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Eintracht Frankfurt : Mit harten Bandagen

Im Gleichschritt, Marsch! Fitnesscoach Martin Spohrer (Vierter, von links) gibt Alexander Meier und Kollegen im Training das Tempo vor. Bild: Jan Huebner

Köln kann kommen: Eintracht-Trainer Niko Kovac freut sich über Meiers Rückkehr ins Training und eine neue Intensität beim Kampf um die Plätze in der Startelf.

          3 Min.

          Der Nebel hat sich nicht verzogen. Ein grauer Schleier, der kein Sonnenlicht durchscheinen ließ, lag bei Arbeitsbeginn über dem Stadtwald. Manche Eintracht-Profis traten dick eingemummelt mit Schal, Handschuhen und Mütze aus der Kabine hinaus in die Kälte, wobei sich die meisten von ihnen während der fast zweistündigen Übungseinheit nach und nach so mancher Bekleidungsstücke entledigten – weil es ihnen, bei dem Programm, das Niko Kovac und sein Betreuerstab absolvieren ließen, durchaus warm wurde. Klarheit, was eine der drängendsten sportlichen Fragen anbetrifft, herrschte anschließend: Alexander Meier ist ohne körperliche Beeinträchtigung in den Trainingsbetrieb zurückgekehrt und scheint, wenn seine Genesung nicht von einem Rückschlag in den kommenden Tagen gebremst werden sollte, eine naheliegende Option für das schwierige Heimspiel gegen den 1.FC Köln an diesem Samstag (Anstoß: 18.30 Uhr).

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Beim Gegner dürfte das vermutlich nicht unbedingt Begeisterung auslösen: Die Rheinländer bekamen beim 6:2-Sieg der Hessen in der vergangenen Runde die Comeback-Qualitäten des Goalgetters eindrucksvoll vorgeführt. Er erzielte seinerzeit beim Wiedereinstieg nach einer Knieoperation drei Treffer, und für FC-Trainer Peter Stöger gehört Meier spätestens seit diesem Tag endgültig zu den „ganz Großen in der Bundesliga“, wie er auch mittlerweile noch anerkennend sagt. „Alex hat alles mitgemacht, ich gehe davon aus, dass es bis zum Wochenende was wird“, sagte Kovac über seinen Kapitän.

          „Ein Tritt ist ganz normal“

          Meier stand zuletzt beim Sieg im Elfmeterschießen im Pokal (gegen Ingolstadt) und dem Remis in Mönchengladbach (0:0) nicht zur Verfügung, weil er im Anschluss an die Partie gegen den HSV über Beschwerden an der Gesäßmuskulatur klagte. Der in der Vergangenheit regelmäßig erfolgreichste Torjäger der Hessen, der auch in dieser bisher so erfreulich verlaufenden Saison schon wieder dreimal traf, gab am Dienstag keinen Kommentar zum Stand der Dinge ab, sondern eilte nach der Ballbehandlung auf dem Rasen weiter in die Funktionsräume der Arena, wo es für ihn auf dem Ergometer weiterging.

          Um sich auf die Begegnung mit den Rheinländern einzustimmen, hatte Kovac vor allem das Umschaltspiel und die Genauigkeit bei Torabschlüssen einstudieren lassen. Meier fügte sich dabei ohne erkennbare Schwierigkeiten ein, absolvierte auch Steigerungsläufe, ging jedoch vor allem Zweikämpfen auf engstem Raum sichtbar aus dem Weg. „Abwartend“ und „noch etwas zurückhaltend“ habe der 33-Jährige agiert, sagte der Coach, der sich verständnisvoll äußerte, dass der Routinier, der schon so oft wegen langwieriger Verletzungen außer Gefecht gesetzt war, es zunächst langsam, aber sicher angehen ließ.

          Dass der Rest seiner Leute dagegen nicht gerade zimperlich miteinander umging, wurde von Kovac ausdrücklich begrüßt. Seit der Niederlage in Freiburg, für die er in seiner Analyse mangelhafte Einstellung und fehlende Einsatzbereitschaft beim eigenen Personal verantwortlich machte, seien die Spieler mit deutlich „mehr Zug“ bei der Sache. „Die Intensität hat zugenommen“, sagte Kovac. Die Physiotherapeuten mussten am Dienstag kurz hintereinander Timothy Chandler und Branimir Hrgota behandeln, weil beide im Kampf um die Kugel von Makoto Hasebe sowie Michael Hector unsanft zu Boden gebracht wurden; beide überstanden die Attacken allem Anschein nach ohne gravierende Blessuren. „Ein Tritt im Training ist doch ganz normal“, sagte Kovac über den rustikalen Umgangsstil, „entscheidend ist, dass sich niemand verletzt.“

          „Nicht elf Mann, sondern alle 25“

          Dass nicht der Ton rauher, dafür aber der interne Wettstreit um einen Platz in der Startformation härter wurde, ist für Kovac eine logische Folge der positiven Entwicklung seit der Sommerpause: alle wollten sich schließlich empfehlen, dabei zu sein, wenn die Eintracht ihre Rolle als eines der Überraschungsteams dieser Spielzeit fortzuschreiben versucht. „Bei mir spielen nicht immer dieselben“, sagte der 45-Jährige, der sich zuletzt wiederholt als Freund einer ausgiebigen Rotation zu erkennen gab.

          Aufgrund seiner eigenen Erfahrung als Profi wisse er, dass mitunter nötige „Impulse von der Bank“ kommen können. Außerdem sei die Berücksichtigung aller Mitglieder des Aufgebots wichtig, um für ein vertrauensvolles Betriebsklima zu sorgen, da sich gewünschte Fortschritte in guter Stimmung leichter erzielen ließen: „Mir ist wichtig, dass alle ihre Daseinsberechtigung haben“, sagte Kovac, „jeder soll das Gefühl bekommen, dass er dazugehört.“

          Alles, was nach neun Spieltagen und zwei geglückten Pokalpartien erreicht wurde, „haben nicht elf Mann, sondern alle 25 im Kader geschafft“. Auf die Unterstützung zweier Reservisten wird er aber vorerst verzichten müssen: Joel Gerezgiher, bei dem von einer hartnäckigen „Muskelverletzung“ die Rede ist, und Johannes Flum (Probleme an der Achillessehne) sind bis auf weiteres ein Fall für Therapeuten und Ärzte, sagte Kovac, „bis sie wieder völlig gesund sind“.

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