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Eintracht Frankfurt : Was kann die Eintracht schon?

  • -Aktualisiert am

Tragende Rolle bei der Eintracht: Trainer Schaaf tut alles, um seine Spieler bei der Stange zu halten. Bild: Heiko Rhode

Inter Mailand wird den Frankfurtern eine Antwort geben. Noch hapert es mit Trainer Schaafs neuem System. Russ gibt zu: „Wir denken im Spiel noch zu viel nach.“

          Langsam wird es ernst. Trainer Thomas Schaaf mag dem offiziellen Saisoneröffnungsspiel gegen Inter Mailand am Sonntag (15.30 Uhr) zwar nicht den Status der Generalprobe verleihen. „Jedes Testspiel ist wichtig, jedes Training ist wichtig, denn jede Einheit kann mich nach vorne bringen und mein Wissen vergrößern. Wer Unterschiede macht, macht Fehler“, sagte Schaaf am Freitag. Andererseits lässt er die Fans bei den letzten beiden Übungsstunden vor dem Spiel nicht zuschauen. Die Mannschaft soll sich in aller Ruhe und Konzentration vorbereiten.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Neugier auf die neue Eintracht ist riesengroß. Nach Trainingslagern auf Norderney, in Donaueschingen sowie Bardonecchia in Norditalien halten sich die Frankfurter Profis wieder in heimatlichen Gefilden auf. Für die Begegnung mit der italienischen Spitzenmannschaft sind alle 51000 Karten in der Frankfurter Arena verkauft. Das mag mit an den niedrigen Eintrittspreisen zwischen fünf und zehn Euro gelegen haben und der Tatsache, dass nur Inhaber dieses Tickets Zutritt zur Saisoneröffnungsfeier haben, die von zehn Uhr morgens an auf dem Stadiongelände steigt. Über allem steht das Interesse an der Antwort auf die Frage: Was kann die Eintracht schon und was noch nicht?

          Drei Spieler mit besserer Position

          Das geht nicht nur den Fußballfreunden so, sondern auch den Spielern und dem Trainerteam. Die vergangenen Tage in Italien ergaben Anhaltspunkte, aber noch keine klaren Erkenntnisse. Was auch kein Wunder ist, denn die neuen Stürmer Seferovic und Valdez sind erst seit einer Woche dabei, Piazón seit zwei Wochen. Und für alle gilt: sie mussten sich mit einer neuen Spielauffassung auseinandersetzen. Schaaf mag Pressing, schnelles Umschalten und umstandslose Pässe nach vorne. In den vergangenen Wochen brüllte er immer wieder die gleichen Parolen über den Trainingsplatz: „Dranbleiben, aktiv sein, näher ran, schneller spielen, nicht nach hinten“ (passen).

          Seine Forderungen sind unterschiedlich schnell bei den einzelnen Profis angekommen. Drei Spieler haben ihre Position innerhalb des Kaders im Vergleich zur vorigen Saison verbessert. Der linke Außenverteidiger Djakpa überholte seinen direkten Konkurrenten Oczipka, Innenverteidiger Bamba Anderson scheint nach seiner langen Verletzungspause Alexander Madlung, die Entdeckung der Rückrunde, wieder verdrängt zu haben, und Takashi Inui gehört wieder zu den Kandidaten auf einen Stammplatz in der Offensive, nachdem er bei Trainer Veh abgemeldet war. „Es tut einigen unheimlich gut, wie wir jetzt spielen“, sagte Schaaf, ohne sich namentlich auf diese drei zu beziehen. Aber er könnte sie sehr gut gemeint haben.

          Zu nachdenklich im Spiel

          Alexander Meier tut die Schaaf’sche Spielweise nicht so gut. Der beste Eintracht-Schütze der vergangenen Jahre wirkt ein wenig verloren auf dem Platz, so als wüsste er nicht genau, wo er wann hinzulaufen hat. Das geht auch anderen so, nur fällt es bei Meier mehr auf, weil er sich früher so sicher bewegte. Sollte Meier gegen Inter nicht aufgeboten werden, hat das nichts mit etwaigem Misstrauen seines neuen Trainers zu tun, sondern mit Schmerzen an der Patellasehne. Am Freitagvormittag hielt sich der 31-Jährige in Hannover bei dem Spezialisten Dr. Knobloch zur Untersuchung auf.

          Der erfahrene Defensivspieler Marco Russ spricht für einige Mitspieler, wenn er sagt: „Wir denken im Spiel noch zu viel nach. Wenn das weg ist, ist alles okay.“ Noch würden er und seine Kollegen merken, dass sie die ein oder andere Sache, die der Trainer möchte, nicht so umsetzen: „Wir geraten nicht gerade ins Grübeln, aber man macht sich schon Gedanken, es könnte ein bisschen besser laufen“, sagt Russ.

          Ein Erfolg bringt Sicherheit

          Die Eintracht ist wie eine Schulklasse, die vor der ersten Prüfung eine Menge Stoff bewältigt hat, beim Abfragen aber noch nicht sattelfest ist. Nun lautet die Prüfung ausgerechnet Inter Mailand. Trainer Schaaf ist die Aufgabe nicht zu schwer: „Wir haben ein gutes Vorbereitungsprogramm und uns nicht nur Gegner zurechtgelegt, die unterklassig waren. Das Spiel gegen Mailand passt sehr gut rein, weil wir von einem starken Gegner gefordert werden wollen. Und ich bin sicher, dass wir gefordert werden.“

          Schaaf verspricht den Zuschauern eine engagierte Leistung. Denn es gehe nicht nur darum, Dinge einzustudieren, sondern auch darum, ein gutes Resultat zu erzielen. „Ich gehe nicht mit der Absicht in die Begegnung, dass jeder zum Einsatz kommt. Vielleicht entwickelt es sich dann so. Aber für mich ist das Ergebnis wichtig“, sagt der Eintracht-Trainer. Nicht nur für ihn, auch für seine Profis, denn ein Erfolg gegen Inter würde vielleicht ein wenig von der Sicherheit verleihen, die bis jetzt fehlte. Marco Russ dagegen würde einen Sieg nicht überbewerten: „Selbst wenn wir Inter 5:0 aus dem Stadion schießen und alle durchdrehen – wenn wir dann gegen Viktoria Berlin im Pokal ausscheiden, sind wir dennoch die größten Deppen.“

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