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Eintracht Frankfurt : Im Rampenlicht

Auf der Suche nach einer tragenden Rolle: Eintracht-Verteidger Simon Falette strebt im Bundesligageschäft mehr Einsatzzeiten an. Bild: Jan Huebner

Dass Eintracht Frankfurt nach elf Spielen auf Platz vier steht, weckt Begehrlichkeiten. Trainer Hütter rückt in den Fokus, Verteidiger Falette debütiert in Guinea.

          Von wegen verflixte Dreizehn. Der Frankfurter Eintracht bekommt es seit Wochen ausgesprochen gut, dass sie sportlich von einem Trainer angeleitet wird, der als eben 13. österreichischer Fußballlehrer aus der Alpenrepublik kommt, um in der Bundesliga sein Glück zu suchen. Adi Hütter hat es gefunden, denn dass seine Mannschaft nach elf Spieltagen mit 20 Punkten auf Tabellenposition vier steht, hätten selbst kühnste Optimisten nicht für möglich gehalten. Erfolge wecken Begehrlichkeiten, und so ist es nicht über die Maßen überraschend, dass sich am Mittwoch ein Fernsehteam des ZDF beim Eintracht-Training umgeschaut hat.

          Für die Crew war es die letzte öffentliche Möglichkeit, um noch vor dem Samstag filmische Impressionen von Frankfurter Übungseinheiten einzufangen. An diesem Donnerstag wird der 48 Jahre alte Fußballlehrer hinter verschlossenen Türen seine Arbeit forcieren und weiter Witterung für eines der anspruchsvollsten Saisonspiele aufnehmen. Am Samstagnachmittag muss sich die in Augsburg immer noch sieglose Eintracht beim FCA behaupten, am Abend gibt Hütter als Gast im Aktuellen Sportstudio sein Debüt auf dem Mainzer Lerchenberg. Als erster Eintracht-Trainer, dem es tatsächlich gelingt, ein Bundesligaspiel bei den heimstarken Fuggerstädtern zu gewinnen?

          Nur zum Teil gelohnt

          In der Vorbereitung auf das Duell mit den bayerischen Schwaben hat Hütter improvisieren müssen. Wegen der Abstellungen diverser Länderspieler standen dem Vorarlberger in den vergangenen punktspielfreien Tagen nicht immer alle Profis zur Verfügung. So erreichten beispielsweise die beiden Serben Luka Jovic und Mijat Gacinovic erst im Laufe des Mittwochs ihren Arbeitsplatz in Frankfurt. Für Gacinovic hat sich der Ausflug zum Nationalteam nur zum Teil gelohnt. Beim 2:1 der Serben gegen Montenegro war der offensive Mittelfeldspieler 71 Minuten am Ball, ehe er ausgewechselt wurde. Beim 4:1 gegen Litauen durfte er sich lediglich eine Halbzeit lang empfehlen. Jovic sammelte insgesamt sogar nur sieben Minuten Einsatzzeit. Viel Aufwand, wenig Ertrag.

          Gegen Litauen kam der aktuell beste Torschütze der Bundesliga überhaupt nicht dazu, seinen Trainer Mladen Krstajic von seinem großen Können zu überzeugen. In Frankfurt wissen sie, was sie an Jovic haben. Und Eintracht-Coach Hütter, empfänglich für aktuelle Strömungen und Entwicklungen, hat schnell erkannt, dass er sehr wohl von seinem bevorzugten Angriffssystem mit zwei Stürmern abweichen kann. Zweimal schon durften sich in der Bundesliga Ante Rebic, Sebastien Haller und eben Jovic nach Herzenslust austauschen. Zweimal gipfelte diese ungezügelte Angriffslust in zwei beeindruckenden Siegen. 3:0 in Stuttgart, 3:0 gegen Schalke – im Dreierpack ist die Eintracht-Offensive eine Wucht.

          In bewährte Blöcke einbrechen

          Vorne läuft es bei den Frankfurtern prächtig – und weil auch hinten die Defensive um den überragenden Makoto Hasebe verlässlich funktioniert, haben es aufbegehrende Spieler schwer, in bewährte Blöcke einzubrechen. Einer, der sich mehr Einsatzzeiten ausgerechnet hat, ist Simon Falette. Um zumindest international regelmäßig präsent zu sein, hat sich der 26 Jahre alte Franzose dazu entschlossen, für das Land seiner Familienmitglieder am Ball zu sein. In Guinea, für das Falette jetzt erstmals im Einsatz war. Das 1:1 gegen die Elfenbeinküste bedeutete zugleich die Qualifikation für den Afrika-Cup. „Es gibt Wurzeln von meinem Opa in Guinea“, sagte Falette am Mittwoch nach der Übungseinheit am Vormittag. „Seit einigen Jahren schon sind wir in Gesprächen, ob ich für Guinea oder für Französisch-Guayana spielen soll“, erklärte Falette.

          Sein Vater Albert war früher ebenfalls wie Sohn Simon Fußballprofi und stammt aus Französisch-Guayana. Letztlich war es eine Bauchentscheidung, die den Ausschlag gab. „Gegen die meisten meiner neuen Nationalmannschaftskameraden habe ich schon in Frankreich gespielt“, gab Falette als einen Grund für seinen Entschluss an. „Ich kenne sie schon länger.“ Neu war für den Innenverteidiger der Eintracht, der im Kerngeschäft Bundesliga erst ein einziges Punktspiel in dieser Saison (auswärts beim 1:3 in Dortmund) bestreiten durfte, der erstmalige Aufenthalt in Guineas Hauptstadt Conakry. „Es war sehr heiß dort“, sagte Falette. „Wir haben Fußball bei über 35 Grad gespielt.“

          Immerhin – Falette hat gespielt. Anders als bei der Eintracht, „wo ich mit den Einsatzzeiten natürlich nicht zufrieden bin“. Auch deshalb will er sich für die noch ausstehenden sechs Hinrundenbegegnungen weiter „anbieten und dafür hart an mir arbeiten. Ich lasse nicht locker, denn mir gefällt es in Frankfurt.“ Seinem Trainer Hütter behagt es gleichfalls.

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