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Eintracht Frankfurt : Viel mehr als vier Siege

  • -Aktualisiert am

Ein guter Saisonstart: Mittelfeldspieler Inui und seine Teamkollegen feiern am Freitag sein Tor gegen den FC Nürnberg. Bild: REUTERS

Ein perfekter Saisonstart macht Eindruck: Eintracht Frankfurt fühlt sich als Überraschungsmannschaft der bisherigen vier Spieltage für das Duell mit Dortmund (20 Uhr) gewappnet.

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          Bruno Hübner konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er im Stadion-Foyer über seine Begegnung der ungewöhnlichen Art mit Dieter Hecking berichtete. Dass der Trainer des 1.FC Nürnberg den Manager der Eintracht kurz zuvor am Rasen angebrüllt und mit den Händen weggestoßen gestoßen hatte, ordnete Hübner da schon wieder mit dem Gestus des Gewinners als zu vernachlässigende Lappalie ein. „Ein Lächeln ist erlaubt“, sagte er - und meinte nicht explizit die grenzwertige Aktion von Hecking, sondern die eigene Ausgangslage in der Bundesliga.

          Vier Spiele, vier respektable Erfolge - so gut war die Eintracht noch nie zu einem vergleichbaren Zeitpunkt. Besser ist überhaupt noch kein Aufsteiger in eine Bundesliga-Saison gestartet. Da störte Hübner auch der zwischenmenschliche Zwischenfall nach dem 2:1-Sieg beim „Club“ nicht. „Wir trinken einen, dann ist das vergessen“, sagte er. Hecking hatte sich über Entscheidungen des Schiedsrichters Felix Zwayer echauffiert, der unter anderem den foulenden Frankfurter Carlos Zambrano nicht des Feldes verwiesen hatte, und war darüber mit Hübner aneinandergeraten. Später, in der Kabine, entschuldigte er sich bei Hübner, der ansonsten viele strahlende Gesichter um sich herum sah.

          Nur der FC Bayern steht derzeit besser da

          Nur der FC Bayern steht derzeit besser da als die famosen Hessen, die auch zwölf Punkte auf dem Konto haben, sich aber wegen der schlechtere Tordifferenz mit dem zweiten Rang begnügen müssen. Nun erwarten die Frankfurter an diesem Dienstag (20 Uhr/F.A.Z.-Liveticker) Borussia Dortmund auf einer erstaunlichen Ausgangsposition: Der Meister kommt mit fünf Zählern Rückstand in die WM-Arena. Und darf sich auf „einen ganz heißen Tanz“ freuen, wie Sebastian Rode prophezeite, „wir sind im Moment zu allem fähig.“ Vor allem zu gutem Fußball.

          In Franken bestand die Eintracht ihre bisher schwierigste Prüfung, denn sie hatte „brutale Rückschläge“ zu verkraften, wie es Hübner nannte. Kapitän Pirmin Schwegler musste nach einem Zusammenprall mit Hanno Balitsch, bei dem er sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen hatte, ausgewechselt werden (15. Minute). Olivier Occean war kurz darauf mit einer Oberschenkelzerrung vom Platz gehumpelt (21.). Schweglers Blessur wurde noch in der Kabine mit elf Stichen genäht. Beim Siegesjubel zu vorgerückter Stunde stand er aber schon wieder an der Seitenlinie, beim Training am Sonntag sogar auf dem Platz - mit einem Pflaster an der Stirn und geschwollenem Auge. Kopfbälle waren da noch verboten, doch ansonsten hielt er sich bei der Ballstunde nicht zurück. Er sehe Chancen, gegen den BVB auf die Zähne beißen und mitmachen zu können, meinte der Schweizer. „Ich hatte keine Kopfschmerzen, das war das Wichtigste.“

          Das Warten ist Hoffer gewohnt

          Angreifer Occean wird dagegen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht spielen können. So rückt gegen die Borussia voraussichtlich Erwin Hoffer, der in Nürnberg nach seiner Einwechslung prompt das 1:0 erzielte (25.) in die Anfangsformation. Veh neigt auch bei außerordentlichen Herausforderungen wie jetzt gegen den Titelverteidiger nicht dazu, an System oder Personaltableau ohne Not größere Änderungen vorzunehmen. Für Hoffer wäre der erste Einsatz von Beginn an Belohnung für die Geduld der zurückliegenden Wochen.

          Der stämmige Österreicher ist das Warten gewohnt, ob bei seinem Hobby, dem Angeln, oder seinem Beruf. Als einer der Letzten von insgesamt zwölf Neuzugängen der Eintracht wurde er spät im Sommer unter Vertrag genommen. Die Vorbereitung war schon in ihrer heißen Phase, als sich die Frankfurter mit dem SSC Neapel über ein weiteres Leihgeschäft einigen und der Spieler aus dem privaten Einzeltraining zur Mannschaft stoßen konnte. „In richtig guter Verfassung“ habe sich Hoffer da präsentiert, lobt Veh. Trotzdem hat er ihn wieder zappeln lassen; an den ersten drei Spieltagen stand er nur fünf Minuten auf dem Feld, beim 4:0 in Hoffenheim.

          „Es war ein rein taktischer Wechsel“

          Doch da er nicht nur ein gelassener, sondern auch ein höflicher Zeitgenosse ist, wartete Hoffer ohne Murren auf seine Bewährungsmöglichkeit. Und nutzte sie in Nürnberg eindrucksvoll. „Mir fällt es nicht schwer, in ein Spiel reinzukommen“, sagt Hoffer, „ich bin schnell da.“ Kurz vor Schluss wurde Hoffer vom Trainer wieder ausgewechselt. Eigentlich die Höchststrafe für einen Profi. Nicht so in diesen Tagen bei der Eintracht. „Es war ein rein taktischer Wechsel, Hoffer versteht das“, sagte Veh. Und der Betroffene bestätigte: „Der Trainer wollte defensiver spielen, das ist okay.“

          Auch dieses mannschaftsdienliche Verhalten sei ein Trumpf, den die Eintracht in dieser Saison in die Waagschale werfen könne, lobte Vorstandschef Heribert Bruchhagen: „In der Mannschaft passt es, wir erleben die Dynamik des Erfolgs.“ Hübner sah es ähnlich: „Wir genießen, was gerade passiert. Wissen aber genau, wo wir hingehören und welchen Zweck diese Punkte haben.“ Das Saisonziel, der Klassenverbleib, werde trotz der perfekten Ausbeute nicht überdacht. Angst habe man keinen vor dem BVB, nur eine gehörige Portion Respekt. Das werde auf Dortmunder Seite im übrigen nicht anders sein, mutmaßte Hübner und lächelte auch dabei - wohlwissend, dass dies allein schon ein weiterer Erfolg ist.

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