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Eintracht Frankfurt : Das Musterbeispiel Gacinovic

  • -Aktualisiert am

Der Mann des Abends: Mijat Gacinovic (rechts) bringt die Eintracht in Rom auf den richtigen Weg. Bild: AFP

Im stürmischen Eintracht-System mit Rebic, Jovic und Haller hat der Serbe seinen Stammplatz verloren, in Rom wird er zum Matchwinner und auffälligsten Spieler. Hasebe fehlt gegen Leverkusen.

          Vorgestern Rom, morgen Leverkusen. Weiter, immer weiter. Was Oliver Kahn vor vielen Jahren einmal für sich und die Münchner Bayern formulierte, gilt in dieser hektischen Vorweihnachtszeit auch für die Frankfurter Eintracht. In dieser Hinsicht ist die Mannschaft auf ihrem Weg von einem Mittelklasse-Team zu einer Fußball-Truppe gehobenen Niveaus mit internationalem Zuschnitt schon überraschend weit gekommen. Bis jetzt hat es noch keinen Einbruch gegeben, weder physisch noch mental. Vor der letzten Englischen Woche des Jahres, die an diesem Sonntag mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen beginnt, mit dem Derby in Mainz am Mittwoch fortgesetzt und am Sonntag in einer Woche gegen Bayern München enden wird, wirkt die Eintracht immer noch tatendurstig. Das 2:1 bei Lazio Rom nach 0:1-Rückstand war ein Sieg des Willens und der Kondition, ganz ohne Anzeichen eines bedenklichen Verschleißes.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In der letzten Arbeitswoche des Jahres hat die Eintracht allerdings mit einem Handicap zu kämpfen. Makoto Hasebe fällt aus. Nach einer halben Stunde zog sich der 34 Jahre alte Japaner ohne Einfluss eines Gegenspielers eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu und musste vom Feld. Bis dahin hatte der japanische Fußball-Kaiser auch in dieser Partie seinen Wert für die Eintracht unterstrichen. Als Libero lief er nicht nur die Bälle ab, er lieferte auch noch die besten Steilvorlagen in den Angriff. Mijat Gacinovic gab in den Katakomben des Olympiastadions in Rom fast schon eine Huldigung an Hasebe ab. „Er ist ein Vorbild für uns junge Spieler, zu 100 Prozent Profi. Er zeigt uns, wie lange man auf einem hohen Niveau Fußball spielen kann. Ich genieße es, ihm dabei zuzuschauen, wie clever er spielt.“

          Der auffälligste Eintracht-Profi

          Der 23 Jahre alte Serbe übernahm von Hasebe die Rolle des auffälligsten Eintracht-Profis. Erst erzielte Gacinovic mit einem herrlichen Tor den Ausgleich, dann legte er Haller mit einem wunderbaren Pass den Siegtreffer auf. Zwei außergewöhnliche Szenen, die sogar der gegnerische Trainer Inzaghi wortreich lobte. „Beides war sehr schön, aber die Vorlage ist mir noch ein bisschen lieber“, sagte Gacinovic, was viel über seinen Charakter verrät. Dem Team zu helfen stellt er über einen Schuss in den Torwinkel, der das Scheinwerferlicht ganz auf ihn richtete.

          Nichts gelernt: Eine kleine Gruppe Eintracht-Fans verdirbt die gute Stimmung.

          „Fußball ist Mannschaftssport und nicht Individualsport“, beantwortet der Serbe die Frage, ob er der einzige Frankfurter sei, den das Eintracht-Sturm-Trio Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller nicht begeisterte. Schließlich verlor er durch den Aufstieg der infernalischen drei seinen Stammplatz. „Ich freue mich für die Eintracht und für die drei, sie sind meine Freunde.“ Nicht nur Luka, sein Landsmann, nicht nur Ante, der seine Sprache spricht. „Mit ihnen verbringe ich viel Zeit. Aber auch Seb ist ein super Mensch.“ Mit Haller verbindet ihn der Altruismus. Mit Gelson Fernandes bilden die beiden das Eintracht-Trio der selbstlosen Läufer und Kämpfer, denen kein Weg zu weit ist, um den Kollegen auszuhelfen. Und so definiert sich Gacinovic auch. „Natürlich würde ich gerne weiter Tore schießen und Vorlagen geben. Aber Fußball ist mehr als das. Zum Fußball gehören die Laufwege und das Pressing. Es geht darum, der Mannschaft zu helfen.“

          „Falette hat das sehr gut gemacht“

          Tugenden, die den Serben gegen Leverkusen wieder in die Startelf bringen könnten. Ohne den großen Stabilisator Hasebe in der Dreierkette würde ein zusätzlicher Ordnungsfaktor im Mittelfeld, der die Räume zuläuft, hilfreich sein. Falette, der gegen Lazio für den Japaner in die Mitte der Abwehrkette rückte, löste seine ungewohnte Aufgabe im Zentrum überraschend sicher. Ohne natürlich im Spielaufbau Hasebe auch nur ansatzweise ersetzen zu können. Für ein Lob von Hütter reichte die Vorstellung des Franzosen jedenfalls. „Falette hat das sehr gut gemacht.“ Was ihm aber keinen Startplatz für Leverkusen garantiert. Erst am Samstag will sich Hütter erst festlegen, mit welchem Personal und in welcher Grundordnung er gegen die Werkself antreten wird. „Ich werde mir noch einige Videos vorher anschauen.“ Vertraut der Eintracht gegen Leverkusen weiterhin dem System mit Dreierkette, wird wahrscheinlich Salcedo die Position von Hasebe übernehmen. Der Mexikaner war wegen seiner schwerwiegenden Verletzung nicht für die Europa League nominiert worden.

          Keinerlei Werbung in eigener Sache machte Nicolai Müller für sich. Der ehemalige Nationalspieler fiel bei seinem ersten Startelf-Einsatz nach längerer Zeit durch eine lange Leitung und vielen Ballverlusten auf. Bis er eine Situation erkannte, war sie vom Gegner schon gelöst. Da machte Torwart Rönnow seine Sache besser, der in einer Szene wie sein Vorgänger Hradecky es zu tun pflegte, den Alleingang des Römers Durmisi stoppte. In seiner Ausstrahlung allerdings reichte der Däne nicht annähernd an Stammtorhüter Trapp heran.

          Auch wenn es manche Abstriche zu machen galt, Hütter konstatierte nach dem Ausflug nach Rom: „Es hat sich gezeigt, dass wir eine sehr gut funktionierende Mannschaft haben. Alle, die nicht immer dabei sind, haben sich voll reingeschmissen, wir zeigten eine sehr gute Mentalität.“ Gegen Leverkusen wird der Eintracht-Trainer dennoch wieder zurückrotieren. Die gegen Lazio gesperrten Kostic und Salcedo rücken wieder in die Startelf, und von den geschonten Stürmern Rebic und Jovic wird auch mindestens einer beim Anpfiff auf dem Platz stehen. Ob dann auch noch für Matchwinner Gacinovic Platz ist?

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