https://www.faz.net/-gzg-91fo2

Eintracht Frankfurt : Mit Herz und Verstand

Will auch im Trikot der Eintracht öfter jubeln: Mijat Gacinovic nach seinem Treffer im WM-Qualifikationsspiel für Serbien gegen Moldawien. Bild: Reuters

Die Eintracht will in Gladbach endlich das Tor treffen, und Mijat Gacinovic spielt in den strategischen Plänen eine Hauptrolle. Im Nationaltrikot tankt der Serbe Selbstvertrauen.

          3 Min.

          Der Sommer des Umbaus hat an vielen Stellen bei der Eintracht Spuren hinterlassen. Nicht nur der Kader hat sich entscheidend verändert, auch im Stadion, dem Arbeitsplatz der Fußballprofis, sieht es mittlerweile in einigen Ecken anders aus als noch vor der Sommerpause. Unter anderem wurden auf dem Gang zu den Kabinen hohe Stellwände plaziert, die es den Spielern auch nach der Niederlage gegen Wolfsburg ermöglichten, sich den Fragen nach den Gründen für das verpatzte Heimdebüt zu entziehen. Mijat Gacinovic machte von der Möglichkeit, ohne Aufhebens von der Bühne zu verschwinden, keinen Gebrauch – und wählte stattdessen gezielt den Gang vor die Kamera und Mikrofone. Ein sichtbares Zeichen, dass er sich seiner gewachsenen Verantwortung bei den Frankfurtern bewusst ist.

          Für den Mittelfeldspieler war klar, dass „wir den Fehler bei uns suchen müssen“. Seine Kollegen – von denen mehr als ein Dutzend neu hinzugekommen sind, was noch zu erkennbaren Abstimmungsschwierigkeiten führte –, sind von diesem Dienstag an wieder auf dem Übungsplatz damit beschäftigt, dass das Feintuning zwischen den Mannschaftsteilen reibungsloser funktioniert und sich Resultate des verbesserten Teamworks bei nächster Gelegenheit erkennen lassen, am besten schon an diesem Samstag, wenn die komplizierte Aufgabe in Mönchengladbach ansteht.

          Gacinovic stößt wohl am Donnerstag dazu

          Gacinovic wird erst kurz zuvor wieder aktiv ins Geschehen eingebunden werden können. Übers Wochenende war der 22-Jährige im Nationaltrikot seines Heimatlandes im Einsatz: mit Erfolg. Mit Serbien gewann er das WM-Qualifikationsspiel gegen Moldau 3:0. Gacinovic erzielte dabei ein Tor selbst und steuerte einen Assist beim Abschluss des Kollegen Aleksandar Kolarov bei. An diesem Dienstag geht es für den Tabellenführer der Gruppe D in Dublin gegen Irland weiter, von wo aus Gacinovic im Laufe des Mittwochs den Flieger zurück nach Frankfurt nehmen soll.

          Trotz der Reisestrapazen kann sich der schmächtige Dauerläufer ziemlich sicher sein, dass er gegen die Borussia zur Startformation zählen wird, sollte es keine körperlichen Beschwerden geben. Bei Niko Kovac steht seine Tatkraft hoch im Kurs. Gacinovic ist in seinen Augen, zumal Marco Fabian langfristig verletzt fehlt, für die Überraschungsmomente vorgesehen. „Er hat das absolute Herz“, sagte der Coach nach dem Pokalsieg gegen die Amateure aus Erndtebrück, gegen die sich die Eintracht schwertat, ehe Gacinovic die Partie im Alleingang mit einem Lupfer zu ihren Gunsten wendete.

          Für den linken Flügel eingeplant

          Zu erwarten war das nicht. Denn Gacinovic stieß im Sommer erst verspätet zur Truppe. Weil er mit Serbien noch die U-21-EM in Polen spielte, verpasste er das Trainingslager in den Vereinigten Staaten. Er habe Nachholbedarf, meinte Kovac anfangs über den Mann mit der Rückennummer elf, stellte aber alsbald wieder fest, dass Wille und Disziplin eben auch zu den großen Stärken des kleinen Ballkünstlers zählen: „Er ist einer, der den Unterschied machen kann.“

          Dass der nur 66 Kilogramm schwere Wirbelwind künftig regelmäßiger für Gefahr im gegnerischen Strafraum sorgt (in der vorigen Saison weist seine Bilanz lediglich zwei Treffer aus), gehört zu den Planspielen, die Kovac anstellte: „Er spielt jetzt auf einer Position, die näher zum Tor ist.“ Auf dem linken Flügel soll Gacinovic seine technischen Fähigkeiten, Sprintstärke und Ideen im Zweikampf vermehrt zur Geltung bringen, nachdem er zuletzt auch aufgrund seiner Flexibilität immer wieder zum Opfer taktischer Umstellungen wurde und unter anderem als Aushilfe auf dem Sechserposten einsprang. Für diesen Job hat die Eintracht nun aber mit Gelson Fernandes sowie Kevin-Prince Boateng zusätzliches Personal angeheuert, das auch aufgrund seiner Robustheit für die Abfangjägerdienste vor der Defensivkette prädestinierter ist.

          Gacinovic will mehr Tore schießen

          Gacinovic sagt selbst, er habe es sich zum Ziel gesetzt „die Statistik“ zu verbessern: Er möchte mehr Tore erzielen und vorbereiten. Weil er aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer die Eingewöhnung fallen kann, sieht er seine Aufgabe auch darin, den Neulingen, bei aller internen Konkurrenz um die Stammplätze, eben auch beratend zur Seite zur stehen. Er brauchte im Sommer 2015 nach seinem Wechsel von FK Vojvodina zu den Hessen Monate, bis er richtig Fuß fasste. Und je mehr er sich privat angekommen fühlte, umso besser klappte es auch auf dem Platz. Unlängst verlängerte die Eintracht seinen bis Mitte 2019 datierten Vertrag um zwei Jahre – auch mit dem naheliegenden Hintergedanken, ihn bei entsprechenden Anfragen auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiterzuveräußern.

          Sein bislang wichtigster Beitrag zum Aufschwung unter Kovac glückte Gacinovic, als der Verein fast ganz unten stand: Vor etwas mehr als einem Jahr sorgte er mit einem Tor und dem entscheidenden Zuspiel auf Haris Seferovic dafür, dass der drohende Abstieg in der Relegation gegen Nürnberg verhindert wurde. Danach setzte die Trendwende ein, „auch weil wir immer konzentriert weitergemacht haben“, wie Gacinovic feststellte, „auch wenn es mal nicht so lief“. So gesehen, löste auch der holprige Saisonstart bei ihm keine Unruhe aus, sondern weckte seine Unternehmungslust: „Wir dürfen das nicht nur auf das fehlende Glück schieben. Wir müssen daran arbeiten.“ Von diesem Donnerstag an dann wieder alle zusammen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.