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Eintracht Frankfurt : Ein gutes Stück geschrumpft

  • -Aktualisiert am

Was nun, Herr Kovac? Der Eintracht-Trainer sieht sich kurz vor dem Bundesligastart mit offenen Fragen konfrontiert. Bild: Heiko Rhode

Mit breiter Brust wollte die Eintracht ins erste Liga-Spiel gegen den FC Schalke gehen. Nach dem Zittersieg in Magdeburg muss Trainer Kovac eine ziemlich lange Mängelliste abarbeiten.

          3 Min.

          Ein Nachmittag hat genügt, um vieles von dem, was in den vorangegangenen sieben Wochen so mühsam erarbeitet wurde, in Frage zu stellen. Das schmeichelhafte Weiterkommen im Pokal taugte nicht als Mutmacher dafür, dass Niko Kovac und die Seinen in der bevorstehenden Bundesligasaison eine deutlich bessere Rolle werden spielen können als in der vergangenen, die beinahe mit dem Abstieg zu Ende gegangen wäre. Was die Eintracht-Elf beim Sieg nach Elfmeterschießen in Magdeburg spielerisch leistete, erfüllte bis auf wenige Ausnahmen keine höheren Ansprüche, sondern nährte Zweifel an mancherlei Verlautbarung der sportlichen Führung, die das Team auf einem guten Weg sah.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Dem Selbstvertrauen, so viel steht fest, war der Auftritt gegen den Drittligagegner, der in der statistischen Auswertung (geglückte Pässe, Zweikampfquote) den Frankfurtern ebenbürtig und bei den Torschüssen (22:10) gar deutlich voraus war, auf keinen Fall zuträglich. Mit breiter Brust, so wie es sich der Coach gewünscht hätte, geht seine Mannschaft nach dem ersten Stimmungs-Dämpfer nicht in die Punktspielpremiere an diesem Samstag.

          Vier Tage bleiben, um die ernüchternde Partie und ihre schändlichen Begleitumstände, die den Klub lange beschäftigen und teuer zu stehen kommen werden, so zu verarbeiten, dass er gegen den Champions-League-Anwärter Schalke 04 nicht auf verlorenem Posten stehen wird.

           Mehr Ruhe im Aufbauspiel nötig

          Kovac hatte gehofft, dass er bei seinem Vorhaben, der Eintracht in diesem Sommer durch ein umfangreiches Übungsprogramm ein höheres spielerisches Niveau zu vermitteln, schon wesentlich weiter ist. Er wird das Team anders ein- und zusammenstellen müssen, als er es gegen Magdeburg tat. Mehrere Schwachstellen verhinderten, dass der Favorit gegen den sich mit begrenzten Mitteln wehrenden Außenseiter besser zum Zug kam: Der auf zwei Positionen umformierten Abwehr fehlte es an Sicherheit sowie Ruhe im Aufbauspiel nach der Balleroberung, und dem Mittelfeld – defensiv wie offensiv – an Tempo in beide Richtungen und technischem Geschick in den Zweikämpfen.

          Sowohl Guillermo Varela, der von Manchester United ausgeliehene Rechtsverteidiger, als auch sein Pendant auf links, Routinier Bastian Oczipka, erlaubten sich immer wieder Fehler im Stellungsspiel und im Umgang mit der Kugel, die dem Gegner in die Karten spielten. Hinzu kam, dass Michael Hector als neuer Innenverteidiger bis zu seinem Platzverweis in der Verlängerung Probleme hatte, seiner Aufpasserrolle rund um den Strafraum gerecht zu werden; und über die Flügel in Person von Mijat Gacinovic (rechts) und den aus dem Sturmzentrum abgezogenen Luc Castaignos (links) nur wenige Vorstöße strukturiert zu Ende gebracht wurden.

          Fehlte Oczipka beim DFB-Pokal Fingerspitzengefühl?

          „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen. Aber vom Spiel her war es nicht gut“, sagte Oczipka im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk selbstkritisch. Er räumte ein, dass es noch viele Mängel gibt, die behoben werden müssen. Der aktuell neben Kapitän Alexander Meier dienstälteste Profi im Aufgebot äußerte sich auch zur abermaligen Fan-Randale. Dass die Mannschaft trotz der Ausschreitungen zu Beginn der zweiten Halbzeit nach dem Abpfiff vor den Anhängern aufmarschierte und mit ihnen das glückliche Resultat beklatschte, sei kein Zeichen von fehlendem Fingerspitzengefühl gewesen: „Man sollte nicht alle über einen Kamm scheren“, meinte der 27-Jährige.

          Es seien Tausende Unterstützer angereist und hätten Stunden im Bus gesessen. „Bei denen wollten wir uns bedanken“, sagte Oczipka. „Dass auch ein paar Chaoten dabei sind, die Feuerwerkskörper zünden, ist natürlich schade. Aber die allermeisten sind normale Fans.“ Dass er durch den unzuverlässigen Eindruck, den er in Magdeburg hinterließ, seinen Stammplatz verlieren wird, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. Kovac fehlt durch die Verletzung von Taleb Tawatha schlicht eine Alternative, und das Risiko gegen die als angriffsstark eingeschätzten Schalker auf eine Dreierreihe vor Lukas Hradecky zu setzen, scheint nicht tragbar.

          Wohl keine ernsthafte Verletzung bei Abraham

          Ruhe bewahren! Das war die Botschaft von Kapitän Meier am ersten Arbeitstag in dieser Woche. „Wir wissen, dass wir schlecht gespielt haben“, sagte er. „Ich bewerte das Pokalspiel aber nicht über. Sich verrückt zu machen bringt auch nichts.“ Große Sorgen um David Abraham scheint sich Trainer Kovac nicht machen zu müssen. Der Abwehrchef, der einen Eisbeutel an seinem linken Knie hatte, beendete im Anschluss an eine Behandlungspause das Training vorzeitig nach 75 Minuten.

          Seinem Gesichtsausdruck – der Argentinier lächelte – war jedoch zu entnehmen, dass es sich um keine ernsthafte Verletzung handeln dürfte. Der Innenverteidiger wäre aktuell auch nicht zu ersetzen. Sein Mitspieler Haris Seferovic war noch früher in der Kabine: Nachdem der Stürmer Laufrunden gedreht hatte, verließ er den Platz schon nach einer halben Stunde. Außenbahnspieler Ante Rebic, der im Pokalkader fehlte, gehörte auch am Dienstag nicht zur Trainingsgruppe. Dafür meldete sich Tawatha nach seiner Operation an der Leiste zurück. Zusammen mit seinem Teamkollegen Slobodan Medojevic absolvierte der Israeli Individualtraining mit Athletiktrainer Martin Spohrer.

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