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Eintracht Frankfurt : Sieg über den Schweinehund

Heißt nicht nur so ähnlich: Dejan Joveljic erinnert in seiner Spielweise stark an Luka Jovic. Bild: Jan Huebner

Die Eintracht bezieht nach dem 2:1 in Tallinn ihr Trainingslager in Oberösterreich. Nach dem Auftritt ist sicher: Frankfurt hat, so sagt es auch Coach Hütter, „Luft nach oben“.

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          Von überschäumender Freude konnte keine Rede sein. Doch ein Gefühl von Zufriedenheit, in das sich eine Spur Erleichterung mischte, machte sich schon breit. Es hätte schließlich schlimmer kommen können. So aber glückte der Auftakt in ein Pflichtprogramm, das es in sich haben wird, wenn die kommenden Wochen bis Ende August sportlich so laufen, wie es sich die Verantwortlichen der Eintracht erhoffen: Mit dem 2:1-Sieg beim FC Flora Tallinn wurde eine solide Grundlage gelegt, um im Rückspiel der zweiten Qualifikationsrunde am kommenden Donnerstag vor eigenem Publikum weiterzukommen. Erreichen Trainer Adi Hütter und die Spieler ihr vorläufiges Ziel, die Gruppenphase der Europa League, werden sie bis zur ersten Länderspielpause Anfang September zehn Spiele zu absolvieren haben; bis Weihnachten könnten es – zwei Erfolge im DFB-Pokal vorausgesetzt – gar 31 Partien werden.

          Um sich auf diese Herausforderung an Körper und Geist, die Grundlage aller aktuellen Planungen ist, so gut es eben geht vorzubereiten, reiste der Eintracht-Tross aus dem Baltikum direkt weiter nach Oberösterreich, wo er nach vierjähriger Unterbrechung ein in der Vergangenheit lieb gewonnenes Quartier bezog. „Noch haben wir Luft nach oben, stehen bei vielleicht 75 oder 80 Prozent“, sagte Hütter, was seine Spieler als Hinweis verstehen dürfen, dass sie eher seltener dazu kommen werden, die Idylle ihres Quartiers in den Bergen zu genießen. Dass sie zuletzt einen Bogen um die Herberge der Spitzenklasse im Luftkurort Windischgarsten machen mussten, in der bis drei Stunden vor ihrem Eintreffen am Freitag die TSG Hoffenheim logierte, hatten die Frankfurter einem rabiaten Teil ihres Anhangs zu verdanken.

          „Es sieht gut aus“

          Ausschreitungen von Randalierern überschatteten im Juni 2015 ein vermeintliches „Freundschaftsspiel“ mit Leeds United auf einem Dorfsportplatz bei Salzburg, woraufhin der Österreichische Fußball-Bund den Klub mit einer „Testspiel-Sperre“ belegte und die Hessen notgedrungen nach Südtirol auswichen. Am Rande des Nationalparks Kalkalpen ist auch die Gruppe der Profis dabei, die Hütter nicht mit auf den Trip nach Tallinn nahm; darunter Marc Stendera, Jetro Willems oder Nicolai Müller, von denen sich die Eintracht gerne trennen würde, um ihr Gehalt einzusparen und dann die freigewordenen Mittel anderweitig zu investieren. Den Äußerungen von Sportvorstand Fredi Bobic zufolge stehen die Verhandlungen mit Borussia Dortmund über einen Wechsel von Sebastian Rode an den Main unmittelbar vor dem Abschluss. „Es sieht gut aus“, sagte der 47-Jährige und berichtete von „vielversprechenden Gesprächen“.

          Ungleich zurückhaltender verhielt er sich, als er nach dem Sieg in Tallinn auf die Personalien Maximilian Philipp (ebenfalls BVB), Kevin-Prince Boateng (US Sassuolo), Kevin Trapp (PSG) und Martin Hinteregger (FC Augsburg) angesprochen wurde, von denen es kein Geheimnis ist, dass die Eintracht sie gerne langfristig binden würde. Er könne „nicht in die Glaskugel schauen“, sagte Bobic. Fakt ist: Das spielerische Niveau in allen Mannschaftsteilen soll gesteigert und damit der Konkurrenzdruck erhöht werden – was sich dann im Idealfall in einem Zugewinn an kollektiver Qualität spiegeln soll. „Es ist nicht wichtig, vorne zu klappern, sondern im Hintergrund zu arbeiten“, beschrieb Bobic seine momentane Verhandlungstaktik in Kader-Fragen.

          Einen fahrigen Eindruck hinterlassen

          Lobend äußerte er sich darüber hinaus über den Auftritt von Dejan Joveljic in Tallinn: „Er macht das richtig gut.“ Dem 19-Jährigen gelang, fünf Minuten nach seiner Einwechslung für einen ermattet wirkenden Goncalo Paciencia, der entscheidende Treffer des Abends (71.), nachdem in der ersten Halbzeit Lucas Torro für die Führung gesorgt hatte (24.). Der zwischenzeitliche Ausgleich des Außenseiters durch Mikhel Ainsalu (34.) wurde begünstigt durch die schlampige Abwehrarbeit Mijat Gacinovics, der überhaupt einen fahrigen Eindruck hinterließ. „Es war spannend. Solche Spiele sind nicht einfach“, sagte Bobic. „Der Gegner war in manchen Situationen griffiger und hatte seine Waffen.

          Die Mannschaft ist die Aufgabe aber positiv angegangen und musste den inneren Schweinehund überwinden.“ Auch Hütter betonte, dass er sich gerade über das Siegtor des jungen Joveljic „freute“, der seit seinem Einstieg schon bei vielen Gelegenheiten durch seinen Tatendrang positiv auffiel. Danny da Costa, der ihm per Flanke von der rechten Seite die Vorlage gegeben hatte, erinnert einiges im Auftreten des unerschrockenen Youngsters an den in Champions-League-Sphären vorgestoßenen Jovic, der alleine in der vergangenen Runde 27 Mal die Kugel im Netz unterbrachte. „Auch Dejan sucht im Strafraum den direkten Weg, um abzuschließen“, hob da Costa anerkennend hervor.

          „Er braucht nicht viele Chancen, aber Zeit, weil er sehr jung ist“, sagte Hütter über den Novizen, der einen Vertrag bis Sommer 2024 erhielt und den der Klub in Bezug auf die Transfer-Glücksgriffe Ante Rebic, Filip Kostic, Mijat Gacinovic und eben Jovic salopp als „nächsten Balkan-Knipser“ präsentiert hatte. Vergleichsweise überschaubare fünf Millionen Euro Ablöse musste die Eintracht im Poker um seine Unterschrift hinlegen, in dem sie unter anderem die mitbietende TSG Hoffenheim ausbot. Ein (kleiner) Teil des Geldes wäre mit einem Weiterkommen gegen Tallinn bereits refinanziert. Joveljic lieferte im Rahmen seiner Möglichkeiten einen ersten nennenswerten Beitrag dazu im Schnelldurchgang.

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