinisch versorgen lassen. Von einer „sehr ordentlichen“ Partie sprach Armin Veh nach der ersten Pflichtspielniederlage in dieser Saison. Er war zwar über den unglücklichen Ausgang ernüchtert, sah die Fußballwelt deswegen aber nicht untergehen. „Wir hätten unseren Fans gerne einen Sieg geschenkt“, sagte der Coach, „doch die Meisterschaft besitzt für uns Priorität.“ Den entscheidenden Treffer, mit dem die Pfälzer die Spekulationen auf eine Überraschung beendeten, erzielte Richard Sukuta-Pasu in der 119. Minute - Sekunden bevor das Elfmeterschießen die Spannung in einer ausgeglichenen Partie auf die Spitze getrieben hätte.

          Veh bemerkte bei allem Verdruss über das verpasste Weiterkommen, das mindestens 600.000 Euro an Einnahmen garantiert hätte, dass ihn der Auftritt positiv stimme für den weiteren Verlauf der Saison: „Man hat gesehen, dass die Mannschaft funktioniert“; das Team habe gezeigt, dass es für das Projekt Wiederaufstieg gerüstet sei. Vor allem Erwin Hoffer hätte Frankfurt gegen seinen früheren Arbeitgeber in Führung bringen können - sogar müssen. In der 6. Minute wurde ein Schuss des Österreichers abgeblockt, in der 28. Minute scheiterte der Stürmer an Schlussmann Kevin Trapp.

          Bruchhagen verärgert über Ausschreitungen rund um das Südwest-Derby

          Zudem erkannte Referee Wolfgang Stark einen vermeintlichen Treffer des 24-Jährigen wegen Abseits nicht an (15.). „Es war ein toller Pokal-Fight. Leider haben wir aus unseren Möglichkeiten zu wenig gemacht“, stellte Veh fest. Sein Schachzug, in der Schlussphase mit Caio und Rob Friend zwei jüngst zu kurz gekommene Offensiv-Spezialisten als Joker zu bringen, missriet dabei. Der Kanadier fand keine Bindung zu den Nebenleuten, während Caio seiner Reihe unglückseliger Vorstellungen eine weitere Episode hinzufügte. Zunächst scheiterte er bei Freistößen (107. und 115. Minute) und einem Versuch aus der Distanz (108.), ehe er ungeschickt in einen Zweikampf mit Dorge Kouemaha ging und den Ball so abfälschte, dass er vor die Füße Sukuta-Pasus flog, der den Ball dankbar ins Tor schob. „Schade“, merkte Heribert Bruchhagen, der Eintracht-Vorstandsvorsitzende, an, „dass sich unser Aufwand nur negativ bezahlt gemacht hat. Jetzt stehen wir mit leeren Händen da und sind total enttäuscht.“ Veh nahm das Scheitern eine Spur gelassener. „So zu verlieren, ist natürlich unglücklich. Aber wer weiß, wofür es gut ist. Zuletzt sind Duisburg und Cottbus bis ins Halbfinale gekommen und haben dafür in der Liga geschwächelt. Unser Primärziel bleibt der Aufstieg.“ Und weil sich das Team kein Nachlassen im Kampf um einen der Aufstiegsplätze erlauben kann, reist es mit dem Ansinnen nach Bayern, im Sonntagsspiel gegen den im Pokal ebenfalls gescheiterten FC Ingolstadt mit einem weiteren Erfolgserlebnis wenigstens in der zweiten Liga den Nimbus der Unbesiegbarkeit zu wahren.

          Verärgert reagierte Bruchhagen auf die abermaligen Ausschreitungen rund um das Südwest-Derby. „Wir haben es mit einer Gruppe zu tun, die nicht am Sport interessiert ist, sondern nur Aufmerksamkeit erregen will.“ Er appellierte aufs Neue an die „Selbstreinigungskräfte“ der Szene und verlangte eine engere Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Polizei und Justiz. „Die Gruppe muss die Entschlossenheit derer spüren, die den Fußball lieben.“ Problemfans aus beiden Lagern hatten mit Flaschen, Böllern und Steinen geworfen. Vor dem Stadion kam es zu gezielten Attacken gewaltbereiter Frankfurter Hooligans gegen die Polizei, die Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzte. Insgesamt wurden acht Beamte verletzt und neun Randalierer festgenommen. Am Donnerstag erreichte die Eintracht zudem die Nachricht, dass sie nun definitiv eine Geldstrafe von 20.000 Euro für das Fehlverhalten ihres Anhangs in den Spielen gegen Rostock und Dresden zu zahlen hat. Der Verein hatte zunächst Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Nach den Ereignissen vom Mittwochabend haben die Frankfurter Argumente, die für ein milderes Urteil sprechen könnten, für das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes allerdings ihre Überzeugungskraft verloren.

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