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Eintracht Frankfurt : Verbeugung für einen Ballvirtuosen

Glückwunsch: Inui freut sich riesig über Schweglers Volltreffer. Bild: Heiko Rhode

Der Japaner Takashi Inui schießt bei der 4:0-Gala in Hoffenheim zwar kein Tor, besticht aber durch Technik und Einsatz. „Der Wechsel zur Eintracht war eine gute Idee.“

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          Die Beziehung zwischen Takashi Inui und der Eintracht ist noch jung. Seit acht Wochen lernen sich beide Seiten kennen. Und auch wenn die Kommunikation noch nicht reibungslos funktioniert, klappt das Verständnis immer besser. Beim 4:0 in Hoffenheim, der die Frankfurter für gut 24 Stunden an die Tabellenspitze katapultierte, war auch Trainer Armin Veh über den Auftritt des zierlichen Japaners ziemlich sprachlos. Im positiven Sinn. Der Vierundzwanzigjährige steuerte zwar keinen Treffer zum zweiten spektakulären Saisonsieg bei, aber viele gute Ideen, mit denen er seine Bewacher reihenweise entnervte und den Kollegen die Arbeit erleichterte.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Kurz vor Schluss holte Veh den Mittelfeldwirbler mit den kurzen Beinen und den langen braunen Ponyfransen vor dem schmächtigen Gesicht vom Platz, um Zeit zu gewinnen und ihm einen Sonderapplaus zu gönnen. Fast alle, die an diesem Nachmittag vor Ort den Hessen die Daumen drückten, und das waren mindestens 5000 Besucher in der Sinsheimer Arena, erhoben sich von ihren Plätzen, um Inui mit lautem Beifall für seinen mannschaftsdienlichen Einsatz zu danken. Auch die Ersatzspieler klatschten in die Hände, als Inui zur Auswechselbank kam und sich als erstes mit einer angedeuteten Verbeugung seinerseits bei Veh für das Vertrauen bedankte. Auch das sieht man in der Fußball-Bundesliga nicht jeden Tag.

          Geld an den Vfl

          Inui sieht sich sportlich bestens aufgehoben bei seinem neuen Verein, wie er hinterher berichtete und von einem Dolmetscher übersetzen ließ. Besonders, seit er den jungen Mann im schwarz-roten Trainingsanzug mit dem Adler auf der Brust an seiner Seite weiß, fühlt er sich im ungewohnten Umfeld besser verstanden und zugehörig. Die Eintracht engagierte gegen Ende der Vorbereitungsphase nach Vermittlung eines Journalisten den Japanologen Kim Dämpfling, der in Nürnberg wohnt und seitdem pendelt, um Inui die Eingewöhnung zu erleichtern. Auch um zu verhindern, dass der Neuzugang, der zuvor beim VfL Bochum kickte, am Main fremdeln könnte. So wie es Caio unter ähnlichen Voraussetzungen 2008 tat, der ebenfalls bei seinem Eintreffen kein Wort Deutsch sprach und der nach seinem missglückten Einstand nie richtig Fuß fasste. Mit Hilfe Dämpflings, der in den Teambesprechungen dabei ist, versteht Inui inzwischen die taktischen Vorstellungen des Trainers viel besser. „Jetzt denkt er auch defensiv mit“, sagte Veh, nachdem in den Testspielen der Mann auf der linken Außenbahn nach verlorenen Dribblings oft nur zaghaft nachsetzte. Inui, der auch des Englischen nicht mächtig ist, wird demnächst Sprachkurse belegen. Noch verständigt er sich auf dem Platz mit „Händen und Füßen“, wie es Mittelfeldkollege Stefan Aigner umschrieb. „Doch er ist ein überragender Typ, er weiß, auf was es im Fußball ankommt.“ Das sind Taten, nicht Worte. Bei der Umstellung von der zweiten Klasse auf die erste Liga zeigt Inui im Ernstfall bislang wenig Anpassungsschwierigkeiten. „Es kann so weitergehen“, lautete seine Feststellung am Samstag, „mit dem Team passt es.“

          1,2 Millionen Euro überwiesen die Frankfurter im Sommer an den VfL, um sich die Dienste von Vehs Kandidaten zu sichern, der ihn schon lange auf dem Wunschzettel hatte. Viel Geld für einen Klub, der angesichts knapper Kassen überhaupt nur acht Millionen Euro auf dem Transfermarkt ausgeben konnte. Doch Veh forcierte die Investition in das „zarte Geschöpf“, wie er seinen Wunschspieler gerne nennt, gegen alle interne Bedenken, die bei dem gerade einmal 59 Kilogramm schweren Athleten einen Mangel an körperlicher Robustheit erkannt haben wollten.

          Bald kommt die Familie

          Was der Trainer an Inui neben seiner feinen Technik, mit der er Zweikampfsituationen im höchsten Tempo lösen kann, mindestens genauso gut gefällt, ist dessen Trainingsfleiß und Bescheidenheit. „Er ist unglaublich selbstkritisch“, stellte Veh in der bisherigen Zusammenarbeit fest. „Er ist nicht schnell zufrieden.“ Nach der persönlichen wie kollektiven Gala in Hoffenheim äußerte sich Inui dagegen überhaupt nicht nachdenklich. „Ich bin nicht überrascht, dass es so gut läuft, weil ich mit der Erwartung gekommen bin, dass es klappen würde“, sagte er - und fügte an, dass „wir noch besser werden und dafür weiter arbeiten müssen, damit wir auch gewappnet sind, wenn es mal Schwierigkeiten gibt“. Dass er in den kommenden Tagen nicht zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, um gegen die Auswahl des Irak ein WM-Qualifikationsspiel zu bestreiten, nannte er „enttäuschend, ich hätte gerne mitgeholfen“.

          Privat ist er dagegen mit dem Status Quo rundum zufrieden. Das Hotelzimmer, das die Eintracht für ihn angemietet hatte, hat er verlassen. Eine eigene Wohnung ist bezogen, bald sollen Frau und Sohn kommen, die noch in der asiatischen Heimat leben: „Die Entscheidung nach Frankfurt zu gehen, war eine gute Idee“, sagte Inui. Bei der Eintracht sehen sie es genauso.

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