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Eintracht Frankfurt : Unter Beobachtung

Alles im Blick: Armin Veh wirft ein waches Auge auf Haris Seferovic. Bild: Jan Huebner

Vom Aufsteiger zum Aussteiger: Mit Haris Seferovic hat die ohnehin nicht sorgenfreie Eintracht ein Problem mehr. Sein Abgang wird zu einer Frage des Zeitpunkts und des Geldes.

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          Es wäre ein gutes Geschäft geworden. Auf alle Fälle finanziell. Einen „zweistelligen Millionenbetrag“, so formulierte es Sportdirektor Bruno Hüber, bot die Gladbacher Borussia im vergangenen Sommer, um sich die Dienste von Haris Seferovic zu sichern. Zehn Tore und acht Vorlagen standen da in der Bilanz des Stürmers, der im Schatten von Goalgetter Alex Meier, auf den sich die Abwehrreihen oft konzentrierten, seine Chancen reihenweise zu nutzen wusste. Ein Großteil seiner Pluspunkte sammelte der heute 23-Jährige seinerzeit in der Hinrunde, während es in der zweiten Hälfte (mit drei Treffern und drei Assists) nicht mehr ganz so rund lief. Und doch lehnten Hübner und Trainer Armin Veh das Angebot des niederrheinischen Traditionsklubs dankend ab, in der Überzeugung, dass der Schweizer mit bosnischen Wurzeln auch in dieser Saison in ihrem Konzept eine tragende Rolle spielen sollte. Bislang entpuppte sich ihre Annahme als Wunschdenken.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Am vergangenen Wochenende hat sich der Fußballprofi bei den Frankfurtern selbst in Abseits manövriert. Seine Auswechslung beim Auftakt zuhause gegen Wolfsburg – als Veh Seferovic nach den ersten 45 Minuten, in denen ihm und seinen Mitstreitern kaum etwas Gescheites gelang – vom Platz nahm, quittierte der seit Ende November in der Liga glücklose Angreifer mit einer demonstrativen Geste des Missfallens: Er blieb weder in der Kabine noch nahm er auf der Ersatzbank Platz, sondern hockte sich fernab von Coach und Kollegen auf die Tribüne. Womit er es sich bei seinem Vorgesetzten bis auf weiteres verscherzte (F.A.Z. vom 26. Januar). Seferovic, der seitdem jeden Kommentar ablehnte, kommt in seinen Überlegungen, wie das drohende Abrutschen in noch ungemütlichere Tabellen-Zonen verhindert werden kann, nur noch am Rande vor.

          Seferovic steht wohl im Kader

          Seinen Stammplatz ist er vorerst los – und wie sehr Veh das Verhalten des Offensiv-Manns ärgert, wird auch in den Momenten deutlich, wenn er sich viel Zeit nimmt, um mit launigen Worten die nach wie vor schwierige Ausgangslage für seine Truppe so zu beschreiben, dass für jeden Zuhörer deutlich heraus zu hören ist, dass er am Erfolg seiner Mission keinen Zweifel hegt. Angesprochen auf Seferovic teilte er im gleichen Atemzug am Freitag zunächst mit: „Zu ihm sage ich nichts mehr.“ Sein Versuch, damit einen Schlussstrich unter das Thema zu ziehen, dass er mit seinen markigen Worten („Ich habe irgendwann die Schnauze voll“), selbst auf die Tagesordnung gebracht hatte, ging jedoch nur in Ansätzen auf.

          Auf weitere Nachfragen ließ er immerhin erkennen, dass er Seferovic für die Auswärtspartie an diesem Samstag in Augsburg (15.30 Uhr) nicht aus dem Aufgebot streichen wird – auch mangels Alternativen, da mit Luc Castaignos ein potentieller Ersatz nach wie vor verletzt fehlt, und die Eintracht ansonsten in der Spitze lediglich mit Meier besetzt ist. Veh sagte, er wüsste nicht, „wieso Seferovic nicht im Kader sein sollte“. In der Startformation, das lässt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, wird sich der Mann mit der Rückennummer Neun, jedoch bis auf weiteres nur im äußersten Notfall wiederfinden. Im Training stand der Eidgenosse in den zurückliegenden Einheiten in der B-Elf; für ihn durfte Marco Fabian eines der gelben Leibchen, das die Stammspieler kennzeichnet, überstreifen. „Natürlich bin ich der Meinung, dass Fabian von Beginn an spielen kann“, sagte Veh. „Sonst hätte ich ihn am Sonntag beim Stand von 0:1 ja nicht gebracht.“ Für Seferovic bedeutet das: Er befindet sich fortan unter besonderer Beobachtung und muss sich – zu allererst im Trainingsalltag – bewähren, will er bei seinem Boss Kredit zurückgewinnen.

          „Unsere Winter-Transfers sind abgeschlossen“

          Seferovic neigt dazu, sich wichtiger zu nehmen als die Mitspieler; mit seinem ausgeprägte Ego eckte er in den eigenen Reihen mitunter an, doch das nahmen sie bei der Eintracht so lange mit zusammengebissenen Zähnen in Kauf, wie seine Leistung auf dem Rasen manch Defizit im Umgangsverhalten kaschierte. Nun, da Veh die Zügel an allen Ecken und Ende spürbar angezogen hat und seinen Leute ein Höchstmaß an Professionalität bei der Berufsausübung abverlangt, setzt er mit seiner Konsequenz gegen einen kürzlich noch als Führungskraft geltenden Akteur Zeichen – wer nicht zu hundert Prozent mitzieht, hat bei ihm schlechte Karten, die beim Poker um künftige Karriere-Schritte gewiss nicht hilfreich sind. Dass der Fußballlehrer keine Probleme besitzt, unpopuläre Entscheidungen auch intern gegen Widerstand durchzusetzen, demonstrierte er zuletzt in der Causa Vaclav Kadlec, von dem sich alle mehr erhofft hatten, doch die Art und Weise, wie der Coach mit dem einst hoch gehandelten Talent die Geduld verlor, irritierte zumindest alle jene, die den Tschechen gerne teurer veräußert hätten.

          Bis zu diesem Montag ist für Seferovic ein vorzeitiger Ausstieg aus seinem bis Juni 2017 gültigen Vertrag laut Statuten möglich. Auf ihn, der trotz seines jungen Alters schon in sieben Jahren für sieben Profivereine kickte, soll nach einer Meldung der „Bild“ Sampdoria Genua aus der italienischen Seria A ein Auge geworfen haben. Sein Last-Minute-Deal sei aber kein Thema: „Unsere Winter-Transfers sind abgeschlossen“, wurde Vorstands-Chef Heribert Bruchhagen zitiert. Auch bei Veh klang die Einschätzung (in Teilen) ähnlich: „Im Normalfall machen wir nichts mehr.“ Er schloss am Freitag aber einen interpretationsfähigen Nachsatz an. „Es kann schon sein, dass noch jemand kommt oder uns verlässt“, meinte der 54-Jährige, „denn eins habe ich in dem Geschäft gelernt: Dass man nie etwas ausschließen sollte.“ Auch die nächste Wechselperiode kommt ja schon bald.

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