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„Variabler, unberechenbarer“ : Eintracht Frankfurt gibt sich offensiv

Neue Kraft im Mittelfeld: Dominik Kohr (rechts neben Simon Falette) ist sich mit der Eintracht einig. Bild: Imago

Nach Erik Durm verpflichten die Frankfurter Dominik Kohr von Bayer Leverkusen. Um dorthin zu kommen, wo sie zuletzt gewesen sind, setzt Hütter auch auf die Fitness seiner Profis.

          Am Mittwoch ging es Schlag auf Schlag. Schon zwei Stunden, bevor sich die Eintracht erstmals spielend und trainierend an der Frankfurter Arena präsentierte, ging Trainer Adi Hütter in die Offensive. Doch nicht nur er – auch Spieler Erik Durm. In den Katakomben der Arena gaben der Coach und der Neuzugang Ein- und Ausblicke. Hütter kündigte an, „dass wir variabler und unberechenbarer werden wollen“. Auch deshalb habe man Durm geholt. Der 27-Jährige, gerade mit Huddersfield Town aus der englischen Premier League abgestiegen, hatte nach „super Gesprächen“ sofort beherzt zugegriffen: Eintracht Frankfurt, das passt. „Die Leute hier sind sehr freundlich und herzlich. Der Verein hat einen sehr guten Ruf in England. Für mich stimmt das Gesamtpaket Eintracht“, sagte Durm, der versicherte, dass seine drei Seuchenjahre, in denen er von etlichen mehr oder weniger schlimmen Verletzungen stark zurückgeworfen und daran gehindert wurde, konstant erstklassig Fußball zu spielen, vorbei und vergessen seien.

          „In England habe ich das Vertrauen in meinen Körper wiedergefunden. Ich hatte Verletzungspech, aber jetzt fühle ich mich gut.“ So gut, dass die Eintracht-Verantwortlichen von einer längerfristigen Zusammenarbeit überzeugt sind. Die Sportliche Leitung um Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner hat Durm einen bis einschließlich 30. Juni 2023 laufenden Vierjahresvertrag gegeben. „Es ist schön, dass es gelungen ist, einen siebenmaligen deutschen Nationalspieler und Weltmeister 2014 unter Vertrag nehmen zu können“, sagte Bobic. „Er erweitert nicht nur unsere Möglichkeiten. Er ist ein starker Charaktertyp und ein überragender Teamplayer, der national wie international auf höchstem Niveau gespielt hat. Diese Erfahrungen sind ein großer Mehrwert für unsere Mannschaft.“

          Stillschweigen vereinbart

          Für Hütters Mannschaft, die dabei ist, weiter an Profil zu gewinnen. Der Eintracht-Trainer bestätigte, dass noch „der eine oder andere Spieler kommen wird“. So auch der Leverkusener Dominik Kohr, dessen Transferbestätigung am Nachmittag erfolgte. Kohr, der schon länger auf dem Radar der Eintracht war, ist von seinem neuen Klub sogar mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet, der bis einschließlich 30. Juni 2024 läuft. Von Vereinsseite hieß es, dass über die Ablösemodalitäten Stillschweigen vereinbart worden war.

          Im Gespräch für den 25 Jahre alten Mittelfeldspieler sind 10 Millionen Euro. Kohr, in Trier geboren, entstammt der Jugend von Bayer 04 Leverkusen. 2010 gehörte er der U17 an, die im Endspiel um die deutsche Meisterschaft 0:1 gegen die Eintracht verlor. Sein damaliger Teamkollege ist auch heute wieder sein Mitspieler in Frankfurt: Danny da Costa. Nachdem Kohr drei Jahre lang von 2014 bis 2017 für den FC Augsburg am Ball gewesen ist, kehrte er zu seinem Ausbildungsverein Bayer zurück, konnte dort im vergangenen Jahr unter dem neuen Trainer Peter Bosz aber nicht reüssieren und kam in Leverkusen zuletzt auf 18 seiner insgesamt 145 Bundesligaeinsätze. Bobic sieht Kohr als „echte Bereicherung für unser Spiel. Von seiner Spielweise und seinem Charakter passt er ideal zu uns“.

          „Wir wollen wieder dorthin kommen, wo wir zuletzt gewesen sind“

          Ideal wäre für Hütter, wenn seine Mannschaft eine ähnliche Rolle wie zuletzt spielen würde. Konkret nach einem Saisonziel befragt, sagte der Österreicher: „Wir wollen wieder dorthin kommen, wo wir zuletzt gewesen sind.“ Siebter ist die Eintracht in der zurückliegenden Saison geworden. Ein einstelliger Tabellenplatz, das würde Hütter ebenso gefallen wie weitere furiose Auftritte in der Europa League. In der Gruppenphase steht seine Mannschaft noch nicht. Doch der Coach hat den festen Willen, „dass wir bis Weihnachten 31 Spiele machen wollen“. Einsätze in der Bundesliga, im DFB-Pokal und eben in der Europa League, für die Hütter gemeinsam mit seinen Assistenten die Mannschaft bis zur ersten Qualifikationsrunde am 25. Juli fit machen will.

          Im Hintergrund versorgt von neuen Verantwortlichen in der neu aufgestellten medizinischen Abteilung, die ab sofort von Professor Florian Pfab angeführt wird. Der 43-Jährige war seit 2011 in gleicher Funktion beim mittlerweile in die Dritte Liga abgestiegenen FC Ingolstadt tätig. Als Ko-Leiter der Abteilung bringt Pfab aus Ingolstadt Christian Haser mit. Benjamin Sommer als Reha-Trainer komplettiert das Trio, das aus Bayern kommend bei den Hessen Verantwortung übernimmt. Von den beiden bisherigen langjährigen Eintracht-Ärzten Christoph Seeger und Wulf Schwietzer hat sich der Klub getrennt. Bobic sagte in einer Mitteilung, „dass beide der Eintracht positiv verbunden bleiben und immer Teil der Eintracht-Familie sein werden“.

          Gut über den Sommer gekommen

          Hütter ist seit einem Jahr Teil der Eintracht-Familie, und was er in diesen zwölf Monaten erlebt und erreicht hat, lässt ihn voller Tatendrang an die zukünftigen Aufgaben herangehen. Warum? Weil schon die ersten Signale, die er vernommen hat, positiv sind. „Ich habe die Laktatwerte gesehen“, sagte der 49 Jahre alte Vorarlberger. „Sie sind ganz anders als letzte Saison.“ Seine Spieler, so scheint es, sind also gut über den Sommer gekommen.

          Drei seiner Stammkräfte, die Hütter nur zu gerne auch in der kommenden Spielzeit in seinem Team haben möchte, sind am Mittwoch noch nicht dabei gewesen. Als sich die Eintracht von 15.10 Uhr an den 1500 Fans in der ersten öffentlichen Trainingseinheit präsentierte, fehlten Kevin Trapp, Sebastian Rode und Martin Hinteregger. Alle drei Leihspieler werden sich in diesen Tagen bei ihren originären Klubs vorstellen (müssen). Gleichwohl sind die Eintracht-Verantwortlichen unvermindert mit Hochdruck damit beschäftigt, das Trio fest an die Eintracht zu binden. „Die drei müssen zunächst zu ihren Vereinen“, sagte Hütter. „Wir haben großes Interesse, sie alle zu halten. Bei Trapp geht es in eine gute Richtung, bei Rode kommt es auf das Verhandlungsgeschick an. Alle Spieler wollen zu uns.“

          Auch und vor allem dank der mitreißenden Auftritte in der Europa League hat sich die Eintracht seit Hütters Dienstantritt Reputation und Renommee verschafft. Hütter will mehr Dynamik und Variabilität in seine Mannschaft bekommen. Auch deshalb wurden Djibril Sow von den Young Boys Bern und Dejan Joveljic von Roter Stern Belgrad verpflichtet. „Joveljic ist den gleichen Weg wie Luka Jovic gegangen“, sagte Hütter. „Er ist ein absoluter Knipser.“ Am Mittwoch, als sich die neue alte Eintracht für 100 Minuten präsentierte, fehlte Joveljic ebenso wie Durm und Kohr. Den Fans war es egal. Immer wieder gab es freundlichen Beifall für die Darbietungen der 19 Feldspieler und drei Torhüter. An diesem Donnerstag kann man die Eintracht von 19 Uhr an erstmals während eines Testspiels bei der DJK Bad Homburg sehen.

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