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Eintracht Frankfurt : Zwischen Grinsen und Grätschen

Wieder im Duell Mann gegen Mann: Eintracht-Profi Kittel (rechts) und Mitspieler Aigner Bild: Jan Huebner

Sonny Kittel ist froh, wieder im Training der Eintracht zu sein. Um seinen Kreuzbandriss endgültig aus dem Kopf zu bekommen, wünscht er sich eine harte Gangart seiner Kollegen.

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          Endlich wieder mittendrin. Sonny Kittel kann sein Glück kaum fassen. Seitdem er in dieser Woche voll in das Mannschaftstraining integriert ist, hat das Selbstbewusstsein des Eintracht-Profis einen nochmaligen Schub erhalten. Schon die Zeit in der Reha war wunschgemäß und nach Plan verlaufen und hatte Kittel optimistisch gestimmt. Doch jetzt, da der 22 Jahre alte Frankfurter Fußballspieler wieder gemeinsame Sache mit den Kollegen machen darf, scheint seine schlimme Verletzung vollends vergessen zu sein. Zugleich hat sich wieder einmal bestätigt, dass es wirklich sechs Monate braucht, um nach einem Kreuzbandriss vollends genesen zu sein.

          Geschehen war das jüngste Unglück in der an Unglücken reichen Karriere des Blondschopfs Kittel am 2. Mai in Bremen. Die Partie der Eintracht beim SV Werder war gerade eine Viertelstunde alt, als Kittel sich ohne Einwirkung des Gegners das Knie verdrehte. Nach einer Kernspintomographie wurde die Befürchtung bestätigt: Kreuzbandriss im linken Knie. Wieder einmal, denn mit Kreuzbandrissen und Knorpelschäden kennt sich der talentierte Profi aus.

          Wieder Spaß am Fußball

          Vor dem Tiefschlag an der Weser war stets Kittels rechtes Knie betroffen. Am 19. April 2011, ein paar Tage nur nach einem starken Spiel des damals 18-Jährigen – zufälligerweise auch gegen Bremen –, riss zum ersten Mal das Kreuzband rechts. Zwei Jahre später, im April 2013, zog sich Kittel einen Knorpelschaden im gleichen Knie zu; im Februar 2014, nach einem umstrittenen Kick in der Halle, folgte der nächste Knorpelschaden – wieder im rechten Knie. Und wieder eine mehrmonatige Pause. Die letzte Auszeit „nach der hoffentlich letzten Verletzung meiner Laufbahn“ ist beendet. Mit eiserner Disziplin hat Kittel akribisch im vergangenen halben Jahr an seinem Comeback gearbeitet.

          Als er am Mittwoch gefragt wurde, ob es nun das Ziel sei, zum Rückrundenstart im Kader der Eintracht zu sein, antwortete er ohne große Überlegung: „Im Fußball kann es auch ganz schnell gehen, wenn der Trainer sieht, dass ich der Mannschaft helfen kann.“ Spielverständnis, Bewegungsabläufe, Torschüsse – wer Kittel in diesen Tagen auf dem Übungsplatz an der Frankfurter Arena beobachtet, kann feststellen, dass der offensive Mittelfeldspieler nichts verlernt hat. Natürlich braucht es noch eine gewisse Zeit, bis sich alles harmonisch aufeinander eingespielt hat. „Auch dass es ab und zu mal zwickt, ist normal“, sagte er. „Der Körper reagiert auf die Belastung.“ Doch grundsätzlich sieht Kittel keine Probleme. „Ich hänge mich voll rein. Ich denke positiv und schaue nur nach vorne. Es macht mir unglaublich Spaß, dass ich jetzt wieder jeden Tag Fußball spielen darf.“

          Schon am 30. September, als Kittel zum ersten Mal überhaupt nach dem im Mai erlittenen Kreuzbandriss für ein paar Minuten beim Mannschaftstraining vorbeischaute und abseits der Kollegen mit einem breiten Grinsen im Gesicht laufend einige Runden absolvierte, sprach er von einem „tollen Gefühl, dass ich den Fußball wieder gespürt habe. Das macht schon Spaß.“

          Kittel möchte von den Kollegen nicht geschont werden

          Der Spaß von einst ist geblieben – und ist aktuell noch größer geworden. Und der Mut auch. Kittel weiß, dass er bei der Ausübung seines spielerischen Berufs immer wieder attackiert werden wird, was zugleich bedeutet, dass er frei von Ängsten sein muss. Seine Empfehlung für eine sorgenfreie Zukunft: „Vielleicht brauche ich im Training einfach ein paar Grätschen meiner Mitspieler, um die schlimme Verletzung endgültig aus dem Kopf zu kriegen.“

          Vielleicht trägt aber auch freundlicher Beifall dazu bei, die Integration schnell voranzutreiben. Am Mittwoch war aber nicht Kittel der Adressat der Aufmunterung, sondern Timothy Chandler. Nachdem der Amerikaner im Trainingsspiel aus knapp 25 Metern Maß nahm und den Ball in den rechten Torwinkel zirkelte, forderte Eintracht-Trainer Armin Veh seine Spieler auf, Beifall zu klatschen. Es war die herausragendste Begebenheit eines Trainingstages, dem sich weitere ohne große sportliche Not anfügen werden. Weil die Nationalmannschaft im Einsatz ist, ruht in der Bundesliga der Betrieb. Zeit für Veh, um seine Mannschaft bis zum 21. November für das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen zu präparieren.

          Zeit auch für Kittel, um weiter Fuß zu fassen, über Grätschen der Mitspieler zu springen – und darauf zu hoffen, dass der Trainer weitere Fortschritte sieht. Kittels grundsätzliches Plus: Er kann für belebende Momente auf dem linken offensiven Außenposten sorgen. Genau dort also, wo die Probleme der Eintracht am größten sind.

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