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Eintracht Frankfurt : Veh legt die Karten auf den Tisch

  • -Aktualisiert am

Raus und rein: Inui (links) wird wohl Pause machen müssen, Flum dagegen – Gegner im Training am Donnerstag – darf mit einem Einsatz in München rechnen. Bild: Jan Huebner

Der Eintracht-Trainer macht kein Geheimnis um die Aufstellung für das Bayern-Spiel. Pause für Zambrano, Rode, Inui und Aigner. „Spiel gegen Braunschweig ist mir wichtiger.“

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          Der Wert von Geheimnissen vor dem nächsten Spiel in der Fußball-Bundesliga ist relativ. Zum Beispiel relativ gering, wenn der Gegner Bayern München heißt. So wie bei der Eintracht also, die am Sonntag beim Meister vorstellig wird. Dass der Hang zur Heimlichtuerei, der bei allen Vereinen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, in Frankfurt keine Konjunktur hat, war beim Training am Donnerstag unübersehbar. Und unüberhörbar, als Trainer Armin Veh seine Eindrücke von der Übungsstunde des Tages schilderte und gefragt wurde, wie aussagekräftig seine Aufstellungen im eben beendeten Trainingsspielchen für die Partie in München denn waren. „Man muss ja nicht alles offen machen“, sagte Veh in einer gespielten Verweigerungshaltung. Allerdings schmunzelte er auch bei seinem nächsten Satz – „Ich sage dazu nichts“ – verräterisch.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Veh zog sich drei Tage vor der Prüfung in München nämlich nicht etwa übervorsichtig zurück – er wollte nur keine Geheimnisse machen, wo es keine mehr gibt. Oder nicht mehr viele. Es habe doch ohnehin jeder gesehen, was er für München, für dieses Ausnahmespiel gegen die vermeintlich Unschlagbaren, plane, sagte er ganz entspannt. Nach seinem Training unter strahlender Sonne war jedermann ersichtlich: Die Karten liegen auf dem Tisch, der Trainer wird kräftig rotieren lassen, und er ließ ungewohnt früh ungewohnt tief blicken. Ganz nach dem Motto: Wenn es gegen den Giganten der Liga geht, dann gelten andere Regeln. Ausnahmsweise.

          Vehs Erkenntnisse über Bayern

          Es gab also kein Dementi, dass die Mannschaft, die sich soeben unter Dauerbeobachtung des Trainers ein wenig eingespielt hatte, auch am Sonntag um halb sechs gegen Neuer, Lahm, Götze und Co. ran darf. Oder muss, je nach Sichtweise. Im Detail hieße das: Die von Gelb-Sperren bedrohten Eintracht-Profis Zambrano und Rode werden durch Madlung und Flum ersetzt, für den formschwachen Inui rückt Barnetta ins Team, und statt Aigner kommt Joselu im Sturmzentrum zum Zug. „Das Spiel gegen Braunschweig ist mir wichtiger“, sagte Veh, der in München wenig, im Heimspiel danach gegen den Aufsteiger dafür umso mehr erwartet. Einteilung der Kräfte, Konzentration auf realistische, nicht auf theoretische Chancen im Kampf gegen den Abstieg – die erdrückend überlegenen Münchner zwingen auch der Eintracht neue Strategien auf. Immerhin dürfte Kapitän Pirmin Schwegler, dem bei einer weiteren Gelben Karte in München ebenfalls eine Sperre gegen Braunschweig droht, in der Startelf bleiben. So viel Verzicht soll dann doch nicht sein. Auch wenn von Wettbewerbsverzerrung so oder so keine Rede sein könne. Die Eintracht sei schließlich auch in stark veränderter Besetzung ein respektabler Gegner. Außerdem: „Wir möchten ja trotzdem was holen“, sagte Veh.

          Den Sieg der Bayern in letzter Minute beim VfB Stuttgart am Mittwochabend hatte er natürlich registriert, aber seine Erkenntnisse hielten sich in Grenzen. Erstens: Die Bayern rotierten ohnehin in jedem Spiel, außerdem wisse man doch, wie sie spielen, da müsse man nicht mehr jede Minute ihres Alleingangs in dieser Saison sehen. Zweitens: Ihm hätten die Münchner in der vergangenen Saison sogar noch besser gefallen, da seien sie – trotz aktuell beeindruckender Spielkontrolle – dynamischer gewesen. Drittens: Dass Stuttgart, in der Tabelle mit nur einem Punkt mehr und zwei Plätze vor der Eintracht notiert, noch verloren habe, spiele für die Eintracht keine Rolle. „Der VfB ist kein Konkurrent von uns, dafür sind sie zu stark“, sagte Veh. „Anders wäre es gewesen, wenn der HSV oder Bremen verloren hätten.“

          Die wenigen Chancen nutzen

          Wie schwer es sein wird, gegen diese Münchner zu bestehen, ahnt Johannes Flum schon – jener Mittelfeldspieler also, den die Umstände wohl in die Startelf spülen werden. „Man muss damit umgehen können, den Ball nicht oft zu haben“, sagte der frühere Freiburger. „Denn irgendwann wird man müde, wenn man immer nur hinterherrennt.“ Die bayerischen Ball- und Spielbeherrscher werden also nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch eine besondere Herausforderung sein. Da komme es darauf an, „immer konzentriert, immer wach zu bleiben“, sagte Flum. Es geht also darum, sich seinem Schicksal nicht allzu schnell zu ergeben. Und eine der wenigen Chancen, die sich bei gutem Verlauf ergeben, zu nutzen. Dafür wird, neben dem unverzichtbaren Alexander Meier, vor allem der Spanier Joselu in Frage kommen, womöglich noch Jan Rosenthal. Srdjan Lakic ist – der umfangreichen Umbauarbeiten zum Trotz – weiterhin kein Thema. Am Donnerstag hieß es schon, der kroatische Stürmer sei sich mit dem 1. FC Kaiserslautern über einen Wechsel einig. Lakic, definitiv wechselbereit, lächelte, als er darauf angesprochen wurde. Es gebe nichts Neues, sagte er. Der Fall bleibt ungelöst. Vorerst jedenfalls.

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