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Eintracht-Spieler Dominik Kohr : Der Schattenmann

Optimist: Dominik Kohr erwartet einen Frankfurter Erfolg gegen Leverkusen. Bild: Jan Huebner

Dominik Kohr fühlt sich bei Eintracht Frankfurt gut angekommen. Beim Wiedersehen mit der Werkself setzt er auf Sieg: „Wir wollen oben dranbleiben.“

          3 Min.

          Es kann ungemütlich werden. Am Montag, als sich der Spätsommer noch einmal ins Zeug legte, waren an der WM-Arena fleißige Helfer beschäftigt, um Bäume zu stutzen, denen die Trockenheit der zurückliegenden Monate zugesetzt hatte und deren Äste bei kommenden Herbststürmen eine Gefahr für Stadionbesucher dargestellt hätten. Das Dröhnen der Motorsägen wurde vom Wind über den Trainingsplatz der Eintracht getragen, auf dem Adi Hütter mit seinem Team in die Vorbereitung auf das letzte Viertel eines abwechslungsreichen Fußballjahres einstieg, in dem es auch darauf ankommen wird, sich sportlich von der wetterfesten Seite zu präsentieren. Von nun an geht es Schlag auf Schlag: In den verbleibenden zehn Wochen bis zu den Weihnachtsferien müssen die Frankfurter 15 Partien absolvieren.

          Gleich zum Auftakt dieser Prüfung steht dem Bundesliga-Neunten eine „Standortbestimmung“ bevor, wie es Dominik Kohr nannte. An diesem Freitag kommt es vor eigenem Publikum zum Aufeinandertreffen mit Bayer Leverkusen. Der Klub ist Kohr bestens vertraut: „Da können wir uns beweisen. Mit einem Sieg ziehen wir in der Tabelle an ihnen vorbei.“ Bis zu seinem Wechsel an den Main vor einem Vierteljahr trug er aufs Neue für zwei Runden und in 57 Einsätzen das Trikot der Werkself, bei der 2008 auch seine Profikarriere ins Laufen kam, ehe sich in der vergangenen Rückrunde unter Chefcoach Peter Bosz abzeichnete, dass seine Dienste im defensiven Mittelfeld fortan nicht mehr sonderlich gefragt sein würden. Für den 25-Jährigen, der zwischen 2014 und 2017 beim FC Augsburg zu einem formidablen Zweikämpfer und Ball-Eroberer herangereift war, griff die Eintracht für ihre Verhältnisse tief in die Tasche: 8,5 Millionen Euro an Ablöse war sie zu zahlen bereit, um mit Kohr einen Mann für die Sechser-Position zu verpflichten, vom dem sich Hütter mehr Flexibilität im Einleiten der Offensivaktionen und beim geordneten Rückzug versprach. Die Eindrücke, die Kohr bislang hinterließ, sind nicht von gleichbleibender Aussagekraft. Sechsmal war er bislang in der Liga erste Wahl, wobei er lediglich bei der Niederlage in Leipzig (1:2) nicht aus- oder eingewechselt wurde; beim Fehlschlag zum Start in die Europa-League-Kampagne gegen Arsenal (0:3) sah er zudem die Gelb-Rote Karte, während er sich zuvor in der Qualifikation in Vaduz (5:0) mit einem sehenswerte Schuss aus der Distanz in die Liste der Torschützen eintrug. Kohr wählte den gleichen Begriff, wie es sein Kollege Gonçalo Paciência tags zuvor im Gespräch mit dieser Zeitung getan hatte (F.A.Z. vom 14. Oktober), um seinen Status quo bei der Eintracht zu beschreiben: „Ich fühle mich pudelwohl.“ Er sei gekommen, „um so viele Spiele wie möglich zu machen“, und bei diesem Ansinnen sei er, der sich bis Mitte 2024 an die Hessen band, auf einem guten Weg. Das Wiedersehen mit den früheren Weggefährten betrachtet er nun als „emotionale“ Angelegenheit. Hinterher werde er versuchen, sich mit den Bayer-Spielern auszutauschen, vor allem den Kontakt mit Keeper Lukas Hradecky, den ehemaligen Frankfurter Publikumsliebling, hat er als bereichernd in Erinnerung. Der Finne hatte ihm den Spitznamen „Krieger“ verpasst – was auch mit dessen Selbstbewusstsein zu tun hat. Der gebürtige Trierer lieferte davon eine Kostprobe, als er im Brustton der Überzeugung auf „ein 2:0 für uns“ tippte: „Wir wollen oben dranbleiben.“

          Trainer Hütter hat das letzte Wort

          Kohr bezeichnete Leverkusen als „Ballbesitzmannschaft, gegen die wir viel laufen werden“. Mit einer „aggressiven Spielweise“ sei diesem Gegner beizukommen, vor allem Jungnationalspieler Kai Havertz, den er als „Ausnahmetalent“ beschrieb, dem „alle Türen offen stehen“, behage es nicht, wenn er auf Schritt und Tritt den Atem eines Bewachers spüre. „Man muss ihm auf den Füßen stehen“, sagte Kohr, „damit er die Räume, die er sucht, nicht findet.“ Er selbst würde den Job als Schattenmann gerne übernehmen, fügte aber sogleich an, dass Hütter in dieser Sache selbstredend das letzte Wort habe. Zur Auswahl stehen neben ihm momentan außerdem Gelson Fernandes, Djibril Sow und Sebastian Rode. Lucas Torró und Jonathan de Guzman können aus Verletzungsgründen nur individuelle Einheiten absolvieren.

          Das galt zuletzt auch für Bas Dost. Für den niederländischen Stürmer, der nach dem erfolgreichen Europapokal-Match in Guimaraes (1:0) über Muskelbeschwerden klagte, stand deshalb am Montag noch ein Test mit einem Fitnesscoach auf dem Plan. „Wenn er diese Belastung ohne Probleme verkraftet, wird er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen“, sagte Hütter, der anschließend nach Wien aufbrach. In der Hauptstadt seines Heimatlandes wurde ihm von der österreichischen „Vereinigung der Fußballer“ der Bruno-Pezzey-Award als „Trainerpersönlichkeit des Jahres“ verliehen. Auch Martin Hinteregger, der vom Nationalteam kam, erhielt bei der Gala eine Auszeichnung: Für ihn sprang der Titel als „Legionär des Jahres“ raus.

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