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Eintracht Frankfurt : Ein Versprechen auf mehr

Auch gegen Köln kaum zu stoppen: Seferovic (rechts) freut sich mit dem Eintracht-Doppeltorschützen Castaignos. Bild: Wonge Bergmann

So gut wie alles hat beim Heimsieg gegen den 1. FC Köln gepasst. Die Eintracht scheint mit Castaignos einen guten Fang gemacht zu haben. Oder ist die Hoffnung vorschnell?

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          Tore im Viertelstundentakt. So gut wie alles passte, als sich die Eintracht bei ihrem furiosen 6:2-Heimsieg gegen den 1. FC Köln in der ersten halben Stunde in eine Art Rausch spielte. Nicht nur Rückkehrer Alexander Meier, der spätere dreifache Torschütze, verzückte das Publikum. Auch Luc Castaignos machte die Frankfurter glücklich. Nach 15 Minuten schlug der flinke Holländer das erste Mal zu. Weitere 15 Minuten später ließ der stürmische Angreifer Treffer Nummer zwei folgen – sein viertes Saisontor im vierten Spiel. Das ist eine stattliche Ausbeute, die ein erstes Zwischenresümee zulässt: Die Eintracht hat mit Castaignos augenscheinlich einen guten Fang gemacht.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Doch Vorsicht. In der jüngeren Vergangenheit gab es schon so manch anderen Stürmer, von dem sie bei der Eintracht glaubten, er könne die Mannschaft auf eine neue Entwicklungsstufe heben. Doch in den seltensten Fällen wurden die Offensivkräfte ihren Erwartungen gerecht. Man denke nur an Rob Friend oder Srdjan Lakic, Jan Rosenthal oder Olivier Occean. Und dann gibt es auch noch die beiden Tschechen Martin Fenin und Vaclav Kadlec. Der eine, vor siebeneinhalb Jahren furios mit drei Toren beim 3:0-Auswärtssieg in Berlin gestartet, schaffte es in der Folge nicht mehr, an diese Leistung anzuknüpfen. Und auch der gleichfalls mit großen Ambitionen nach Deutschland gekommene und noch immer bei der Eintracht unter Vertrag stehende Kadlec hat den angestrebten Durchbruch nicht geschafft.

          Vieles spricht für guten Einkauf

          Nun also Castaignos? Heribert Bruchhagen, ein zur Vorsicht neigender Fußball-Fachmann, hat sich nach dem 6:2 gegen Köln positiv über den Holländer geäußert. „Es spricht vieles dafür, dass wir einen guten Einkauf getätigt haben“, sagte der Vorstandschef. „Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir für ihn 2,5 Millionen Euro gezahlt haben.“

          Maßgeblich eingefädelt wurde der Transfer des 22 Jahre alten Castaignos von Bruno Hübner. Der Frankfurter Sportdirektor, seit 2011 bei der Eintracht aktiv, hat in seiner bisherigen Amtszeit annähernd hundert Transfergeschäfte getätigt. Manche mehr, manche weniger erfolgreich. Seine bei Vertragsabschluss am 30. Juni gemachte Aussage scheint sich im Fall des mit einem Vierjahresvertrag ausgestatteten Holländers tatsächlich zu bewahrheiten. „Luc ist trotz seines jungen Alters schon sehr erfahren und effizient.“ Tatsächlich genügten ihm bei der Gala gegen Köln zwei exzellente Vorbereitungen, um ohne Schnörkel kompromisslos zu vollenden und die in Stuttgart gestartete persönliche Tor-Kampagne von zwei auf vier zu erhöhen.

          Alles richtig gemacht

          Castaignos bringt vieles von dem mit, was in der Bundesliga gefordert ist. Er ist schnell, trickreich und durchsetzungsfähig. Gerade seine körperliche Robustheit, keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen, macht ihn an der Seite von Sturmpartner Haris Seferovic so wertvoll für die Eintracht. Obwohl es im System von Armin Veh eigentlich keine „gesetzten“ Spieler gibt, wie der Trainer immer wieder behauptet, kann sich Castaignos zugutehalten, sich bislang unentbehrlich gemacht zu haben. „Haris und Luc, die passen zusammen“, sagte Veh. Ein stürmisches Duo, aus dem dank Vehs Offensivmut ein Trio geworden ist. Denn hinter den beiden Spitzen sorgte vor allem Rückkehrer und Kapitän Meier für die weiteren Knalleffekte gegen Köln.

          Von Castaignos’ Karrieredelle spricht in diesen Tagen kaum jemand. Bei Inter Mailand nämlich konnte sich der zuletzt bei Twente Enschede aktive Stürmer nicht durchsetzen. Dabei war sein Empfehlungsschreiben für die Reise über den Brenner nicht schlecht. In insgesamt 131 Ligaspielen für Feyenoord Rotterdam und Enschede waren Castaignos 52 Tore gelungen. Als der flinke Holländer seine ersten beiden Bundesligatore für die Eintracht beim 4:1 in Stuttgart erzielte, sagte Trainer Veh: „Luc weiß noch gar nicht, welches Potential in ihm steckt.“ Anscheinend doch. Denn weitere Belege für sein großes Leistungsvermögen lieferte Castaignos nun gegen Köln. Vier Spiele, vier Tore: Die Eintracht hat mit der Verpflichtung von Castaignos vieles richtig gemacht und ihre stürmischen Qualitäten auf ein höheres Niveau gebracht.

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