https://www.faz.net/-gzg-8ae4j

Eintracht Frankfurt : „Mich muss keiner an die Hand nehmen“

Angeschlagen: Stefan Reinartz plagen ausgerechnet vor dem Wiedersehen mit den früheren Leverkusener Kollegen Knieprobleme. Bild: Jan Huebner

Anführer mit Anlaufschwierigkeiten: Stefan Reinartz über eigene Ansprüche und momentane Sorgen, das Krisenmanagement von Trainer Veh und den verwirrenden Weg der Eintracht.

          5 Min.

          Es ist eine sensible Woche. Nach den Terroranschlägen in Paris wurde das Länderspiel Deutschland gegen Holland aus Sicherheitsgründen abgesagt. Haben Sie Angst, wenn Sie am Samstag mit der Eintracht in Frankfurt auf Leverkusen treffen?

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Ein Stück weit sensibilisiert es mich schon im Hinblick auf zukünftige Planungen meines Urlaubs oder den Besuch eines Weihnachtsmarktes. Großversammlungen wie in einem Fußballstadion sind aktuell Ereignisse, bei denen man sich nicht total frei von den zurückliegenden Geschehnissen machen kann. Auf der anderen Seite finde ich es wichtig, dass gespielt wird. Es ist ja auch eine Form der Ablenkung. Und das gehört zu unseren Aufgaben in dieser Gesellschaft.

          Sind Sie als Fußballprofi bereit, ein persönliches Risiko einzugehen?

          Dann würden ja auch 50.000 Zuschauer ein Risiko eingehen. Von daher ist es mein Job, auf dem Rasen zu stehen oder auf der Bank zu sitzen.

          Wie würden Sie mit den Erlebnissen umgehen, wenn Sie bei der Nationalmannschaft dabei gewesen wären? Bleibt Ihren Kollegen genug Zeit, das Erlebte zu verarbeiten?

          Ich bin ein Kopfmensch. Deshalb würden mich die Vorfälle sicher beschäftigen.

          Zurück zum Tagesgeschäft. Wie wichtig ist es für Sie, gegen Ihre alten Kollegen aus Leverkusen von Beginn an zu spielen? Es ist ja das erste Mal, dass Sie Gegner von Bayer sind.

          Es wäre schon schön, weil es für mich ein besonderes Spiel ist. Es fühlt sich wie ein Klassentreffen an, bei dem man alte Freunde trifft. Aber es ist kein Wunschkonzert, sondern Leistungssport.

          Ihr Trainer Armin Veh sagte, dass Sie in den vergangenen Wochen ein bisschen von der Rolle gewesen seien. Wie vertraut ist Ihnen ein persönliches Leistungstief?

          Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich drei, vier Wochen nicht so gut gespielt habe. Ich hatte deshalb gehofft, dass ich es schaffe, auf jeden Fall möglichst konstant auf vernünftigem Niveau zu spielen. Insofern fand ich es auch unschön, dass es gerade bei meinem neuen Verein relativ zeitig ein kleines Tief gab.

          Lag es an Ihnen oder auch an der Mannschaft?

          Als Erstes schaue ich auf mich. Aber klar könnte man viele Faktoren anführen. Spieler bei Bayern München haben keine oder nur sehr selten Formkrisen. Dort sind die Spieler besser. Die Mannschaft ist so eingespielt und stellt ein funktionierendes System dar, dass die Spieler nicht dazu verleitet werden, viele Fehler zu machen. Alle anderen Mannschaften – vielleicht ein Stück weit mit Ausnahme von Borussia Dortmund – haben das Spiel nicht so unter Kontrolle, dass sie immer bestimmen können, wie es läuft. Wenn wir nach Aue fahren oder zu Hause gegen Gladbach spielen, dann sind das Spiele, die wir nicht vollständig unter Kontrolle haben. Wir kommen in Situationen, in denen wir Fehler machen. Und bei zu vielen Fehlern hast du schnell ein paar schlechte Spiele gemacht.

          Hat Veh mit Ihnen gesprochen?

          Ja, es gab einen Austausch. Aber nichts wahnsinnig Spektakuläres. Er hat mir ein bisschen Mut zugesprochen. Er hat es schon öfters miterlebt, dass ein Spieler mal durchhängt.

          Wie gehen Sie mit der Situation um?

          Ich denke automatisch über solche Sachen viel nach. In meinem Fall aber wäre es sicher am besten, weniger darüber nachzudenken. Das zurückliegende Spiel gegen Hoffenheim war schon deutlich besser von mir und der Mannschaft. Ich hoffe, dass es jetzt wieder ein Stück weit bergauf geht.

          Veh hat Slobodan Medojevic, Ihren Konkurrenten im defensiven Mittelfeld, gelobt. An ihm führe aktuell kein Weg vorbei. Hätten Sie sich mehr Geduld von Veh erhofft, was Ihre Person angeht?

          Der Stuttgarter Trainer Alexander Zorniger hat mal gesagt, dass der Trainer kein Kindergärtner sei. Zumindest für uns Profis ist das hier keine Spaßveranstaltung. Deshalb ist es auch ein großes Märchen, wenn es heißt, der Trainer würde auf bestimmte Spieler stehen. Der Trainer ist dafür angestellt, die bestmögliche Mannschaft mit der bestmöglichen Leistung auf den Platz zu schicken. Daran wird er gemessen. In Leverkusen bin ich mal gefragt worden, ob Trainer Roger Schmidt auf mich als Spieler nicht so stehen würde. Meine Antwort war: Der Trainer steht auf Spieler, die in seinem System sehr gute Leistungen bringen. Er steht auf Leistung – fertig.

          Aber muss ein Trainer nicht manchmal mit einem Spieler durch ein Loch gehen?

          Natürlich kann es sein, dass ein Trainer sagt, ich ziehe einen Spieler noch mal zwei Wochen mit durch, weil er ihm mittelfristig weiterhelfen könnte. Ich werde es überleben, wenn ich auf der Bank sitze. Und danach hoffentlich wieder gute Leistungen bringen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gleichberechtigung ist das A und O ihrer Partnerschaft und Ehe: Britta Ernst und Olaf Scholz

          Britta Ernst im Porträt : Auf Augenhöhe mit Olaf Scholz

          Seit langem sind sie ein Paar: Olaf Scholz und Britta Ernst. In der SPD hat die Ehefrau des Kanzlers eine eigene erfolgreiche Karriere gemacht. Eine First Lady will die Bildungsministerin von Brandenburg nicht sein.