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Eintracht Frankfurt : Stürmen auf der Stelle

Ein Schuss zu labil: Trotz überdurchschnittlicher Begabung wartet Kadlec in Frankfurt immer noch auf den Durchbruch. Bild: Jan Huebner

Auch unter Trainer Schaaf kommt Vaclav Kadlec bei Eintracht Frankfurt nicht richtig in Schwung – und die Konkurrenz wird eher größer. Gerade testen die Frankfurter ein Talent des AC Mailand.

          3 Min.

          Es gab schon angenehmere Tage in diesem Herbst im Stadtwald an der WM-Arena. Der Wind pfiff kräftig um die Bäume, und die wenigen Kiebitze, die das Training der Eintracht aus nächster Nähe beobachten wollten, hatten bisweilen ihre liebe Mühe, die Regenschirme gegen die Böen zu sichern. Als Thomas Schaaf nach nicht einmal einer Stunde die Übungseinheit abbrach, eilten die meisten Profis mit nassen Haaren und durchweichten Klamotten in die Kabine.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Vaclav Kadlec war einer der Ersten, den es im Laufschritt davonzog. Der 22-Jährige hat gerade erst eine Zwangspause hinter sich, weil er krank das Bett hüten musste. Wie so mancher Kollege hatte sich auch der Tscheche eine hartnäckige Erkältung eingefangen, die sich so weit verschlimmerte, dass er am Ende mit einer Mandelentzündung flachlag. Nun geht es ihm leidlich besser, doch ein Einsatz am Dienstagabend im Privatspiel gegen den FC Germania Enkheim (4:0) stand nicht auf dem Programm: „Wenn ich Vaclav gefragt hätte, ob er spielen möchte, hätte er sicher ja gesagt“, meinte Schaaf.

          Kadlec als „Mann der Zukunft“ verpflichtet

          Doch dazu kam es nicht. Der Trainer wollte „kein Risiko eingehen“ und darauf achten, dass sich der Stürmer nicht zu viel zumute. Kadlec, sagte Schaaf, müsse in der knapp zweiwöchigen Bundesligapause zunächst „körperlich wieder aufgebaut werden“, so dass er für die Auswärts-Partie am 19. Oktober gegen Paderborn gegebenenfalls wieder eine Option sei.

          Unlängst spielte der Fußballprofi in Schaafs Planungen noch eine untergeordnete Rolle. Für Kadlec, der im vorvergangenen Sommer vom ehemaligen Trainer Armin Veh und Sportdirektor Bruno Hübner als „Mann der Zukunft“ verpflichtet worden war, lief es seit seinem Wechsel von Sparta Prag an den Main selten wunschgemäß. Er brachte es in der vergangenen Runde auf 21 Einsätze (wobei er nur fünfmal über neunzig Minuten auf dem Platz stand) und auf fünf Tore. Für einen als Hauptdarsteller vorgesehenen Akteur, der der Eintracht 3,5 Millionen Euro Ablöse wert war, eine bescheidene Bilanz. Und auch unter Schaafs Regie hat sich sein Stellenwert kaum verbessert.

          Keinen Stammplatz in tschechischer Nationalelf mehr

          Zwar erfüllte sich der Wunsch von Kadlec, der im Trainingslager darauf spekuliert hatte, dass die Eintracht unter dem neuen Chefcoach künftig mit zwei Spitzen antreten wird. Doch für ihn persönlich brachte die Entscheidung zunächst nur einen kleinen Fortschritt. Schaaf vertraut in vorderster Reihe auf die Dienste von Alexander Meier und Haris Seferovic, die zusammen schon sieben Treffer erzielten. Für Kadlec stehen dagegen nach sieben Spieltagen nur 96 Spielminuten zu Buche; beim 2:2 in Wolfsburg glückte ihm als Joker kurz vor Schluss der Ausgleich, doch bei der Niederlage gegen Augsburg (0:1) konnte er kaum Akzente setzen. Schaaf überließ den Posten auf der rechten Außenbahn, der nach der Kreuzbandverletzung von Nelson Valdez neu besetzt werden musste, danach Takashi Inui, Slobodan Medojevic oder Stefan Aigner.

          Sein wenig erquickliches Dasein als Reservist kostete Kadlec auch den Stammplatz in der tschechischen Nationalmannschaft. Wenn seine Landsleute an diesem Freitag in Istanbul in der EM-Qualifikation gegen die Türkei antreten, wird Kadlec nur aus der Entfernung das Geschehen beobachten können – und in Frankfurt trainieren. „Wenn ich hier nicht spiele“, sagte er am Dienstag, sei es keine Überraschung, dass er nicht mehr regelmäßig für sein Heimatland aufgeboten werde: „So ist das nun mal.“ Mitte Mai, beim 2:2 gegen Finnland, wurde er letztmals von Nationaltrainer Pavel Vrba nominiert.

          „Ein guter Junge“ laut Schaaf

          An Schaafs grundsätzlicher Wertschätzung für Kadlec, der eine gute Technik mitbringt, beim Kampf um den Ball aber manchmal körperlich überfordert wirkt, hat sich ungeachtet seiner Teilzeitbeschäftigung nichts geändert. „Ein guter Junge“, sagt Schaaf. Der Spieler musste sich zuletzt klubintern trotzdem deutliche Kritik gefallen lassen. Kadlec hatte im Frust vor der Partie bei Schalke 04 (2:2) getwittert, dass er abermals nur auf der Bank sitzen werde – von seinem Smartphone aus wurde die Mitteilung versendet, nachdem Schaaf das Team über die Aufstellung informiert hatte. Für Bruno Hübner ein klarer Fall von übertriebenem Mitteilungsbedürfnis. „Das war wenig sinnvoll“, sagte der Sportdirektor, der sich Kadlec zur Brust nahm. Auf Geheiß der Presseabteilung musste der Beitrag an die Internet-Fangemeinde gelöscht werden. Schaaf sagte am Dienstag, dass der Zwischenfall für ihn „kein großes Thema“ gewesen sei. Er beurteile Kadlec in erster Linie aufgrund seines Einsatzes auf dem Rasen.

          In den nächsten Tagen, in denen wegen der Länderspiel-Termine keine Pflichtveranstaltungen für den Klub zu absolvieren sind, möchte Schaaf „bei uns ein paar Dinge überprüfen“. Dazu gehört auch die Beurteilung eines Trainingsgastes: Bis auf weiteres spielt Yusupha Yaffa bei der Eintracht vor. Die Transferrechte an dem Siebzehnjährigen, geboren in der Stadt Serekunda in Gambia, liegen noch beim AC Mailand. Doch die Italiener würden ihren Kader in der Winterpause gerne um den Junioren-Nationalspieler reduzieren – wobei die Frankfurter erstes Interesse signalisierten. Yaffa gilt als Mittelstürmer, der bei Bedarf auch auf den Außenpositionen des Mittelfelds eingesetzt werden kann. An Konkurrenz für Kadlec, dessen Vertrag noch bis 2017 läuft, mangelt es im Angriff der Eintracht so oder so auf absehbare Zeit nicht. Wie sehr sie auch sein Geschäft belebt, bleibt dabei die spannende Frage.

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