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Relegationsspiel : Zuneigung für die Jungs

Geschlossene Gesellschaft: Eintracht-Trainer Kovac beginnt noch in Bremen mit ersten Maßnahmen, seine Mannschaft wieder aufzurichten. Bild: Heiko Rhode

Eintracht-Trainer Niko Kovac hat die Versäumnisse gegen Bremen abgehakt. Paradigmenwechsel zum Relegationsspiel gegen Nürnberg: „Nun müssen wir Tore schießen.“

          3 Min.

          Der Countdown läuft. Aus Eintracht-Sicht in die falsche Richtung. Aus vier Endspielen sind jetzt sechs geworden. „Drei davon haben wir gewonnen“, sagte Niko Kovac über die Erfolge gegen Mainz, Darmstadt und Dortmund. Das vierte in Bremen, das den Klassenverbleib hätte bringen können, ging 0:1 verloren. Deshalb folgen nun die Finalbegegnungen Nummer fünf und sechs. „Im Europapokalmodus“, wie der Trainer der Eintracht am Montag sagte.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Den Ausklang des Pfingstwochenendes, das mit dem späten Tiefschlag an der Weser seinen Anfang nahm, gestaltete der Frankfurter Fußballlehrer mit Augenmaß. „Wir haben nicht so intensiv trainiert“, sagte der 44 Jahre alte Kroate über die Einheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auf die Frage, ob er nun zur Einstimmung auf die beiden Relegationsspiele gegen den 1. FC Nürnberg (Donnerstag und Montag, jeweils 20.30 Uhr) zwischen Zuckerbrot und Peitsche wählen werde, entgegnete Kovac: „Die Jungs brauchen jetzt Zuneigung, keine Peitsche.“

          „Keine negativen Gedanken mehr"

          Schon in Bremen hatte Kovac erste Maßnahmen ergriffen, um seine „hingefallene Mannschaft wieder aufzurichten“. Am Pfingstsonntag, bestätigte Linksverteidiger Bastian Oczipka, „waren wir noch ein bisschen niedergeschlagen. Aber jetzt sind die Köpfe wieder oben. Wir sind wieder zu hundert Prozent da.“

          Hundert Prozent Leistung: Was mathematisch möglich ist, muss erstmals am Donnerstag vor heimischer Kulisse abgerufen werden, um sich im Duell mit dem Tabellendritten der zweiten Liga einen Vorsprung für das Rückspiel zu erarbeiten. „Wir müssen jetzt Tore schießen“, forderte Kovac.“ Ein Ziel, das in Bremen nicht erreicht wurde. Zu defensiv war die Eintracht im Weserstadion aufgetreten. Zu schwach waren die offensiven Darbietungen vor allem von Haris Seferovic, um nicht nur für Gefahr vor dem Bremer zu sorgen, sondern auch „Bälle festzumachen“, wie Kovac bemängelte. Vorbei, vergessen, abgehakt. „Wir dürfen keine negativen Gedanken mehr haben“, sagte auch Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner.

          22 gesunde Feldspieler

          Positiv denken, positiv handeln: Das ist die Strategie, die Kovac vom ersten Tag an verfolgt, seitdem er Verantwortung in Frankfurt trägt. Gut zwei Monate sind seit jenem 8. März vergangen, und die von vielen schon als vermeintlicher Absteiger abgeschriebene Eintracht hat immerhin den Relegationsplatz erreicht. „Nach der Niederlage in Leverkusen hätten wir den 16. Platz alle gerne genommen“, erinnerte Kovac an das 0:3 vor genau einem Monat.

          Nun ist diese Plazierung erreicht – und damit bietet sich die Chance, zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte den erstklassigen Ligaverbleib über die Relegation zu sichern. Gut für Kovac: Seit Pfingstmontag stehen ihm 22 gesunde Feldspieler zur Verfügung, um sich auf Nürnberg vorzubereiten. „So viele hatte ich noch nie“, sagte Kovac . Dass seine Mannschaft nach dem Tiefschlag von Bremen schnell mental regeneriert, „um wieder aufzustehen“, steht für Kovac außer Frage. „Wir können das, das haben wir schon in den letzten Wochen bewiesen.“ Unstrittig ist: „Wir müssen eine Topleistung abliefen, um in der Liga zu bleiben.“ Der avisierte Plan: „Wir wollen schon im Hinspiel ein sehr gutes Ergebnis vorlegen, damit wir das Rückspiel etwas ruhiger angehen können.“

          Rückhalt der Fans als Schlüssel zum Erfolg

          Ruhe im Hinspiel – das wird es nicht geben. Als feststand, dass die Eintracht Zusatzschichten einlegen und in die Relegation gehen muss, begann der Run auf die Eintrittskarten. Die Tickets waren ruckzuck ausverkauft. Am Donnerstagabend werden unter Flutlicht 51500 Zuschauer in der prallgefüllten Arena sein, und nicht nur Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann erhofft sich dann einen „Hexenkessel“.

          Auch Kovac und seine Spieler setzten auf die Unterstützung durch die Fans. Was der Anhang bewirken kann, hat man mit eigenen Augen zuletzt in Bremen gesehen. Dort standen zum Bundesligafinale alle Zuschauer von Anfang bis Ende, um Werder noch näher zu sein. Der Rückhalt von den Rängen war famos – und einer der Schlüssel, warum die Bremer doch noch die Last-Minute-Rettung schafften.

          Oczipka rechnet mit „hitziger Stimmung"

          Die Eintracht kann es nun in der Nachspielzeit richten. „Wir sind der Erstligist. Wir wollen Erstligist bleiben“, gab stellvertretend für die Mannschaftskollegen Lukas Hradecky die Losung aus. Der Frankfurter Torwart weiß auch: „Wer vor diesen Spielen mehr Angst hat, wird absteigen.“ Aber dazu, so die Strategie des finnischen Nationaltorhüters, soll es nicht kommen. „Wir müssen zu Hause zu Null gewinnen und auswärts mindestens ein Tor schießen. So habe ich das geplant.“

          Bastian Oczipka hat Respekt vor den Franken: „Das ist eine kämpferisch starke Mannschaft, mit guten Stürmern vorne drin, die schon sehr viel Tore geschossen haben. Zudem rechnet der Linksverteidiger mit einer „sehr hitzigen Stimmung. Das sind immer heiße Spiele zwischen Frankfurt und Nürnberg.“

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