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Eintracht Frankfurt : Die Eintracht ist sich selbst ein Rätsel

Was für eine Niederlage: Eintracht-Coach Thomas Schaaf scheint ratlos. Bild: dpa

Ratlosigkeit nach dem 1:3 beim rheinhessischen Nachbarn: Auch in Mainz verspielen die Frankfurter eine Führung und brechen danach ein. Verteidiger Zambrano handelt sich schon wieder eine Sperre ein.

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          Die Sprache hatte es ihm zwar nicht verschlagen. Doch es war trotzdem eine Form von Sprachlosigkeit, als Stefan Aigner auf dem Weg in die Kabine im Mainzer Stadion einen kurzen Stopp einlegte und sich nach einem neuerlichen Tiefschlag den Fragen der Reporter stellte. „Dazu fällt mir nichts mehr ein.“ Auf der Suche nach Antworten für den Blackout der Eintracht sah sich der Frankfurter Torschütze wieder einmal einem Rätsel ausgesetzt. „Das ist mir einfach unerklärlich“, sagte der abermals flinke und agile rechte Außenstürmer, der bei der 1:3-Niederlage im Nachbarschaftsduell bei Mainz 05 für den einzigen Lichtblick der Eintracht an einem für die Fans sonst trüben Nachmittag gesorgt hatte.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Sein Führungstreffer, erzielt in der 35. Minute nach der besten Frankfurter Kombination des gesamten Spiels, hätte eigentlich das Signal für einen Aufbruch in bessere Zeiten sein sollen. Doch mit dem angestrebten ersten Auswärtssieg in Mainz ist es wieder einmal nichts geworden. Knackpunkt war nicht der Ausgleich, den die emsigen Mainzer nur drei Minuten später durch Christian Clemens erzielten. Es waren vielmehr jene 180 Sekunden nach dem Seitenwechsel, in denen die Frankfurter Eintracht regelrecht auseinandergenommen wurde. Erst überlistete Johannes Geis mit einem direkt verwandelten Freistoß Eintracht-Torwart Kevin Trapp (47.), der debai nicht gut aussah. Dann war Yunus Malli nur drei Minuten später so frei, den Frankfurtern den entscheidenden K.-o.-Schlag zu versetzen (50.).

          Schaaf: „Solch ein Spiel ärgert mich“

          Das Tor sorgte für großen Jubel im Mainzer Lager, er mag sinnbildlich die Erleichterung verdeutlichen, die sich bei den Nullfünfern breitmachte. „Es war ein schöner Ausgang einer sehr speziellen, anspruchsvollen Woche“, sagte der am Dienstag neu ins Amt berufene Mainzer Cheftrainer Martin Schmidt, der einen gelungenen Einstand feierte.

          Thomas Schaaf mag das 1:3 fast wie ein Tritt in die Magengrube vorgekommen sein. „Solch ein Spiel ärgert mich“, sagte der Eintracht-Trainer. Vor allem deshalb, weil es kein Einzelfall in dieser bisherigen Saison gewesen ist. „Wir haben es ja schon sehr oft erlebt, dass wir in Führung gegangen sind. Doch mit dem Vorteil des Torvorsprungs können wir anscheinend nicht umgehen.“ Siehe Freiburg, wo die Eintracht nach dem früh erzielten 1:0 die Partie dominierte, um am Ende doch noch 1:4 zu verlieren und unterzugehen. Siehe Mainz, wo Aigner am Samstag mit seinem klug herausgespielten Treffer die Hoffnung auf einen fast schon historisch zu nennenden Auswärtssieg nährte, um nach dem Schlusspfiff doch resigniert vom Platz zu gehen.

          Bärendienst von Zambrano

          In seiner späteren Analyse sagte Schaaf, dass es vor allem die nicht immer vorhandene Konstanz im Spiel seiner Mannschaft sei, die zu derartigen Rückschlägen führe. „Ich glaube, dass es daran liegt“, sagte der Eintracht-Coach. „Ich glaube aber auch, dass wir es besser können.“ Und dann kramte der erfahrene Trainer ganz tief in der Mottenkiste des Fußballs, blickte auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurück, um festzustellen: „Weil man sich in einem Zustand der Euphorie befindet, folgen auf Tore meist unmittelbar darauf Gegentore.“

          Tore verhindern - dies gehört auch zu den Aufgaben des in Mainz vor die Abwehr beorderten Marco Russ, der den gesperrten japanischen Nationalspieler Makoto Hasebe vertrat. Hasebe, bislang in allen Bundesliga-Spielen dieser Saison vom Anpfiff an in der Startelf der Eintracht, musste erstmals in dieser Saison passen. Dass er am kommenden Samstag, dann gegen den Hamburger SV, wieder aktiv dabei ist, dürfte ein wenig den Ausfall kompensieren, den Schaaf hinnehmen muss. Denn Verteidiger Carlos Zambrano wird sich schon wieder ein Spiel aus der Distanz anschauen müssen. Noch in der Vorwoche, beim starken 1:0-Heimsieg der Eintracht gegen den FC Schalke 04, fehlte Zambrano wegen der fünften Gelben Karte. Gegen den Hamburger SV wird er es deshalb tun, weil er in Mainz erst Gelb und dann auch noch Gelb-Rot sah. Mit seiner zweiten Unbeherrschtheit in der 83. Minute, als der Frankfurter Innenverteidiger den Mainzer Pablo De Blasis heftig am Vorwärtsdrang hinderte und ihn mit dem Ellbogen im Gesicht traf, erwies der Peruaner seiner Mannschaft wieder einen Bärendienst. „Wir alle wissen, dass sich Carlos stets am Rande zu einem überharten Spiel befindet“, sagte Russ. „Es war eine klare Gelb-Rote Karte.“

          Schulterzucken und Ratlosigkeit nach dem Mainzer Tiefschlag auch bei Alexander Meier. „Das 1:0 haben wir noch ganz gut gemacht“, sagte der erfahrenste und torgefährlichste Eintracht-Profi. Doch was sich danach in der Folgezeit abspielte, sei für ihn schleierhaft. „In so kurzer Zeit drei Gegentore zu bekommen, dafür habe ich keine Erklärung“, sagte Meier. „In der zweiten Halbzeit haben wir nichts mehr zustande bekommen.“ Einen Spieler verloren, das Spiel verloren: für die Frankfurter Eintracht sind und bleiben Nachbarschaftsduelle beim Rhein-Main-Rivalen Mainz 05 weiterhin diffizile und zumeist ernüchternde Angelegenheiten.

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