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Eintracht Frankfurt : Stress macht Spaß

Kopfsache: Carlos Zambrano (rechts), hier im Luftkampf mit dem Münchner Dante, sucht nach Stabilität. Bild: AFP

Carlos Zambrano hat mit der Eintracht in Europa viel vor. Der Innenverteidiger will sich gegen FK Qarabag Agdam einen Traum erfüllen. Der Gegner reist verspätet an.

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          Ausgerechnet er. Im Lager der Eintracht äußerte sich in den vergangenen Tagen keiner so optimistisch über die internationalen Perspektiven des Klubs wie Heribert Bruchhagen. Der Vorstandsvorsitzende, sonst eher die Zurückhaltung in Person, legte sich nach dem Ergebnis und den Eindrücken in Baku fest - und schuf entgegen seiner sonstigen Gewohnheit früh verbal Fakten: „Ich freue mich, dass wir die Gruppenphase erreicht haben“, sagte Bruchhagen nach dem 2:0 im Hinspiel gegen FK Qarabag Agdam und fügte im Brustton der Überzeugung hinzu: „Machen wir uns nichts vor: Da ist keine Gefahr mehr.“ An diesem Donnerstag (20.30 Uhr, live bei Kabel 1) kommt es in der heimischen WM-Arena vor rund 50000 Besuchern zum Rückspiel. Und in der Vorbereitung sind es zurückhaltendere Stimmen, die aus dem Mannschaftskreis nach außen dringen und vor verfrühter Hochstimmung warnen.

          Trainer Armin Veh gestattet erstmals in seiner Zeit in Frankfurt während der kompletten Woche Zaungästen keinen Zutritt zum Trainingsgelände, um im kleinen Kreis mit dem Team die Anspannung hoch zu halten und rief bereits mit eindringlichen Worten dazu auf, wie Ohrenzeugen zu berichten wussten, den bestenfalls zweitklassigen Gegner nicht zu unterschätzen. Innenverteidiger Carlos Zambrano sagte am Dienstag denn auch: „Ein 2:0 ist noch nichts, wir müssen aufpassen.“ Der Peruaner zeigte sich aber ebenfalls ausgesprochen zuversichtlich, dass die Eintracht die Play-off-Hürde der Europa-League-Qualifikation überspringen kann - weil sie die nötige spielerische Klasse dazu besitzt. „Wenn wir neunzig Minuten konzentriert sind, schaffen wir es.“ Es komme insbesondere darauf an, die Abwehrarbeit wieder ähnlich zuverlässig zu verrichten wie bei den beiden letzten Gelegenheiten. „Gegen Bayern war es ordentlich und gegen Braunschweig noch besser. So müssen wir weitermachen.“ Geht es nach ihm, am liebsten im 4-2-3-1-System, „denn wir sind es gewöhnt“. Wenn es dazu gelinge, „früh ein Tor zu erzielen, damit schnell Ruhe herrscht“, könne es ein denkwürdiger Abend für den Verein werden, der zuletzt vor sieben Jahren im Europapokal um den Einzug ins Achtelfinale wetteiferte. Die Mannschaft von FK Qarabag Agdam wird im übrigen erst an diesem Mittwoch in Frankfurt eintreffen - und sich so einen Tag weniger akklimatisieren können. Die ursprünglich für den späten Dienstagabend vorgesehene Landung des Teams wurde abgesagt, weil dem Luftfahrt-Bundesamt keine rechtzeitige Ankündigung für die Einreise des Privatjets vorlag.

          Verkürzte Sommerpause für den Südamerikaner

          Zambrano kann sich nicht hundertprozentig sicher sein, gegen die Aserbaidschaner von Beginn an dabei zu sein. In Braunschweig unterliefen ihm während der ersten Halbzeit mehrere Stellungsfehler und ungenaue Abspiele, die für Aufregung sorgten. In der Halbzeit kam er daraufhin auf Veh zu und bat um seine Auswechslung, weil ihm Kopfschmerzen zu schaffen machten. Der Trainer lobte ihn später für „diese professionelle Einstellung“. Mit Stellvertreter Marco Russ stand die Abwehr im Folgenden deutlich stabiler.

          Zambrano sagte, dass bei ihm körperlich mittlerweile „wieder alles in Ordnung“ sei. Seine bislang eher schwankenden Leistungen begründete der Südamerikaner mit einer verkürzten Sommerpause, in der er für sein Heimatland Länderspiele bestritt - und einem Mitte August unsinnig anmutenden Trip nach Seoul. In der asiatischen Metropole musste er auf Wunsch von Trainer Sergio Markarián auf der Tribüne live dabei sein, wie sich die Kollegen gegen die Auswahl Südkoreas zu einem 0:0 mühten. Bei Zambrano war von vornherein klar, dass er nicht auflaufen würde, weil er aufgrund einer Roten Karte für das nächste Pflichtspiel gesperrt ist. „20000 Kilometer in zwei Tagen“, sagte er im Rückblick, „waren nicht ohne.“ Die Reisestrapazen habe er nicht von heute auf morgen aus den Knochen bekommen, „das war schon ganz schön anstrengend“. Er wolle aber schon bald wieder zeigen, „dass ich der Mannschaft so helfen kann wie in der vergangenen Saison“. Auch weil er kommende Woche schon wieder in den Flieger steigen muss - dann stehen die Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiele gegen Venezuela und Uruguay an - versuche er momentan in jeder freien Minute die Beine hoch zu legen und abends bei Zeiten ins Bett zu kommen, „um gut zu regenerieren“. Sollten die Frankfurter gegen Qarabag weiterkommen, gehen die Englischen Wochen danach erst richtig los. Schon zwölf Stunden später würden sie wissen, wohin demnächst die Reisen gehen. Am Freitagmittag lost die Europäische Fußball-Union im Fürstentum Monaco die Gruppen aus. Das Fernsehen überträgt die Zeremonie live. Bis Weihnachten stehen in der Europa League dann sechs Partien an - davon drei auswärts. Zambrano sagte, ihm kämen die stressigen Zusatzschichten gelegen: „Ich kenne es so noch nicht“, meinte der 24 Jahre alte Profi, der zuvor beim FC St. Pauli unter Vertrag stand, „aber davon haben wir alle geträumt, deswegen wollen wir es jetzt auch erleben.“

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