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Eintracht Frankfurt : Mit Bauchnabel oder Ohrläppchen

  • -Aktualisiert am

Immer Haltung bewahren: Haris Seferovic, Marc Stendera und Mijat Gacinovic (von links) üben noch. Bild: Jan Huebner

Kovac hat die Hoffnung noch nicht verloren. Der Trainer macht den Spielern weiter Mut und arbeitet mit ihnen an den Defiziten im Abschluss: Die Eintracht braucht Tore – egal wie.

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          Ihre Körpersprache war nicht gut, als die Eintrachtprofis am Dienstagvormittag zum ersten Mal nach dem 0:2 gegen Hoffenheim den Trainingsplatz vor der Haupttribüne der WM-Arena betraten. Torwart Hradecky gelang als einzigem ein Lächeln, der Rest ging mit leerem oder verkniffenem Gesicht zu seinem Arbeitsplatz, langsam fast schleichend bewegten sich die Spieler. Marc Stendera schien das schlechte Gewissen geradezu im Gesicht zu stehen. Der 20 Jahre Mittelfeldspieler hatte am Samstag durch einen Ballverlust, den Amiri zur Hoffenheimer Führung verwertete, die Niederlage eingeleitet.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Welch ein Unterschied dazu der Auftritt von Trainer Niko Kovac. Energischen Schrittes bewegte er sich auf das Übungsgelände zu, betrat es und machte sich sofort an den Positionshütchen zu schaffen. Seinen Spielern hatte er auf dem Weg von der Umkleidekabine zwanzig Meter oder mehr abgenommen. Mit fortschreitender Trainingsdauer glich sich dann das Verhalten von Trainer und Profis immer mehr an, von Minute zu Minute stieg die Trainingsqualität, bis schließlich im Abschluss-Spielchen sogar die ein oder andere ermutigende Passstaffette in knackigem Tempo zu beobachten war. Während sehr viele Eintracht-Fans die Niederlage gegen Hoffenheim als entscheidend empfunden haben, in den Internet-Foren die Zukunft in düsteren Farben zeichnen und den Abstieg für fast schon unvermeidlich ansehen, gelingt es Kovac, auch nach diesem Rückschlag Haltung zu bewahren und Zuversicht auszustrahlen. Er sagte doch tatsächlich nach der ersten Trainingseinheit zur Vorbereitung auf die Begegnung gegen Bayer Leverkusen am kommenden Samstag: „Ich bin positiv gestimmt.“ Und warum? „Es fehlt nicht viel, es sind Kleinigkeiten, Passgenauigkeit, Passschärfe, die richtige Entscheidung im richtigen Moment treffen. Dann kommen wir in eine Vielzahl von Situationen, die man ganz anders zu Ende führen kann.“

          Kovacs „gute Restverteidigung“

          Viele im Stadion bezeichneten die Eintracht-Leistung bis zum unglückseligen Rückstand in der 61. Minute als beste in der Rückrunde. Aber die Mannschaft schaffte es nicht, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Die Hoffenheimer machten es durch Amiri vor, wie man entschlossen eine Gelegenheit nutzt. Stendera, dem der verhängnisvolle Ballvererlust unterlaufen war, wirkte nach dem Abpfiff untröstlich. Seitdem versucht ihn Kovac wieder aufzubauen. „Das 0:1 war nicht allein Stenderas Schuld, es war eine Fehlerkette aus vier, fünf Bestandteilen“, sagte der Eintracht-Trainer. Dass der Junioren-Nationalspieler mit einem Pass von Kittel unter Druck gesetzt wurde, passte Kovac schon nicht. „Wir hätten den Ball auf die andere Seite verlagern müssen.“

          Noch schwerwiegender sei gewesen, dass Hasebe im Moment des Zuspiels von Kittel auf Stendera als defensiver Mittelfeldspieler nach vorne gelaufen sei. „Das heißt, er gab seine Position auf, die eine Absicherungsfunktion hatte. Erst dadurch kam es nach dem Ballverlust zu einer 3:3-Situation“, so Kovac. Dabei sei taktisch klar abgesprochen gewesen, dass immer vier Spieler zur Absicherung hinter dem Ball blieben. „Gehen die Außenverteidiger mit, bleiben beide Sechser hinten, wenn ein Sechser mitgeht, dann bleibt ein Außenverteidiger hinten. Wir wollen immer eine gute Restverteidigung im Falle eines Ballverlustes haben“, gibt Kovac einen Einblick in seine Überlegungen und fügt an: „Der Ballverlust war auch nicht gerade schön, aber mehr ärgert mich, dass taktisch nicht umgesetzt wurde, was wir abgesprochen hatten.“

          Meiers Knie macht weiter Sorgen

          Ganz zu schweigen vom Abwehrverhalten Ayhans, der Amiri einfach nicht angriff, sondern ihm den Weg zum Frankfurter Tor freimachte. Kovac betont, mit seiner Fehleranalyse die Spieler nicht persönlich treffen zu wollen. „Jeder Spieler ist austauschbar, es geht um das Verhalten auf der Position. Jeder muss wissen, was er in dieser Position zu tun hat oder nicht.“

          Was die Eintrachtspieler ganz dringend zu tun haben, ist Toreschießen. So ermutigend die Verbesserungen in Sachen Leidenschaft, Lauffreude und Zweikampfverhalten auch sein mögen, das alles führt zu nichts, wenn sich die traurige Torquote von zwei Treffern in den letzten acht Begegnungen nicht schnell deutlich verbessert. Kovac wird allerdings in den nächsten Tagen und Wochen nicht die Trainingsinhalte ganz auf den Torschuss ausrichten. „Wir üben das schon seit zwei Wochen in einem gewissen Maße. Aber man kann die Spielsituation nicht simulieren. Da sind die Zuschauer, Emotionen, Adrenalin.“ Mehr würde es bringen, das Herausspielen von Torchancen zu üben. „Ohne Torchancen kann man nicht gewinnen. Gegen Hoffenheim hatten wir vier sehr gute. Man muss sie halt nutzen. Dazu benötigt man keinen Sonntagsschuss. Es reicht, wenn wir den Ball irgendwie über die Linie würgen, mit dem Bauchnabel oder mit dem Ohrläppchen.“

          Für unorthodoxe Treffer ist bei der Eintracht vor allem Alex Meier bekannt. Die Hoffnung, dass er bis Saisonende noch mal seinen Torinstinkt für die Eintracht gewinnbringend einsetzen kann, sind allerdings vage. Die Schmerzen im Knie seien verschwunden nach dem Eingriff, bei dem Vernarbungen im Gewebe geglättet worden waren, berichtete der Stürmer. Doch noch ist das Knie etwas angeschwollen, erst am Montag legte Meier die Krücken beiseite. Nun muss abgewartet werden, wie sein Gelenk auf die Belastungen des eigenen Körpergewichts reagiert. Zudem strampelt der Torjäger seit Dienstag auf dem Fahrrad, aber noch ganz gemütlich. Schließlich soll das Knie nicht gleich wieder anschwellen. Durch den Eingriff wurde auch gesunde Struktur im Knie geschädigt. Rechnet man das Aufbautraining hinzu, kann Meier bei optimalem Heilungsverlauf frühestens in zweieinhalb Wochen in Darmstadt einsatzbereit sein, aber dann kaum über 90 Minuten. Sollte sich bis dahin kein anderer Torschütze gefunden haben, wird auch Meier den Abstieg nicht mehr verhindern können.

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