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Eintracht Frankfurt : Veh gewinnt

  • -Aktualisiert am

Durchsetzungsstark: Armin Veh. Bild: dpa

Der Eintracht-Trainer setzt sich im Machtkampf um die Position des Mediendirektors gegen Vorstand Bruchhagen durch. Journalist Forster wird den Job also nicht antreten - zumindest vorerst.

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          Am kommenden Samstag sollte Oliver Forster seine neue Arbeitsstelle antreten. Der 45 Jahre alte Journalist war im April als neuer Leiter der Medienabteilung der Frankfurter Eintracht angekündigt worden, sollte vor allem das neu zu schaffende „Eintracht-TV“ aufbauen. Doch daraus wird nun nichts. Trainer Armin Veh hat die Anstellung des neuen Mediendirektors verhindert, zumindest vorläufig. Zwar ist der abgeschlossene Vertrag zwischen dem Bundesliga-Klub und Forster nicht aufgelöst worden, wie der „Kicker“ am Montag berichtete, aber zu einer Zusammenarbeit wird es in absehbarer Zeit und vor allem in der geplanten Art und Weise nicht kommen.

          „Es sind noch keine abschließenden Regelungen getroffen worden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „wir sind in Gesprächen mit Herrn Forster.“ Möglich erscheinen zwei Szenarien: Entweder der Vertrag mit Forster wird gegen Zahlung einer Abfindung aufgelöst, bevor er überhaupt in Kraft getreten ist. Oder die Zusammenarbeit wird nicht gänzlich aufgehoben, sondern nur aufgeschoben bis zu jenem Tag, an dem Veh nicht mehr Trainer in Frankfurt ist. Der Eintracht-Coach hatte in den letzten Wochen keinen Zweifel daran gelassen, dass er nicht bereit sei, mit Forster zusammenzuarbeiten. Er trägt dem ehemaligen Sportchef des hessischen Privatradios FFH nach, dass er ihn wegen der Abwesenheit bei einem Hallenturnier im Januar 2012 als Reporter des Fernsehsenders „Sport1“ heftig kritisiert hatte.

          „Wenn Forster anfängt, höre ich auf“

          Veh und Sportdirektor Bruno Hübner hatten Forster bei der Kandidatenauswahl nach eigener Aussage in den Gesprächen mit dem Vorstand explizit ausgeschlossen. Bruchhagen und sein Vorstandskollege Axel Hellmann aber hatten versucht, Forster gegen den Willen des Cheftrainers durchzusetzen. Aus dieser Gemengelage hatte sich zuletzt ein Machtkampf zwischen Trainer und Vorstand entwickelt. Laut „Kicker“ soll Veh der Eintracht per Anwalt mitgeteilt haben, dass er nicht nach Frankfurt zurückkehren werde, sollte Forster seinen Posten antreten. Dies bestreitet die Eintracht heftig: „Das ist völliger Blödsinn“, sagte Bruchhagen. Der Versuch, Forster zu installieren, ist allerdings gescheitert. Veh, der vor einigen Wochen seinen Vertrag um ein Jahr verlängert hatte, hat sich also durchgesetzt.

          Warum es der Vorstand auf eine Konfrontation hatte ankommen lassen, ist ein Rätsel. Denn der 52 Jahre alte Trainer hatte drei andere Kandidaten, unter anderen soll Ralf Scholt, der Fernsehsportchef des Hessischen Rundfunks, im Gespräch gewesen sein, positiv beurteilt - gegen Forster aber früh sein Veto eingelegt. „Wenn Forster anfängt, höre ich auf“, hatte Veh schon vor Wochen mitgeteilt.

          Enttäuscht und verärgert

          So weit wird es nun also nicht kommen. Zunächst werden im Sinne Vehs die seitherigen Pressesprecher Carsten Knoop und Ruth Wagner weiter für die Bundesligamannschaft zuständig sein. Was aus dem geplanten „Web-TV“ der Eintracht wird, das Forster aufbauen sollte, ist offen. „Wir haben neun Jahre ohne Web-TV gelebt und existieren immer noch“, sagte Bruchhagen. Zunächst wird es also wohl keine bewegten Bilder direkt vom Klub geben.

          Forster, der sich nach eigener Aussage seit Wochen „in konstruktiven Gesprächen“ mit dem Vorstand der Eintracht befindet, ist enttäuscht, durchaus auch verärgert. „Ich hatte bisher keinerlei Probleme mit Herrn Veh, und ich habe mir überhaupt nichts zuschulden kommen lassen“, sagte er. Auch er bestreitet, dass es bereits zu einer Vertragsauflösung gekommen sei, stellt aber klar, dass es auf dieser Basis zu keiner Zusammenarbeit kommen kann: „So gerne ich für die Eintracht gearbeitet hätte, unter diesen Voraussetzungen, nach diesen Attacken des Trainers, macht das keinen Sinn.“ Arbeitslos werde er freilich nicht. Er könne und werde weiter für den Sender „Sport1“ Spiele begleiten, so wie zuletzt am Sonntag die Partie Niederlande gegen Russland bei der U-21-Europameisterschaft in Israel. Forster ist sicher, dass er mit der Eintracht eine „einvernehmliche Lösung“ finden wird. Er möchte keinesfalls die Brücken zum Klub abbrechen. Er habe ein „sehr enges Verhältnis“ zur Eintracht und den Mitgliedern des Vorstandes, sagt er, und will nun in Ruhe „abwarten, was die Zeit bringt“.

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