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Eintracht Frankfurt : „Ich stehe hier nicht im Büßerhemd“

Neue Woche, neue Sorgen: Bei Trainer Veh melden sich Meier und Zambrano erkrankt ab. Bild: dpa

Armin Veh kämpft – mit der Eintracht um den Klassenverbleib und um seinen Job. Auf Meier und Zambrano muss er beim ersten „Geheimtraining“ fürs HSV-Spiel verzichten.

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          Die Eintracht will ihre Ruhe haben! Armin Veh hat entschieden, dass die Vorbereitung auf das im Kampf um den Klassenverbleib als wegweisend eingestufte Spiel gegen den HSV hinter verschlossenen Türen stattfindet. Zaungäste unerwünscht. Selbst auf den Wegen rund um die Arena, von wo aus Beobachter einen Blick auf das Trainingsgeschehen auf dem abgeschirmten Rasen vor der Wintersporthalle werfen könnten, patrouillierten Ordner, die jeden, der nach Ansicht der Frankfurter Verantwortlichen dort nichts verloren hat, wegschicken.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Auch der Fahrer eines großen Geländewagens, der vor der Geschäftsstelle geparkt hat und von seinem Platz hinter dem Lenkrad aus das Geschehen verfolgte, geriet ins Visier von „Moppes“ Petz. Der Torwarttrainer unterbrach die Übungsstunde und beauftragte einen Angestellten des Security-Dienstes, den unbekannten Mann zu überprüfen – als er sich als Fahrer von Neuzugang Yanni Regäsel entpuppte, musste er nicht weichen.

          Was die Eintracht gegen den HSV besser machen soll

          Veh und sein Betreuerstab wollten den Vormittag eigentlich dazu nutzen, an der Ausführung von Standardsituationen zu feilen. Wann immer der Ball zuletzt als Frei- oder Eckstoß in den Frankfurter Strafraum getreten wurde, herrschte anschließend höchste Gefahr. So auch in der Szene, die in Köln zum 1:2 führte, damit die zehnte Saisonniederlage einleitete und die Situation des Tabellen-Fünfzehnten weiter verschlechterte. Doch die Tauglichkeit des Plans, sich mit personellen Umstellungen besser zu wappnen, ließ sich nur bedingt überprüfen. Denn mit Alexander Meier und Carlos Zambrano meldeten sich die nächsten Spieler vorerst krank ab. „Es geht was durch bei uns, ein paar sind verschnupft“, sagte Veh, der unlängst schon auf Szabolcs Hustzi, Bastian Oczipka und David Abraham wegen fiebriger Erkältungen verzichten musste. Die Zeit bis zum Freitag sollte aber ausreichen, mutmaßte der Coach, um beide Stammkräfte wieder einsatzfähig zu bekommen. Wenn nicht, hätte er noch ein Problem mehr. „Die Stimmung“, räumte Veh ein, „ist nicht prickelnd.“ Könne sie auch gar nicht sein, „wenn du nur fünfmal gewinnst“. Die Lockerheit sei seinem Team durch die vielen Misserfolge abhandengekommen, „das macht es nicht besser“.

          Er selbst beabsichtige, seine Arbeit konzentriert fortzuführen und das Team „zu motivieren, ordentlich zu spielen“. Bei dem Auftritt in Köln, der gegen Ende zahlreiche kritische Passagen bot, sah er Ansätze, die ihm gut gefielen. Seine Leuten hätten erst nach dem Rückstand den „Plan verloren“, das hätte „so nicht passieren dürfen“. Es komme nun gegen die Hanseaten darauf an, sich nicht wieder so viele gedankliche Auszeiten zu gestatten und über neunzig Minuten fokussiert zu bleiben. Auch für Lukáš Hrádecký, den Torhüter, haben die jüngsten Rückschläge ihre Ursache in der mangelhaften Aufmerksamkeit der Mannschaft: „In der Bundesliga reicht es nicht, nur 45 Minuten gut zu spielen. Damit kann man keine Ergebnisse holen“, schilderte der Keeper gegenüber dem Hessischen Rundfunk. Der Finne sagte in dem Gespräch außerdem, dass er ein „Eintracht-Mann“ sei: „Ich habe auch einen Vertrag für die zweite Liga. Aber hoffentlich spielen wir auch nächste Saison in der ersten Liga.“

          „Ich übernehme selbstverständlich die Verantwortung“

          Das ist auch Vehs erklärtes Ziel. Der 55-Jährige verwies am Dienstag darauf, dass er nicht die Absicht habe, sich im Umgang mit der Mannschaft grundlegend zu ändern: „Wir dürfen nicht total verrückt spielen“, sagte er und begründete seine Marschroute mit „26 Jahren Erfahrung“ im Trainergeschäft. „Die, bei denen richtig Theater gemacht wurde, die sind am Ende immer abgestiegen“, sagte er und untermauerte seine These unter anderem mit einem kurzen Rückblick auf die Eintracht-Wochen im Frühling 2011, die von Vereinspräsident Peter Fischer schon damals als „Rückrunde der Schande“ bezeichnet wurden. Seinerzeit stieg die Eintracht trotz der Trennung von Michael Skibbe und dem Engagement Christoph Daums sang- und klanglos ab, das Team fiel anschließend auseinander.

          Dass die Nervosität steige, bezeichnete Veh als „verständlich, hilft aber niemandem“. Auch sei ihm klar, dass ein Teil der Kritik aus den Fankreisen explizit seiner Person gelte. Veh sagte, er übernehme selbstverständlich die Verantwortung für den unbefriedigenden Status quo. „Ich spüre, dass Unruhe da ist – und ich spüre, dass das wohl auch mit meinem Abschied vor zwei Jahren zu tun hat“, stellte er am Dienstag beim Abgang vom Feld fest. Er gab zu verstehen, dass er die derzeitige Situation nicht als angenehm empfinde, wehrte sich aber auch gegen Vorwürfe: „Ich stehe hier nicht im Büßerhemd“, sagte der Trainer, der nicht den Eindruck machte, als ließen ihn Anzeichen von Resignation am Erfolg der schweren Aufgabe zweifeln: „Ich versuche, meinen Job so gut wie möglich zu machen.“

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