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Eintracht Frankfurt : Über Augsburg nach Europa

In Lauerstellung: Auch Lakic muss im Saisonendspurt zulegen. Bild: Wonge Bergmann

Der Dortmunder Sieg hat bei Trainer Veh die Lust verstärkt, mit der Eintracht international zu spielen. Randale von Chaoten kostet die Frankfurter 100.000 Euro.

           Die Partie hatte Wirkung hinterlassen. Auch bei Armin Veh. Der Trainer der Eintracht saß wie viele andere Fans am Dienstag vor dem Fernseher, schaute den Last-Minute-Sieg der Dortmunder Borussia in der Champions League gegen den FC Málaga - und fühlte sich von dem denkwürdigen Ausgang bestens unterhalten. „Da hat man wieder gesehen, wie geil Fußball ist“, sagte der 52-Jährige am Morgen nach dem 3:2 in diesem packenden Viertelfinale der „Königsklasse“, deren besondere Atmosphäre er zuletzt als Chefcoach beim VfL Wolfsburg intensiv miterlebt hat. Veh verspürt mehr denn je große Lust, in der kommenden Saison ebenfalls mal wieder in den Genuss internationaler Einsätze zu kommen.

          An den verbleibenden sechs Spieltagen will er mit den Frankfurter Aufsteigern die Qualifikation für die Europa League perfekt machen. Leicht wird es nicht. Auch deswegen schwor er, wie er sagte, die Mannschaft am Mittwochvormittag in einer kurzen Ansprache noch einmal auf das gemeinsame Ziel ein. An diesem Sonntag tritt Veh mit der Eintracht in seiner Heimatstadt Augsburg an, doch Zeit für besondere Sentimentalitäten bleibt rund um das Duell mit dem FC, der gegen den Abstieg kämpft, nicht. „Wir wollen gewinnen, weil wir oben dranbleiben möchten, die müssen gewinnen, wenn sie unten nicht an Boden verlieren möchten“, meinte der Trainer, der von einer „wegweisenden Begegnung“ sprach, „einer ganz heißen Kiste“.

          Das Näschen haben

          Frei von Sorgen ist Veh nicht. Zwar wurden ihm und seinen Leuten für das am Ende mutige Dagegenhalten beim 0:1 gegen die Münchner Meister ordentliche Kränze geflochten, doch lieber wären ihm ein Punkt anstelle der Komplimente von Bayern-Kollege Jupp Heynckes und Sportdirektor Matthias Sammer gewesen. „Unsere Leistung war richtig gut, weil wir trotz der Ausfälle mitspielen konnten. Wir haben es den Bayern schwerer gemacht als andere“, bilanzierte er. Ob in Schwaben die verletzten Pirmin Schwegler (Steißbeinentzündung) und Alexander Meier wieder mitwirken können, ist fraglich. Sonderlich optimistisch wirkte Veh nicht. Bei Meier, so gab er das neueste Bulletin des Mannschaftsarztes weiter, handele es sich bei seinen Muskelproblemen im Oberschenkel nun doch um einen „minimalen Faserriss“ und nicht um die zunächst angegebene Zerrung. Viele Alternativen, die den Ausfall der beiden Führungskräfte adäquat kompensieren können, gibt der Kader nicht her. Unter anderem deswegen drängte der Coach vor seiner unlängst erfolgten Vertragsunterzeichnung so vehement auf eine Aufstockung des Lizenzspieleretats. Am Mittwoch standen 18 Profis auf dem Übungsplatz. „Daran sieht man, dass wir was tun müssen“, meinte Veh, der von Fortschritten in den Gesprächen mit Kandidaten berichtete, sich aber vorerst nicht zu Namen und gehandelten Zugängen wie dem Freiburger Johannes Flum näher äußern mochte. Wie er taktisch in Augsburg agieren lassen will, ließ er dagegen durchblicken: So mutig, wie sein Team gegen Ende der zweiten Halbzeit eingestellt und aufgestellt gegen die Bayern auf dem Feld agierte. Also vermutlich mit Srdjan Lakic als Angreifer.

          Der Kroate, in der Schlussviertelstunde eingewechselt, ist ein gewiefterer Strafraumspieler als Dauerläufer Karim Matmour, der zwar mit großen Schritten über den Rasen stürmt, der aber „nicht so das Näschen hat“. Sollte Schwegler abermals nicht zur Verfügung stehen, könnte der gegen die Münchner als Offensivgestalter überforderte Martin Lanig seine Position als Sechser übernehmen. Die Option, wiederum mit Marco Russ an der Seite von Sebastian Rode zu beginnen, drängt sich nicht unbedingt auf. Weil der großgewachsene Verteidiger zwar Vorteile beim Kampf um die Lufthoheit besitzt, sein robustes Auftreten aber Mängel in der Ballbehandlung und bei der Geschwindigkeit, mit der er das Umschaltspiel einläutet, mit sich bringt. Ein Sieg in Augsburg ist für die Eintracht beinahe zwingend notwendig, um sich im dichter gewordenen Verfolgerfeld als Tabellensechster zu behaupten. Unterstützt werden die Frankfurter am 29. Spieltag von knapp zweitausend mitreisenden Anhängern.

          Für Verfehlungen einiger Chaoten in der Hinrunde - in Düsseldorf und Nürnberg - wurde die Eintracht am Mittwoch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu einer Geldbuße von 100.000 Euro verurteilt. Der Klub akzeptierte die Strafe und legte keine Rechtsmittel ein. Vielmehr konnte Vorstandsmitglied Axel Hellmann dem Entschluss des Verbandes durchaus etwas Positives abgewinnen. Nach den Bengalo-Ausschreitungen in Leverkusen hatte der DFB Ende Januar zunächst angekündigt, alle Ausschreitungen zusammen zu ahnden - was als Konsequenz ein sogenanntes „Geisterspiel“ möglich erscheinen ließ. Diese Option scheint nun vom Tisch. „Wir könnten ohne Zuschauerausschluss davonkommen“, meinte Hellmann. Das Zündeln in Leverkusen wird in den kommenden Wochen extra behandelt, wenngleich die Eintracht unter besonderer Beaufsichtigung bleiben wird. Vor allem das Auftreten ihrer Sympathisanten rund um das Auswärtsspiel am Sonntag, 28. April, in Mainz, sagte Hellmann, werde genau beobachtet. Im Duell mit den Rheinhessen steht nach Stand der Dinge nicht nur die Qualifikation für das europäische Geschäft auf dem Spiel.

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