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Eintracht-Spieler Luka Jovic : Shootingstar

  • -Aktualisiert am

Stets zu Diensten: Sébastien Haller (rechts) gibt symbolisch den Schuhputzer für Luka Jovic. Bild: SvenSimon

Luka Jovic ist bei der Eintracht derart gereift, dass er bei anderen Klubs Begehrlichkeiten wecken könnte – vor allem, wenn er weiter trifft.

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          Jovic! Jovic! Jovic! Jovic! Jovic! Die fünf Volltreffer gegen Fortuna Düsseldorf haben den Stürmer der Frankfurter Eintracht in die Schlagzeilen katapultiert. Was auch sonst? So oft kommen Beutezüge eines Torjägers wie der des jungen Serben in der Fußball-Bundesliga nicht vor. In 55 Jahren genau 17 mal. Und einer, Dieter Müller, am Freitag Tribünengast in der Frankfurter Arena, schaffte für den 1. FC Köln sogar sechs auf einen Streich. Jovic befindet sich in bester Gesellschaft. Dem Vater aller Torjäger, Gerd Müller, gelang das Kunststück als einzigem mehrmals – genau dreimal. Ansonsten tauchen in der Liste Namen wie Jürgen Klinsmann, Jupp Heynckes und Robert Lewandowski auf, der am 22. September 2015 gegen den VfL Wolfsburg genau neun Minuten benötigte, um sein fünfteiliges Werk zu vollenden.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In der Torjäger-Statistik finden sich aber auch Namen, die in ihrer Zeit zwar einen guten Ruf hatten, aber heute in Vergessenheit geraten sind. Der Schalker Klaus Scheer, der Lauterer Frank Hartmann, der Düsseldorfer Attli Edvaldsson, nur um einige zu nennen. Mittlerweile ist es für Torjäger schwerer geworden, mehrmals zuzuschlagen. Vor Lewandowski war der mittlerweile verstorbene Duisburger Michael Tönnies der Letzte, der es auf fünf Tore in einem Spiel brachte, am 27. August 1991 war das. In den sechziger Jahren gab es drei Fünffach-Schützen, in den Siebzigern sechs und in den Achtzigern fünf.

          Ungewöhnliche Fähigkeiten

          Ob Jovic eine Bundesligagröße mit Sternstunde wird wie Rudi Brunnenmeier, Manfred Burgsmüller, Dieter Hoeneß und Franz Brungs oder Karl-Heinz Thielen oder ein Weltstar wie Gerd Müller und Jürgen Klinsmann, ist eine Frage, auf die vor dem vergangenen Freitag niemand gekommen wäre. Über die ungewöhnlichen Fähigkeiten des jungen Serben munkelten die Kollegen zwar schon länger. „Unglaubliche Sachen“ könne Jovic mit dem Ball anstellen, hieß es immer wieder auf dem Trainingsplatz. Aber auf dem Spielfeld war davon zunächst fast nichts und dann in homöopathischen Dosen zu erkennen. Was daran lag, dass Jovic im Sommer 2017 nicht austrainiert in Frankfurt ankam und kaum eingesetzt wurde.

          In seinen zwei Jahren bei Benfica Lissabon hatte die Form gelitten. Als Riesentalent für fünf Millionen Euro von Roter Stern Belgrad verpflichtet, verkümmerte der Serbe in Portugal. Der Trainer mochte ihn nicht, die Mannschaft integrierte ihn nicht, Jovic ließ sich hängen. Noch nicht einmal in der zweiten Mannschaft bekam er einen Stammplatz. Des Stürmers Berater informierte die Eintracht über die unglücklichen Arbeitsverhältnisse seines Klienten. Das Interesse der Frankfurter war sofort geweckt, denn Jovic wurde in ihren Listen als einer der torgefährlichsten Teenager des europäischen Kontinents geführt. Es war gar nicht so kompliziert, eine Einigung herbeizuführen, nachdem der damalige Trainer Niko Kovac sich einen (sehr positiven) Eindruck vom Serben gemacht hatte. Ein Leihvertrag über zwei Jahre mit einer Kaufoption wurde vereinbart. Die Konditionen? Die jährliche Leihgebühr mit 100.000 Euro sehr moderat, die Ablösesumme (um die sieben Millionen Euro) im Juni 2017 ziemlich saftig erscheinend.

          Ein Superschnäppchen

          So schnell ändern sich die Zeiten. Seit Freitagabend gilt der Betrag als Superschnäppchen, aber schon im vergangenen Frühjahr hatte Sportvorstand Fredi Bobic angekündigt, die Option zu ziehen. Denn kaum hatte sich Jovic die körperliche Verfassung erarbeitet, die nötig ist, um in der Bundesliga erfolgreich zu sein, begann er zuverlässig Tore zu schießen. Acht in der Bundesliga, alle 115 Spielminuten eines, und ein Tor im DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke.

          Sportdirektor Bruno Hübner bestätigte am Montag, dass die Eintracht Jovic fest verpflichten werde, es aber noch nicht getan habe. „Es besteht noch keine Veranlassung.“ Der Vertrag sei sattelfest, der späteste Termin, die Option zu ziehen, liegt noch weit in der Zukunft. Doch sollte Jovic weiter für solche Schlagzeilen sorgen, dann könnte bald Druck entstehen. Spieler, die deutlich unter ihrem Leistungsvermögen entlohnt werden, sind sehr empfänglich für Angebote anderer Klubs – auch wenn die Rechtslage einen Wechsel ausschließt.

          Aber das ist Zukunftsmusik. Im Moment zeigt sich Jovic demütig, lobt Trainer Kovac, der ihn zu einem echten Profi gemacht habe, und vergisst auch nicht, seine Mitspieler zu erwähnen, die ihn mit Vorlagen füttern. Vor allem von Sebastièn Haller profitiert der junge Serbe. Der 24 Jahre alte Sturmpartner aus Frankreich liefert ihm nicht nur viele Zuspiele, er verschafft Jovic auch die Zeit und den Raum, um sich richtig im Strafraum zu positionieren. Haller ist die erste Anspielstation in der gegnerischen Hälfte, der sogenannte Zielspieler, der den Ball annimmt, behauptet und verteilt. Gerade seine Kopfballstärke beschert der Eintracht viel Ballbesitz im und vor dem gegnerischen Strafraum.

          In der vergangenen Saison, als Kovac ihn meist als einsame Spitze aufbot, verzweifelte Haller manchmal an der undankbaren Aufgabe, ohne Nebenmann irgendetwas gegen zwei Innenverteidiger mit dem weit nach vorne geschlagenen Ball anzufangen. Jetzt, mit Jovic in seiner Nähe, der gegnerische Kräfte bindet, und mit einer gepflegteren Spielweise im Mittelfeld, ist Haller aufgeblüht. Fünf Treffer und sechs Torvorlagen machen ihn nach acht Spieltagen zum besten Scorer der Bundesliga. Zusammen mit Ante Rebic, Filip Kostic und Mijat Gacinovic verfügt die Eintracht derzeit über eine Offensivabteilung wie zuletzt in den neunziger Jahren mit Anthony Yeboah, Uwe Bein, Mauricio Gaudino und Jay-Jay Okocha. Yeboah war übrigens gemeinsam mit Rüdiger Wenzel bis Freitag auch Eintracht-Rekordschütze. Der Ghanaer und der Norddeutsche erzielten jeweils vier Tore in einem Spiel. Nun sind die alten glorreichen Zeiten zurück.

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