https://www.faz.net/-gzg-8hp7y

Eintracht Frankfurt : Unter dem Brennglas

  • -Aktualisiert am

Muss sich etwas einfallen lassen: Fredi Bobic Bild: dpa

An diesem Mittwoch wird Fredi Bobic als neuer Sportvorstand bei der Eintracht vorgestellt. Arbeit gibt es genug. Aber viele Fans haben schon jetzt die Geduld mit dem Neuen verloren.

          3 Min.

          An diesem Mittwoch beginnt Fredi Bobics Arbeit bei der Frankfurter Eintracht offiziell. Sein Vertrag als Sportvorstand ist auf den 1. Juni datiert und auf seine Antrittsrede sind viele Fans schon gespannt. Das Echo in den sozialen Medien wird negativ sein, einerlei, was der 44 Jahre alte Schwabe mit kroatisch-slowenischen Wurzeln auch sagen wird. Viele der eingefleischten Eintracht-Fans haben eine festgefahrene Meinung gegenüber dem früheren Sportdirektor des VfB Stuttgart. Sie machen ihn für den Niedergang des schwäbischen Klubs verantwortlich. Im Stadion hingen während des Relegations-Heimspiels gegen den 1. FC Nürnberg Banner im Fan-Block, die Bobic diskreditierten. Das Fachmagazin „Kicker“ stellt derzeit seinen Lesern die Frage: „Bringt Bobic die Eintracht wieder nach oben?“ Knapp 79 Prozent antworten bis zum Dienstag Nachmittag mit nein.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Erstaunlich, wie viele Anhänger schon vor dem ersten Fehler die Geduld mit dem neuen Sportvorstand verloren haben. Und Bobic bekommt in nächster Zukunft sehr viele Gelegenheiten, Fehler zu begehen. Vor allem bei der Kaderplanung. Trainer Niko Kovac machte Andeutungen, dass er sich einige Veränderungen wünscht. Geht man die Positionen durch, dann könnten es leicht zehn Transfers und mehr werden. Timothy Chandler, Yani Regäsel und Aleksandar Ignjovski sind die rechten Verteidiger, die einen Vertrag bei der Eintracht haben. Ihre Leistungen in der vergangenen Saison ergeben einen Handlungsbedarf. Bei den Innenverteidigern ist die Lage unübersichtlich. Ob Marco Russ (Tumoroperation) und Bamba Anderson (einjährige Verletzung) in alter Form zurückkehren, dahinter steht ein Fragezeichen. Carlos Zambrano könnte die Eintracht verlassen, falls ein gutes Angebot für den Peruaner hereinflattert. Auf jeden Fall muss der Klub einen Linksverteidiger verpflichten, nachdem Djakpas Kontrakt nicht verlängert wurde.

          Aigner spielte seine schlechteste Saison

          Neue Verträge sollen mit den Mittelfeldspielern Hasebe und Stendera (vorzeitig bis 2020) abgeschlossen werden, die Parteien scheinen sich bereits einig zu sein. Stendera wird nach seine Kreuzbandriss am kommenden Montag in Heidelberg operiert. Im Frankfurter Mittelfeld wäre auf jeden Fall frisches Blut und mehr Tempo angebracht. Sowohl für defensive Aufgaben, aber auch für offensive. Nach dem überraschenden Karriereende von Stefan Reinartz muss die Eintracht ohnehin tätig werden.

          Die Analyse von Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Kovac könnte aber auch größere Umwälzungen nach sich ziehen. Denn am Spielerischen haperte es, bei aller Leidenschaft im Abstiegskampf. Zentrale Frage, ob die sportliche Leitung im Mexikaner Fabian den Mann sieht, der in Zukunft die Fäden ziehen kann. In der Rückrunde tat sich der Mittelamerikaner schwer, bekam aber auch nicht so viele Einsatzmöglichkeiten, als dass er in den Spielrhythmus hätte kommen können. Auf den Außenpositionen lief auch lange nicht alles nach Wunsch bei der Eintracht.

          Aigner spielte seine schlechteste Saison, Gacinovic wurde zwar von Kovac als „Juwel“ bezeichnet, aber ob der leichtgewichtige Serbe das Durchsetzungsvermögen hat, um in der Bundesliga zu bestehen? Gegen Nürnberg brachte der 20-Jährige die Entscheidung zugunsten der Eintracht. Aber Nürnberg kann nicht der Maßstab sein. Die Verträge von Kittel und Ben-Hatira laufen aus, sie sind Wackelkandidaten – obwohl Kittel ein hessischer Jung ist, obwohl Ben-Hatira wichtige Glückstore schoss. Aber das Qualitätssiegel „bundesligareif“ von Mannschaften, die nichts mit dem Abstieg zu tun haben wollen, werden sie nicht so leicht bekommen.

          Neuordnung im Vorstand

          Das gilt auch für Stürmer Luca Waldschmidt, bei dem sowohl Trainer Veh als auch Trainer Kovac gute Ansätze entdeckt haben. Aber viel spielen, durfte der Nachwuchsstürmer bei keinem. Im Angriff könnte sich am meisten tun. Denn Alex Meier hat ein Faible für die Vereinigten Staaten (vor allem Florida) und Haris Seferovic würde das dringend benötigte Geld in die Kassen bringen, um all die Transfers zu finanzieren. Bliebe Luc Castaignos, der nach starkem Beginn großes Verletzungspech und große technische Mängel offenbarte.

          Aber nicht nur im Personalbereich zeichnen sich viele schwierige Abwägungen und Entscheidungen ab. Auch im Binnenverhältnis bedarf es neuer Abstimmungen und Festlegungen. Bobic wird als sportlich verantwortlicher Vorstand nicht wie sein Vorgänger Bruchhagen Vorstandsvorsitzender. Er ist gleichberechtigt mit Axel Hellmann und Oliver Frankenbach. Auch die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Hübner, beziehungsweise die Abgrenzung zu ihm, muss definiert werden. Und dann gibt es noch das Thema Leistungszentrum und Nachwuchsarbeit, die nicht in den Händen der Fußball-AG, sondern des Eintracht e.V. liegen. Wollte sich Bobic auf diesem Gebiet um eine Neuordnung kümmern, hätte er eine weitere Baustelle. An Arbeit wird es ihm so oder so in den nächsten Monaten nicht mangeln.

          Weitere Themen

          „Empört Euch !? – Arm im Wohlfahrtsstaat“ Video-Seite öffnen

          Ökumenischer Kirchentag : „Empört Euch !? – Arm im Wohlfahrtsstaat“

          Die Deutschen leben in einem reichen Land, das Milliarden Euro mobilisieren kann, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bekämpfen. Und dennoch sind viele Menschen arm. Ein Gespräch zwischen Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär der Caritas, und Joachim Rock, Abteilungsleiter im Paritätischen Gesamtverband. Aus der Gesprächsreihe „Schaut hin- zum Ökumenischen Kirchentag 2021“.

          Topmeldungen

          Maskenproduktion von Bewooden und von Jungfeld.

          Deutsche Industrie : Masken für alle!

          Auf absehbare Zeit wird nicht nur in Deutschland der Bedarf an Gesichtsmasken riesig sein. Die deutsche Industrie hat längst reagiert und ist aktiv.
          Protest in Corona-Zeiten: Trotz der Pandemie gehen im März Regierungskritiker in Bagdad auf die Straße

          Corona in Krisenregionen : Die Ruhe vor dem Doppelsturm

          Der Nahe Osten und die Länder Nordafrikas leiden schon jetzt unter einer Wirtschaftskrise. Die Corona-Pandemie heizt diese noch weiter an. Wenn wir jetzt nicht helfen, drohen Bürgerkriege und Terrorismus. Ein Gastbeitrag.
          Volles Wartezimmer bei einem Arzt in Brandenburg

          Aus Angst vor Covid-19 : Wenn Kranke nicht zum Arzt gehen

          Mediziner machen sich Sorgen: Aus Angst, sich mit dem Covid-19-Virus anzustecken, gehen viele kranke Menschen zu spät zum Arzt – oder gar nicht mehr. Das kann tödlich enden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.