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Eintracht Frankfurt : Wechsel auf die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Hellwach – meistens: Medojevic geht gegen Augsburg, wenn nötig, auch voran. Bild: Heiko Rhode

Slobodan Medojevic lässt trotz des 0:1 gegen Augsburg ahnen, dass die Eintracht von seinen Qualitäten noch sehr profitieren kann. Seiner Karriereplanung käme das zugute.

          3 Min.

          Auch am Tag nach der 0:1-Heimniederlage gegen den FC Augsburg fiel es schwer, positive Dinge am sonntäglichen Auftritt der Frankfurter Eintracht zu finden. Da war Torwart Kevin Trapp, der sich von der Unsicherheit seiner Vorderleute nicht anstecken ließ und alles dafür tat, die Höhe der Niederlage zu begrenzen. Da war Vaclav Kadlec, der sich in der ersten Halbzeit einige Chancen erarbeitete, aber im Abschluss glücklos blieb. Und da war Slobodan Medojevic, der in der zweiten Halbzeit zu seinem ersten Einsatz in Frankfurt kam. Der 23 Jahre alte Serbe, als Letzter der neun neuen Spieler am Tag des Transferschlusses verpflichtet, vermochte zwar den Systemzusammenbruch der Eintracht nicht zu verhindern. Aber die Qualität seiner Einzelaktionen deutete immerhin an, dass er für die Frankfurter in Zukunft von einigem Wert sein könnte.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Die Statistiken des für geschätzt 1,5 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg geholten Mittelfeldspielers waren noch besser, als der Anschein seines Wirkens suggerierte. 26 seiner 27 Pässe fanden den Mitspieler, was eine herausragende Quote von 96,3 Prozent ergibt. Auch dass er 13 seiner 18 Zweikämpfe (72,2 Prozent) gewann, ist ein starker Wert. Allerdings hatte Medojevic nur 33 Ballkontakte in den 45 Minuten seines Einsatzes – für einen defensiven Mittelfeldspieler relativ wenig.

          „Doppel-Sechs“ als Schwäche

          Bösartig formuliert: Wenn er am Ball war, war er gut, aber das Spiel lief an Medojevic meist vorbei. Traurige Tatsache war, dass das Spiel an fast allen Frankfurtern vorbeilief. Trainer Thomas Schaaf sagte zum Debüt des Serben: „Er war so gut oder schlecht wie die anderen auch. Man muss keinen Einzelnen rausnehmen, an der Niederlage waren alle beteiligt.“ Dennoch lobte er: „Es ist schwierig, zum ersten Mal reinzukommen, wenn nicht viel läuft. Aber er war in der Position sehr treu. Was er da zu tun hatte, hat er gut gemacht.“ Medojevic fiel in der zweiten Halbzeit dadurch positiv auf, dass er eine gewiss Spritzigkeit und Giftigkeit in die Zweikämpfe einbrachte. Bei anderen bemängelte Schaaf die Zögerlichkeit, mit der sie auf den Rückstand in der 49. Minute reagierten. Zweimal löste Medojevic sogar Szenenapplaus des Publikums aus, als er schwierige Situationen mit dem Zidane-Trick löste – indem er den Ball mit der Sohle weiterspielte und sich dabei um die eigene Achse drehte.

          Aber lieber hätte er sich bei diesen koordinativ schwierigen Aktionen auf die Nase gelegt und dafür der Eintracht mehr Halt im defensiven Mittelfeld gegeben. Aber mit Johannes Flum an seiner Seite, der bis zu seiner Einwechslung in der 56. Minute nur sechs Minuten Spielpraxis in der Bundesliga und eine Minute im DFB-Pokal hatte, vermochte Medojevic keine wirkungsvolle Hürde bei den Augsburger Kontern zu bilden. Die „Doppel-Sechs“, die in der Besetzung Hasebe/Lanig und Hasebe/Russ zuvor gut bis einigermaßen ordentlich funktionierte, wurde gegen Augsburg zum Schwachpunkt. Schaaf tat der Mannschaft keinen Gefallen damit erst Hasebe (wegen Gelb-Rot-Gefahr) und dann Russ auszutauschen.

          Medojevic: „Es geht besser“

          Aber vielleicht war es ein Wechsel auf die Zukunft. Denn seine Leistungen beim VfL Wolfsburg lassen erwarten, dass es Medojevic nur an Spielpraxis und Eingewöhnungszeit fehlt, um den Defensivverbund der Eintracht zu festigen. In Wolfsburg erkämpfte er sich in der vergangenen Saison über viele Monate einen Stammplatz im hochpreisigen Kader. Erst eine Rückenverletzung warf ihn gegen Ende der Saison zurück. In der Vorbereitung im Sommer wurde er von Trainer Hecking und Manager Klaus Allofs für seinen großen Einsatz noch gelobt. „Vorbildlich, wie er bei der Konkurrenz um seinen Platz im Team kämpft“, sagte Hecking. Ende Juli. Als die erste Anfrage von Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner kam, wollten die Wolfsburger ihn noch nicht ziehen lassen. Aber als sich im August herausstellte, dass nicht nur der belgische Nationalspieler Malanda und der französische Nationalspieler Guilavogui kämen, sondern auch WM-Halbfinalist Luiz Gustavo bliebe, änderte sich die Meinung angesichts des großen Angebots im defensiven Mittelfeld. Zumal Medojevics Vertrag 2015 ausgelaufen wäre und er im nächsten Sommer ablösefrei hätte wechseln können. Ein paar Wochen nachdem Medojevic gesagt hatte, er sei „mit dem Kopf nur beim VfL, ich konzentriere mich voll auf diese Vorbereitung und habe vor keinem Angst – egal, wer kommt“, wurde der Wechsel vollzogen.

          „Ich will serbischer Nationalspieler werden“, begründete der ehemalige Kapitän der Junioren-Nationalmannschaft seine Entscheidung. In Frankfurt erhofft er sich die dafür nötigen Einsatzzeiten. Medojevic darf optimistisch sein, nachdem er nun den Anfang gemacht hat. Seine Premiere bei der Eintracht bewertete er vorsichtig: „Es war ganz ordentlich, aber es geht besser.“ Medojevic mag nicht viel über sich sprechen. „Ich zeige lieber auf dem Platz, was ich kann.“

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