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Eintracht Frankfurt : Unter Nachbarn

Auf sie kommt es vor allem an: Alexander Meier und Haris Seferovic haben die meisten Eintracht-Tore erzielt. Bild: Wonge Bergmann

Vor dem Derby in Mainz lässt Trainer Schaaf Kritik am Verhalten der Mainzer Profis anklingen: „Spieler haben immer die Pflicht, alles zu geben.“ Das Sturmduo Meier/Seferovic steht bei dem Rhein-Main-Duell unter besonderer Beobachtung.

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          Vorhang auf für die vierzehnte Aufführung. Seit bald zehn Jahren schon gibt es unter erstklassigen Bedingungen dieses ganz besondere Fußballspiel zwischen der Frankfurter Eintracht und dem 1. FSV Mainz 05. Die neuerliche Auflage, die an diesem Samstag zur angestammten Bundesligazeit von 15:30 Uhr an in der Mainzer Arena ausgetragen wird, ist mehr als nur der sportliche Vergleich unter Nachbarn. Es ist auch eine Standortbestimmung über die Machtverhältnisse an Rhein und Main.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Dass sich die Eintracht als Nummer eins fühlen darf, hat ihr Christian Heidel schon vor ein paar Jahren ins Stammbuch geschrieben. Der gewiefte Mainzer Manager, der enge Bindungen zu den Frankfurter Verantwortlichen pflegt, sieht seine Nullfünfer klar hinter der Eintracht – und erhielt mit seiner Einschätzung Rückendeckung von Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Wirtschaftlich haben sich die beiden Rhein-Main-Klubs zwar angenähert. Doch sportlich liegen die Vorteile seit Jahren tatsächlich auf Seiten der Eintracht. In Mainz sah man sich wegen des tabellarischen Abrutschens bis auf Tabellenposition vierzehn sogar genötigt, ein paar Tage vor dem Nachbarschaftsduell den Trainer auszuwechseln. Der Schweizer Bundesliga-Neuling Martin Schmidt anstelle des dänischen Bundesliga-Novizen Kasper Hjulmand soll es nun richten. Eintracht-Trainer Thomas Schaaf hat den Wechsel an der Mainzer Schaltzentrale mit Interesse verfolgt. Am Freitag, gut 24 Stunden vor dem Anpfiff, sagte der erfahrene Frankfurter Fußballlehrer: „Jetzt werden sie in Mainz alle wieder Gas geben. Haben sie das vorher nicht gemacht? Die Spieler haben immer die Pflicht, alles zu geben.“

          Schaafs Aufgabe für das Derby

          Schaaf hat die Pflicht, die bestmögliche Mannschaft zusammenzustellen, damit der Traum vom ersten Auswärtssieg in Mainz Wirklichkeit werden kann. Gefunden hat er sie nach eigenem Bekunden noch nicht. „Ich verspüre überhaupt keinen Druck, schon früh zu entscheiden“, sagte Schaaf. „Ich lasse es auf mich zukommen und mache vielleicht noch eine Rechts-Links-Drehung im Bett.“ Er wollte sich auch deshalb „keinen Kopf machen“, weil seine Mannschaft in der Vorbereitung auf das Derby gut trainiert habe. Bei der Suche nach den Besten spielen für Schaaf auch Langzeitbeobachtungen eine Rolle. „Das Bild, das ich mir vor der Saison von den einzelnen Spielern gemacht habe, wird über die Saison geschärft.“ Ein fortlaufender Prozess also, der Woche für Woche eine Feinabstimmung durchläuft.

          Schaafs Aufgabe für diesen Samstag: Er muss die Innenverteidigung neu bestücken, er muss den Posten vor der Abwehr besetzen, und er muss schauen, wer seiner Ansicht nach der Beste für den Part links Außen ist. Als Lösungen bieten sich aufgrund der Eindrücke der vergangenen Tage Carlos Zambrano und Bamba Anderson für den zentralen Abwehrblock sowie Marco Russ als Stellvertreter des gesperrten Makoto Hasebe als Antreiber an. Für die Aufgabe, im linken offensiven Mittelfeld für Wirbel zu sorgen, hat sich Lucas Piazon in der Vorwoche beim 1:0-Sieg gegen Schalke 04 in eine günstige Ausgangsposition gebracht. Der Brasilianer gefiel nicht nur wegen seines Kopfballtores, sondern auch wegen seiner Agilität und den Aktionen, die mehr Gefahr ausstrahlten als beim ausgewechselten Sonny Kittel. Gut für Schaaf: Mit Takashi Inui hat er einen Dritten im Bunde.

          Sturmduo unter Beobachtung

          Der Eintracht-Trainer hält es nicht für ausgeschlossen, dass sein neuer Mainzer Kollege etwas an der Ein- und Aufstellung ändert. Gleichwohl warnte er davor, jetzt Wunderdinge zu erwarten. „Wir sind ja nicht mehr in der Kreisklasse oder in der E-Jugend.“ Soll heißen: Taktisch sind alle Bundesligamannschaften geschult, um vielfältigen Ausrichtungen gerecht zu werden. „Ich habe viele Aufstellungen und taktische Varianten im Kopf“, sagte Schaaf. Für ihn wird die Partie in Mainz Spiel Nummer 501 sein, das er als erstklassiger Fußballlehrer von der Seitenlinie aus erlebt. „Ich will auch in Mainz erfolgreich sein und mich durchsetzen“, sagte Schaaf. „Wir wollen gewinnen.“ Aleksandar Ignjovski wird bei den Bestrebungen, tatsächlich in Mainz siegreich zu sein, nicht dabei sein. „Er hat sich heute telefonisch krank gemeldet“, sagte Schaaf. Diesmal ist es ein Magendarminfekt, der den Serben am Fußballspielen hindert.

          Die Eintracht wird an diesem Samstag nicht nur von bis zu 7000 Frankfurter Fans vor Ort unterstützt, sondern auch moralisch aus der Distanz. In Prag dürfte der an Sparta ausgeliehene Stürmer Vaclav Kadlec seinen langjährigen Mitspielern kräftig die Daumen drücken. Schaaf sagte, „dass wir an die Qualität von Vaclav glauben. Wir haben auch deshalb dem Ausleihgeschäft zugestimmt, weil sich ihm hier bei uns leider nicht die Einsatzmöglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten. Er kann sich ohne Anpassungsschwierigkeiten sofort wohlfühlen.“ Ob sich die Eintracht in Mainz wohlfühlt, hängt auch davon ab, ob das Sturmduo Alexander Meier/Haris Seferovic wieder zu alter Gefährlichkeit findet. Zur Einstimmung: Beim 2:2 im Hinspiel hießen die Frankfurter Torschützen Meier und Seferovic.

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