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Eintracht Frankfurt : Rückschlag vor der Rückreise

  • -Aktualisiert am

Einfach umwerfend, diese Dortmunder! Stefan Aigner kann den stürmenden Verteidiger Park Joo-ho nicht halten. Bild: Heiko Rhode

Das Trainingslager endet für die Eintracht ernüchternd. Beim 0:4 gegen Dortmund werden viele bekannte Probleme aus der Hinrunde sichtbar, die Neuzugänge fallen kaum auf.

          3 Min.

          Man kann der Frankfurter Eintracht nicht vorwerfen, dass sie ihr Trainingslager in Abu Dhabi zu überschwänglich bewertet hätte. Bei allem Lob über die Rahmenbedingungen und die hohe Intensität im Training schwang immer mit, dass dies noch lange nicht mit einem erfolgreichen Start in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga gleichzusetzen sei. Stunden vor dem Rückflug in die Heimat erhielten die mahnenden Worte noch einmal Gewicht. Im Testspiel gegen Borussia Dortmund am Dienstagabend in Dubai ließen die Frankfurter kaum Fortschritte zur verpatzten Vorrunde erkennen. Auch bei der 0:4-Niederlage fehlte es der Eintracht an Passsicherheit und es bestand wieder ein Geschwindigkeitsproblem. In der zweiten Halbzeit nahm die Verunsicherung Ausmaße an, die an manche schwache Leistung in der die Hinserie erinnerte. Den Gegentoren durch Ramos (48. Minute) und Kagawa (62.) gingen haarsträubende Fehler von Abraham und Torwart Hradecky voraus. Beim 0:4 gab Ayhan eine schlechte Figur gegen Ramos ab. Das 0:1 erzielte Gündogan per Foulelfmeter. Der BVB präsentierte sich jedoch auch in einer erstaunlichen Frühform. Die Gegner im Abstiegskampf verfügen nicht diese Qualität.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Trainer Veh relativierte die Niederlage: „Zwei Stunden Busreise waren nicht die optimale Spielvorbereitung. Als ich ausstieg, hätte ich selbst einschlafen können.“ Die krassen Missgeschicke vor den Gegentoren rechnete der Coach der Müdigkeit seiner Spieler zu: „Außerdem wollten wir in der Abwehr auf Risiko spielen, immer hinten raus passen, einerlei, wie wir angelaufen wurden. Wann soll man sich Sicherheit erwerben, wenn nicht in Testspielen. Aber das war zu krass heute.“ Sportdirektor Hübner sprach von einem normalen Testspiel, aber einer kleinen Ernüchterung. Die zuletzt neu verpflichteten Profis vermochten sich in dieser Begegnung nicht aufzudrängen.

          Rechter Außenverteidiger weiterhin unbesetzt

          Vom Schalker Talent Ayhan wurde das auch nur bedingt erwartet, er verfügte nur über eine Minute Spielpraxis in der Vorrunde. Als Innenverteidiger und in der zweiten Halbzeit für ein paar Minuten als rechter Außenverteidiger schlug sich der 21-jährige einigermaßen achtbar, ohne Akzente zu setzen. Huszti und Fabian, die das offensive Mittelfeldspiel beleben sollen, blieben sehr blass. Dass Fabian Anpassungsschwierigkeiten mit dem Bundesliga-Tempo hat, zeigte sich im Training. Huszti jedoch überzeugte im Übungs-Modus. Als es gegen Dortmund noch ein bisschen ernster wurde, konnte der 32 Jahre alte Ungar jedoch auch nicht mithalten. „Durch die heutige Leistung wird der positive Eindruck aus dem Trainingslager nicht weg gewischt“, sagte Veh dennoch und meinte damit nicht nur Huszti. Er hält die Eintracht für stärker als in der Hinrunde besetzt. „Die Position, die wir nicht hatten, die linke Seite, ist jetzt besetzt. Wenn eine Position fehlt, kann das ganze Gebilde kaputt gehen.“ Die Aussage stellt allen Eintracht-Spielern, die sich bisher dort versuchten, ein vernichtendes Zeugnis aus. Veh trauerte in Abu Dhabi sogar Inui nach, der in der vorangegangenen Saison schwach spielte und in der Sommer-Vorbereitung seine Geduld erschöpfte und nach Spanien verkauft wurde: „Taka hat uns gefehlt mit seiner Spielweise“, sagte Veh und fügte ironisch hinzu: „Manchmal werden Spieler besser, je länger sie fort sind.“

          Nun aber hält er das Problem für gelöst – durch die Zugänge. „Wenn es Fabian nicht wäre, dann Huszti. Der kann es mit Sicherheit.“ Der Trainer ist mit dem Ungarn bisher zufrieden. Die vergangenen anderthalb Jahre in China hätten ihm nicht die profihafte Einstellung geraubt. „Und er ist flexibel“, sagte Veh. Huszti könnte auf der 10 oder der 6 neben Stendera spielen. Zwei defensive Mittelfeldspieler nebeneinander, die beide auch offensiv denken, wäre ihm das nicht zu gefährlich? „Grundsätzlich spricht nichts dagegen, mit Stendera und Huszti auf der Doppelsechs zu spielen. Aber es kommt schon darauf an, ob wir zuhause oder auswärts spielen, wie der Gegner heißt und wie die einzelnen Spieler in Form sind.“ Gut wäre es, wenn die Eintracht auch den Posten des rechten Außenverteidigers neu besetzen könnte. Warum dies nicht geschieht, beantwortete Hübner: „Irgendwann ist das Geld alle.“ Hasebe, das zeigte sich gegen Dortmund, ist im defensiven Mittelfeld besser aufgehoben. Der Japaner vermochte als Einziger, den Dortmundern Paroli zu bieten.

          Angespannte Situation im Sturm

          Doch Hasebe muss meist auf die rechte Seite der Viererkette, weil die beiden „natürlichen“ Kandidaten Ignjovski und Chandler, nicht in Form kommen. Chandler legte in Abu Dhabi zumindest in der Fitness zu. Aber sein Stellungsspiel ist nach wie vor durchwachsen. „Wenn Chandler spielen soll, dann muss er mir das auch in den Testspielen zeigen“, sagte Veh. Mit dessen Physis sei er wieder zufrieden: „Aber noch wichtiger ist sein Verhalten in der Viererkette, er muss lernen, besser einzurücken. Aber das ist nicht so leicht, wenn man nicht mehr 21 ist.“ Das war auch gegen Dortmund zu sehen.

          Angespannt ist nach wie vor auch die Situation im Sturm: Seferovic musste in Abu Dhabi wegen Achillessehnenbeschwerden einige Tage aussetzen und spielte auch gegen den BVB nicht mit. Castaignos fällt weitere sechs Wochen aus. „Ich habe nur Meier als Spitze, und er ist eigentlich gar keine echte Spitze“, sagte Veh. Er hofft, dass der Seferovic an diesem Donnerstag im Training in Frankfurt wieder mitmachen kann und am Sonntag in einer Woche gegen Wolfsburg fit ist. Ohne den Schweizer hatte die Eintracht drei Torchancen: Meiers Kopfball nach einer Ecke wurde auf der Linie geklärt, Fabians Freistoß flog an die Oberkante der Latte, wo der Ball auch nach einem Pressschlag von Djakpa landete. Die Grundlagen mag sich die Eintracht in Abu Dhabi erarbeitet haben. Spielerische Feinheiten muss sie sich noch aneignen.

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