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Eintracht Frankfurt : Vehs verklausuliertes Versäumnis

  • -Aktualisiert am

Mann mit Überblick: Für Armin Veh und die Eintracht ist die Rückkehr nach Abu Dhabi trotz zweier Testspielniederlagen ein Gewinn gewesen. Bild: Heiko Rhode

Der Eintracht-Trainer reagiert auf das verschärfte Übungsprogramm von Abu Dhabi: „Ich sage nicht, dass wir zu wenig gemacht haben. Aber wir mussten jetzt im Winter einfach mehr machen.“

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          Nun hat die Debatte über die Intensität der Saisonvorbereitung von Eintracht Frankfurt auch den Trainer erreicht. Und wäre Armin Veh weniger als 23 Jahre Fußballtrainer, er würde vermutlich etwas angefasster reagieren. Denn es geht um seine Arbeit, seine Entscheidungen. So aber sagte Veh am Donnerstag, dem letzten Tag des Wintertrainingslagers in den Vereinigten Arabischen Emiraten: „Du musst auch als alter Hase noch Dinge lernen und hinterfragen. Auch dich selbst.“ Das habe er getan. Das Ergebnis sei die Entscheidung für ein deutlich anspruchsvolleres Programm für seine Profis in den acht Tagen von Abu Dhabi gewesen. Zumal: „Wir wären womöglich besser über die Hinrunde gekommen, wenn wir im Sommer mehr gemacht hätten.“ Eine Position im Gegenwind scheute der 52 Jahre alte Coach jedenfalls nicht.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es gibt eine Reihe von Spielen, die vor kurzem noch als Rätsel galten, jetzt aber, bei so viel Selbstkritik, automatisch in der Erinnerung auftauchen. Jene Partien, die sich die Eintracht-Profis selbst ruinierten, weil sie viel zu viele späte Gegentore zuließen. So beim 2:2 gegen den Hamburger SV, als in der 86. Minute aus drei möglichen Punkten nur noch einer wurde. Oder beim 1:1 in Freiburg (86.), beim 1:1 gegen Nürnberg (86.), beim 1:2 gegen Wolfsburg (82.), beim 0:1 in Mainz (88.), beim 2:4 in Tel Aviv in der ansonsten ja sehr erfreulich verlaufenen Europa League (90.+4) und schließlich beim 3:3 gegen Schalke, als auch wieder ein Treffer des Gegners in der 86. Minute fiel. Damals war hier und da von einem „Fluch“ die Rede, aber es sieht so aus, als habe diese schwarze Serie ganz irdische Gründe gehabt. Jedenfalls auch.

          Hertha steht unter Beobachtung

          Veh versicherte, dass seine Mannschaft vor der Saison „in manchen Bereichen sogar mehr gemacht“ habe, nicht aber bei den körperlichen Grundtugenden Ausdauer und Kraft. Bei der Erklärung fallen dann auch mal Sätze, in denen das Eingeständnis eines Versäumnisses steckt, aber auch die Unsicherheit, für was genau das zu geringe Pensum verantwortlich ist. Das klang dann zum Beispiel so: „Ich sage nicht, dass wir zu wenig gemacht haben. Aber wir mussten jetzt im Winter einfach mehr machen.“ Alles in allem: „Wir haben zum damaligen Zeitpunkt gedacht: Es ist nicht so notwendig.“ Dass es anders war, verbucht er unter jenen neuen Erfahrungen, die er auch im fortgeschrittenen Alter als Trainer noch habe machen müssen. So oder so stehe für ihn fest, dass die körperliche Vorbereitung das eine sei, die Mehrbelastung durch die Europa League aber das andere, viel Entscheidendere für die schwache Punktausbeute in der Hinrunde. Es sei auch gar nicht möglich gewesen, noch in der Hinrunde eine Korrektur vorzunehmen, denn da habe der Kalender mit den vielen Spielen die Richtung bestimmt, nicht die Aufarbeitung von Versäumtem.

          Dass sich Veh im nächsten Sommer vermutlich keiner weiteren Diskussion in diese Richtung stellen muss, war schon kurz vor der Rückreise nach Frankfurt ausgemacht. Die Intensität der täglichen Arbeit ließ keinen Raum für Zweifel. Dazu gehört auch, dass er den ersten Gegner der Eintracht in der Bundesliga in diesem Jahr, Hertha BSC Berlin, gerade intensiv analysieren lässt. Die Berliner arbeiten in ihrem Trainingslager in der Türkei unter Beobachtung eines eigens entsandten Eintracht-Scouts, der dem Cheftrainer Anfang der nächsten Woche berichten wird. Es dürfte also nichts mehr im Argen liegen vor dem Anpfiff zur zweiten Saisonhälfte. Veh, der mit seiner Mannschaft nach dem 2:3 gegen Schalke und dem Spiel am Donnerstag gegen Donezk am Sonntag in Frankfurt unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch ein drittes Testspiel bestreiten wird – der Gegner wurde noch nicht genannt –, hat seine Ansprüche nach den Erfahrungen der vergangenen Monate ja schon stark nach unten angepasst. Mit Platz 13 wäre er – anders als sonst – diesmal zufrieden. „Wir müssen aus dem lernen, was im letzten Jahr passiert ist“, sagte er noch. „Wir haben nicht optimal gearbeitet, das muss man hinnehmen.“ Er ist dabei schon recht weit gekommen.

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