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Eintracht Frankfurt : Wachmann aus dem Wedding

Zupackendes Naturell: Yanni Regäsel (rechts) will sich in Frankfurt beweisen, Marco Fabian bekommt es zu spüren. Bild: Jan Huebner

Yanni Regäsel ist erst seit ein paar Tagen in Frankfurt. Mit seiner forschen Art hinterlässt der junge Fußballprofi auf Anhieb Eindruck in der Eintracht-Mannschaft.

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          Vieles von dem, was sich die Eintracht für diese Saison vorgenommen hat, ließ sich – bislang – noch nicht in die Tat umsetzen. 21 Punkte nach 19 Bundesliga-Partien sind eine Ausbeute, die keinen Grund zur Zufriedenheit bietet, sondern die Sinne schärfen muss, weil dadurch in dieser Rückrunde allerhand auf dem Spiel steht. Wollen die Frankfurter, die nach der Winterpause einen formverbesserten Eindruck hinterließen, einen weiteren Schritt weg von der Abstiegszone machen, sollten sie sich an diesem Samstag gegen den VfB Stuttgart keine Blöße geben.

          Denn: In der unteren Tabellenhälfte ist es zuletzt richtig eng geworden. Zwischen dem elften Platz (Hamburger SV) und dem Relegationsrang 16, den der SV Werder Bremen einnimmt, liegen lediglich drei Zähler. Ein Ausrutscher kann so leicht unerfreuliche Folgen haben. Wobei es den Frankfurtern, anders als in der wechselhaften Hinserie, derzeit nicht am Selbstbewusstsein mangelt, um auch das Duell gegen die ebenfalls wiedererstarkten Schwaben mit dem Anspruch zu bestreiten, die eigene Erfolgsserie fortschreiben zu wollen – und die des Gegners zu beenden.

          „Geheimtraining“ hinter Zäunen

          Die Stuttgarter traten unlängst, nach dem Trainerwechsel von Alexander Zorniger zu Jürgen Kramny, noch überzeugender auf als die Hessen. Drei Siege hintereinander machten ihrem Aufstieg vom Ende des Klassements auf den 15. Rang möglich – und sie mit Sicherheit zu einem unangenehmen Konkurrenten. Armin Veh hat durch die Last-Minute-Zugänge Änis Ben-Hatira und Yanni Regäsel Personal hinzubekommen, das ihm bei der Suche nach einer schlagkräftigen Formation weitere Gestaltungsmöglichkeiten einräumt. „Mehr Flexibilität“, meinte der Fußball-Lehrer, und eine neue „Qualität im Training“ brächten die für Außenstehende überraschend anmutenden Transfers mit sich. Ausschließen wollte er nicht, dass die Neulinge auf Anhieb in die Startaufstellung rutschen könnten.

          Er wird, so viel ist klar, seine Elf auf mindestens zwei Positionen umstellen müssen. Gegen Stuttgart steht ein Duo, das zuletzt in der Viererkette regelmäßig Verantwortung trug, nicht zur Verfügung: David Abraham und Makoto Hasebe sind nach der fünften Gelben Karte gesperrt. Wahrscheinlich wird der Trainer dafür Marco Russ als Innenverteidiger zurückbeordern und Szabolcs Hustzi als Sechser an der Seite von Marc Stendera aufbieten. Wie er bei der Besetzung der Problemstelle am rechten Flügel vorgehen möchte, ließ sich auch am Donnerstag beim „Geheimtraining“ hinter Zäunen an der Wintersporthalle allenfalls erahnen: Entweder bekommt Kaan Ayhan, der aus Schalke ausgeliehene Allrounder eine erste Bewährungschance, oder aber Veh wählt die beherzte Lösung und verhilft Regäsel zum Blitz-Debüt – beide Optionen sind nach dem Verlauf der Übungseinheiten, in denen Regäsel auch schon das gelbe Leibchen der Startelf-Kandidaten trug, denkbar, wenngleich Veh betonte, dies sei noch „kein Fingerzeig“.

          Der Youngster aus Wedding

          Regäsel gilt ihm als Mann der Zukunft. Perspektivisch sieht er in dem 20 Jahre alten ehemaligen Junioren-Nationalspieler einen potentiellen Nachfolger des nach Wolfsburg abgewanderten Sebastian Jung, der seitdem mit wechselhaften Resultaten von Aleksandar Ignjovski, Timothy Chandler oder Hasebe ersetzt wurde. Regäsel kann es besser machen, davon sind Veh und Sportdirektor Hübner überzeugt. Schon während des Vorbereitungs-Camps in Abu Dhabi verständigten sie sich mit dem Talent über einen Transfer im Sommer. Weil Regäsel im Januar den Berlinern mitteilte, dass er seinen (Nachwuchsspieler-)Vertrag auch nicht zu verbesserten Profi-Konditionen bei der Hertha verlängern wird, entschied sich der Klub, ihn umgehend ziehen zu lassen. Veh war es recht: „So hat er ein halbes Jahr Zeit, sich bei uns einzugewöhnen.“

          Der Youngster, groß geworden in Wedding und bei der Hertha in allen Jugend-Teams sportlich herangereift, scheint die Herausforderung energisch angehen zu wollen. „Wenn der Trainer mutig aufstellt, werde ich ihn nicht enttäuschen“, sagte er am Donnerstag beim Blick voraus auf das Wochenende. Von Zurückhaltung waren seine ersten Schritte im Dress der Eintracht nicht gekennzeichnet; er trat forsch und fordernd auf, ließ ein gutes Gespür beim Spiel ohne Ball erkennen und stürzte sich mit dem Eifer eines aufmerksamen Strafraum-Wachmanns in die Zweikämpfe, so dass die Nebenleute auf Anhieb merkten, dass da ein junger Akteur in ihren Kreis hinzugestoßen ist, der es ernst meint, mit seinen Ambitionen. „Geile Stadt, geiler Verein, geiles Team“, fasste er seine ersten Tage in neuer Umgebung zusammen. „Hier“, meinte Regäsel optimistisch, „wird alles gut werden.“

          So weit, ähnliches zu behaupten, ist Veh noch längst nicht, wenngleich er den gewachsenen Konkurrenzdruck in den eigenen Reihen mit Wohlwollen zur Kenntnis nimmt. Seine Zuversicht, den Klassenverbleib frühzeitig realisieren zu können, ist gewachsen. Der Auftakt in die zweite Saisonhälfte ist dabei nur bedingt als Maßstab geeignet. Es ist zwölf Jahre her, dass die Frankfurter in der Bundesliga die ersten drei Spieltage der Rückrunde ohne Niederlage geblieben sind. Als gutes Omen taugt das eher weniger. Seinerzeit, in der Runde 2003/2004, stieg die Eintracht trotzdem ab.

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