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Eintracht Frankfurt : Crashkurs mit Kovac

  • -Aktualisiert am

Zwei, die mit anpacken: Eintracht-Trainer Niko Kovac (links) und sein Bruder Robert, der ihm als Assistent zur Seite steht. Bild: Heiko Rhode

Der neue Trainer der Frankfurter Eintracht will in die Tagesarbeit so viel wie möglich „hineinpumpen“, um die Mannschaft für den Kampf um den Klassenverbleib zu rüsten.

          3 Min.

          Niko Kovac ließ die Trainingsbeobachter erst mal eine halbe Stunde warten. 30 Minuten später als angekündigt betrat der neue Trainer am Mittwochvormittag mit seinen Eintracht-Profis die Übungsplätze vor der WM-Arena. Aber untätig waren sie vorher nicht gewesen. Im Gegenteil. Die Videoanalyse des nächsten Gegners Borussia Mönchengladbach geriet so intensiv, dass der praktische Teil des Trainingstages eben später startete – aber auch keine Sekunde kürzer dauerte. Als die Mannschaft ziemlich genau um 13 Uhr in die Kabinen zurückkehrte, hatte sie gut zweieinhalb Stunden Arbeit hinter sich.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Nach der zweiten Übungseinheit in Frankfurt äußerte sich der 44 Jahre alte Kroate sehr zufrieden: „Die ersten Eindrücke sind sehr positiv, die Jungs ziehen hundert Prozent mit, sind sehr fokussiert und konzentriert.“ Das müssen sie auch sein, um alles mitzukriegen. Kovac spricht von einem „Crashkurs“, dem er seiner neuen Mannschaft aussetzen muss, um seine Vorstellungen umzusetzen. „Deshalb versuche ich so viel wie möglich in das Training hineinzupumpen. Aber das war mir ja ohnehin klar, dass wir nicht so viel Zeit haben wie zu Saisonbeginn, um sich Dinge zu erarbeiten.“

          Aigner links und Seferovic rechts auf dem Flügel

          Kompaktheit, darauf legt der langjährige Bundesligaspieler von Bayern München und des Hamburger SV einen Schwerpunkt seines Tuns. Die Mannschaft sei zu oft in einen Defensivteil und einen Offensivteil auseinandergefallen. „Schon bisher hat jeder alles gegeben, was in seiner Macht stand. Aber nicht als Team, sondern jeder für sich. Aber gerade die Mannschaften, die oben stehen in der Tabelle, haben gezeigt, was alles möglich ist, wenn man als Einheit auftritt.“ Am Mittwoch standen Übungen im Mittelpunkt, die das Abwehrverhalten der Viererkette bei langen Bällen des Gegners verbessern sollten. Dazu bildete Kovac zwei Teams, wovon das eine das Zeug dazu haben könnte, gegen Mönchengladbach anzutreten. Das andere füllte er mit Torwart Emil Balayev als Feldspieler und Robert Kovac, seinen Bruder und Assistenten, auf.

          Auffallend war, wie häufig Kovac im Vergleich zu seinem Vorgänger Armin Veh die Aktionen unterbrach. Seine neue Abwehr agierte ihm oft gedanklich zu langsam und unaufmerksam. Immer wieder forderte er seine Verteidiger auf, schneller auf die Spielsituation zu reagieren, sich entweder rascher zurückfallen zu lassen oder schneller vorzurücken. Dabei sollten sie auf Bewegungen des ballführenden Gegners achten, die Indizien für seine nächste Aktion seien. „Wenn ich das Spiel nach Fehlern laufenlasse, erinnert sich hinterher keiner mehr daran, was er falsch gemacht hat. Also unterbreche ich gleich und spreche es an. Dadurch erarbeiten wir uns am schnellsten Automatismen.“

          „Ich habe schon als Profi viel kommuniziert.“

          Kovac überraschte zudem damit, dass er in der A-Elf Rechtsaußen Aigner auf dem linken Flügel spielen ließ und Mittelstürmer Seferovic, der mit links viel besser schießt als mit rechts, auf dem rechten. Der Trainer beruhigte sogleich: Er wolle nicht alles umkrempeln. „Ich teste einige Dinge, das heißt nicht, dass sie gegen Mönchengladbach auch so kommen werden.“ Der Kroate will nicht nur vor größeren Veränderungen viel mit seinen Spielern sprechen. „Ich habe schon als Profi viel kommuniziert.“ Ihn interessiert vor allem, welche Lieblingspositionen sie haben. „Ich habe als Spieler gemerkt, wo ich mich zu Hause fühle, kann ich auch mein Maximum geben.“ Bis zum Hannover-Spiel in zehn Tagen soll die Umfrage abgeschlossen sein. Das heißt nicht, dass Kovac die Premieren-Begegnung in Mönchengladbach als reinen Testfall abtun würde: „Wir sind nicht in der Situation, irgend etwas herzuschenken“, sagte er. „Wir müssen versuchen, in jedem Spiel Punkte zu sammeln.“ Der ehemalige Nationalspieler weiß, dass es vielversprechendere Orte dafür als Mönchengladbach gibt, dennoch wolle er das Spiel gewinnen. „Ob das realistisch ist, ist eine andere Geschichte. Aber ich wäre fehl am Platz, wenn ich die weiße Flagge hissen würde.“

          Zu seinem Optimismus trägt nicht nur die aufmerksame Mitarbeit seiner Profis bei. Auch die Personallage scheint sich zu entspannen. Kovac sieht eine kleine Hoffnung, dass am Samstag Alexander Meier und Carlos Zambrano mit von der Partie sein können. Dass Torwart Lukas Hradecky dabei sein wird, davon geht der Trainer sogar ganz fest aus. Er erwartet den finnischen Nationaltorwart nach dessen Hexenschuss spätestens am Freitag im Training zurück. Sogar mit den Langzeitverletzten Luc Castaignos und Stefan Reinartz rechnet Kovac wieder. „Die beiden bedeuten eine Wertsteigerung für die Mannschaft. Jetzt müssen wir schauen, wie viel Kraft in den Jungs steckt, ob sie über einen längeren Zeitraum spielen können.“

          Erzwingen wolle er natürlich auch nichts: „Ich werde kein Risiko eingehen, wir haben noch acht weitere Spiele, und es wäre fatal, wenn jemand länger ausfallen würde.“ Im Moment jedenfalls sei nur Marc Stendera am Samstag auf keinen Fall einsatzbereit. Einen kleinen Vorteil sieht Kovac für seine Mannschaft in Mönchengladbach: „Die Borussia wird jedenfalls nicht wissen, was auf sie zukommt. Das kann uns helfen.“

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