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Eintracht Frankfurt : „Wir müssen das Fußball-ABC wieder lernen“

Es geht aufwärts mit der Eintracht – für Carlos Zambrano und seine Kollegen zumindest bei den Hügelläufen im Training. Bild: Heiko Rhode

Mehr Zweikämpfe, höhere Aggressivität: Niko Kovac fordert für seine Heim-Premiere von den Eintracht-Spielern mehr Entschlossenheit. Bei Alexander Meier spielt der neue Trainer lieber auf Zeit.

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          Der Blick zurück ist nicht unbedingt dazu angetan, den Glauben an eine bessere Zukunft zu stärken. 26 Spiele hat die Eintracht in dieser Saison absolviert, nur fünf Mal ging sie dabei als Sieger vom Platz und rutschte auch deswegen auf den 16. Tabellenplatz ab. Nun bleiben noch acht Partien. Vier davon, so lautet die interne Kalkulation, wollen die Frankfurter erfolgreich gestalten. Sie denken, so die Zwangsversetzung in die zweite Liga abwenden zu können.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Ein ambitioniertes Unterfangen, bei dem eine große Portion Zuversicht vonnöten ist, um angesichts der Ausgangslage nicht schwarzzusehen. Niko Kovac ist und bleibt Optimist. Der Berliner wirkt eine Woche nach seiner Verpflichtung als neuer Eintracht-Trainer zwar schon deutlich ernüchterter als unmittelbar nach seiner Verpflichtung, aber entmutigt ist er nicht. „Wir sollten zusehen, dass wir unsere Spiele zu Hause gewinnen“, kündigte der 44-Jährige am Dienstag an. Vor eigenem Publikum geht es noch gegen Hannover, Hoffenheim, Mainz und Dortmund. Auswärts heißen die Gegner München, Leverkusen, Darmstadt und Bremen. Alles in allem: ein Restprogramm, das es in sich hat.

          „Die Basics immer wieder wiederholen“

          An diesem Samstag, wenn die noch schlechter plazierten 96er aus der niedersächsischen Landeshauptstadt anreisen, erwartet Kovac „ein Geduldsspiel“. Die Begegnung mit dem Schlusslicht, die die Hessen zwingend für sich entscheiden müssen, wenn sich Lage und Stimmung um den Klub nicht weiter verschlechtern sollen, wird, obwohl als sogenanntes „Topspiel“ der Deutschen Fußball-Liga um 18.30 Uhr terminiert, mutmaßlich kein fußballerisches Highlight. Kovac erwartet „einen zähen Kampf“, doch er will keinen Schönheitspreis erringen, sondern drei dringend benötigte Punkte einsammeln, um die schwache Zwischenbilanz von 24 Zählern aufzuhübschen. „Es interessiert mich nicht, wie wir gewinnen, sondern dass wir gewinnen“, sagte der Coach.

          Während des Trainings am Dienstagvormittag gewährte er einen kleinen Einblick, wie er möglicherweise auf den Misserfolg bei seinem Debüt in Mönchengladbach (0:3) reagieren könnte, um das Team neu auszurichten. Der Fokus der ersten gemeinsamen Übungseinheit der Woche lag auf der Stärkung der Abwehrkräfte. „Wir müssen hinten einfach besser stehen“, verlangte Kovac von seinen Leuten, die er bei Nieselregen und böigem Wind rund neunzig Minuten auf dem Sportplatz an der WM-Arena beschäftigte und währenddessen immer wieder Pausen einlegte, in denen er mit ihnen im Kreis zusammenkam, dabei seine Vorstellungen schilderte, gelungene Aktionen lobte und Fehler korrigierte. Vor allem die Tatsache, dass seine Mannschaft bei der Borussia nicht in der Lage war, die Kugel über mehrere Stationen in den eigenen Reihen zu halten und geordnet aus der eigenen Abwehr nach vorne zu spielen, missfiel dem Coach.

          Die ungenügende Ballbesitz-Quote war ihm vor allem ein Dorn im Auge: Mönchengladbach kam auf 63 Prozent, die Eintracht lediglich auf 37 – Ausdruck eines harmlosen Auftritts, bei dem die Hessen überhaupt nur viermal auf das gegnerische Tor schossen. „Mehr Zweikämpfe, mehr Aggressivität“, so formulierte es Kovac, wolle er künftig von den Spielern sehen, auf diese Aspekte würden die Schwerpunkte in der Vorbereitung auf das Duell mit den Hannoveranern gelegt. Für Marco Fabian stand beim Abschlussspiel Änis Ben-Hatira in der A-Elf. Zumindest ein Fingerzeig. „Wir müssen das Fußball-ABC wieder lernen“, sagte Kovac und begründete den Satz, der den verbesserungsfähigen Zustand der Mannschaft pointiert auf den Punkt brachte, mit der Erkenntnis, dass viele grundsätzlichen Dinge, die eigentlich Automatismen sein müssten, nicht funktionieren. „Daher müssen wir die Basics immer wieder wiederholen, bis wir sie drin haben.“

          Meier absolviert nur Radfahren und Krafttraining

          Nach einem ähnlichen Prinzip, das habe er zuletzt während seiner Hospitation beim FC Bayern bestätigt bekommen, arbeite im Übrigen auch Pep Guardiola „mit seinen ganzen Weltmeistern und Champions-League-Siegern“. Also, diese Interpretation ließ er zwischen den Zeilen anklingen, könne es so verkehrt nicht sein, wen es darum gehe, die Eintracht wieder auf Kurs zu bringen. Es gebe, so Kovac weiter, jedenfalls „ziemlich viel Handlungsbedarf“, und an Ideen mangele es ihm nicht. Doch er müsse aufpassen, dass er die verunsicherten Akteure mit seinen Absichten nicht überfrachte.

          Ob er alsbald auf die Unterstützung von Alexander Meier wird zählen können, ließ er offen. Aktuell kann der am Knie verletzte Kapitän nur Radfahren und Krafttraining absolvieren. Dass er gegen Hannover dabei sein wird, ist laut Kovac „nicht so sicher“. Er werde mit den Ärzten und dem 33-Jährigen abwägen müssen, welcher Schritt als Nächstes wirklich Sinn mache. Die Option, ihn kurzfristig fit zu bekommen und damit die Gefahr in Kauf zu nehmen, dass er bei einem Rückfall für den Saison-Schlussspurt ausfällt, behagt Kovac gar nicht. Nach diesem Wochenende macht die Bundesliga zwei Wochen Länderspielpause, ehe es zum Gastspiel nach München geht. Zeit genug, so deutete Kovac an, dass der Profi seine Blessur „in Ruhe auskuriert. Er war lange nicht dabei, wir dürfen ihn jetzt nicht verbrennen.“ Er wolle, stellte Kovac klar, gerade bei Meier „kein Risiko eingehen“. Eine hehre Absicht, von der sich aber selbst für den Eintracht-Trainer noch nicht absehen lässt, wie alltagstauglich sie tatsächlich ist.

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