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Eintracht Frankfurt : Schlechte Karten für Chris

  • -Aktualisiert am

Schmerzhaft: Sonny Kittel. Bild: Jan Huebner

Großtransfers der Marke Cacau oder Baumjohann sind für die Eintracht nicht zu stemmen - und auch eine Rückholaktion ist unwahrscheinlich. Inui steht dafür hoch im Kurs.

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          Langsam, aber sicher sind alle Entscheidungen dieser Saison gefallen. Nur die Frage, ob Fortuna Düsseldorf oder Hertha BSC Berlin nach der Sommerpause zum erlauchten Kreis der Ersten Fußball-Bundesliga zählt, ist noch offen - soll aber an diesem Montag von 15 Uhr an bei einer weiteren Verhandlungsrunde im Frankfurter Stadtwald geklärt werden. Während in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in der Otto-Fleck-Schneise Richter und Sportjuristen noch einmal das Wort haben, wird auch wenige hundert Meter entfernt das Urteil mit Spannung erwartet: in der Geschäftsstelle der Eintracht, wo Heribert Bruchhagen nach seiner Rückkehr vom Champions-League-Finale in München die nächste turnusmäßige Sitzung des Vorstands der Eintracht Frankfurt Fußball AG vorbereitet, der an diesem Dienstag noch einmal in dreiköpfiger Runde tagt. Von 1. Juni an stößt Axel Hellmann, bislang Vereins-Vizepräsident, an die Seite des Vorsitzenden Bruchhagen hinzu, während Thomas Pröckl (Finanzen) und Klaus Lötzbeier (Nachwuchsausbildung und Fanbetreuung) das Gremium verlassen.

          Pröckl wird an diesem Montag letztmals die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Klubs erläutern, die es zu beachten gilt bei dem Versuch, die Frankfurter nach dem Aufstieg wieder in der ersten Klasse zu etablieren. Der sofortige Wiederaufstieg war ein Kraftakt, der die Festgeldreserven angegriffen hat und schätzungsweise um bis zu zehn Millionen Euro schmelzen ließ. Alle Personalvorstellungen von Trainer Armin Veh und Sportdirektor Bruno Hübner, die sich erhoffen, eine Handvoll neuer Profis anheuern und dafür bis zu sechs Millionen Euro ausgeben zu können, sind wohl nicht machbar.

          Zu den Wunschkandidaten des Duos zählt auch der deutsch-kongolesische Innenverteidiger Assani Lukimya, dessen Vertrag bei Fortuna Düsseldorf am 30. Juni ausläuft. Ein begehrter Frankfurter Gesprächspartner war in den zurückliegenden Tagen auch Thomas Kroth. Der ehemalige Eintracht-Mittelfeldspieler arbeitet seit seinem Karriereende als Berater und hat sich als Geschäftspartner vor allem bei Verhandlungen mit asiatischen Profis einen Namen gemacht. Der heute Zweiundfünfzigjährige war es, der 2003 Naohiro Takahara zunächst zum Hamburger SV und drei Jahre später an den Main vermittelte; zwischen 2007 und 2009 spielte dann auch Junichi Inamoto nach Zutun Kroths und dessen Agentur „Pro Profil“ für die Frankfurter. Aktuell der bekannteste Klient in seinem Portfolio ist der Noch-Dortmunder Shinji Kagawa, den es nun wohl zu Manchester United zieht. Auch die Eintracht hat ein Auge auf einen von Kroth betreuten Japaner geworfen: Takashi Inui vom VfL Bochum. Der 23 Jahre alte Mittelfeldflitzer gehörte zuletzt in einer mittelprächtigen Mannschaft zu den wenigen konstant zuverlässigen Stützen. „Ein richtig guter Junge“, nannte Veh ihn schon nach dem ersten direkten Aufeinandertreffen im vergangenen Herbst. Seitdem ist das Interesse der Hessen beständig gewachsen. Inui steht auf ihrer Wunschliste ganz oben. Er entspricht dem Anforderungsprofil „jung und hungrig“, ein Transfer scheint dabei aber nicht übermäßig teuer zu werden.

          Austrainiert und verletzungsfrei

          Vom Einkaufszettel gestrichen wurden aus Kostengründen dagegen der Reservespieler Alexander Baumjohann (FC Schalke04) und Nationalspieler Cacau, der in Stuttgart keine Zukunft mehr sieht, den Frankfurtern angeboten wurde, aber von ihnen nicht zu bezahlen ist. Hübner und Bruchhagen nennen Deals in dieser Größenordnung für aktuelle Frankfurter Verhältnisse „unrealistisch“. Anders verhält es sich im Fall Chris. Der frühere Eintracht-Kapitän, der im vergangenen Spätsommer nach knapp acht Jahren zum VfL Wolfsburg gewechselt war, würde nun gerne wieder an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren. Über die „Bild“-Zeitung verkündete der Brasilianer, dass es ihn nach seinem Intermezzo in Niedersachsen wieder ins Rhein-Main-Gebiet zieht; unabhängig vom Beruflichen werde er mit seiner Familie wieder ein Haus in Königstein beziehen, sagte der Dreiunddreißigjährige und fügte an: „Frankfurt ist meine Heimat.“

          Chris, austrainiert und verletzungsfrei, wäre sicher eine Verstärkung für die anfällige Eintracht-Defensive, doch der Südamerikaner wird ein großes Problem nicht los: Sein Körper lässt ihn im Leistungssportalltag immer wieder im Stich. Zwischen 2003 und 2011 konnte er nur 145 Pflichtspiele bestreiten, weil ihn insbesondere langwierige Beschwerden an Bandscheiben und Leisten immer wieder für Monate außer Gefecht setzten. Auch in Wolfsburg kam er nur zu acht Einsätze. Das Leistungsniveau, so Hübner, spreche für Chris, „die Statistik aber gegen ihn“. Veh selbst wollte sich in dieser Angelegenheit zu Beginn der fast zweimonatigen trainingsfreien Zeit nicht festlegen, sagte aber unlängst, dass Chris ja nicht dem „Lockruf des Geldes“ erlegen sei, sondern „wir ihm nie ein Angebot gemacht hatten, weil wir es vor einem Jahr gar nicht machen konnten“. Dies wäre nun, da auch der neue Hauptsponsorenkontrakt unmittelbar vor dem Abschluss stehen soll, offenbar ein wenig anders. Denkbar, so heißt es, sei zunächst ein Modell, dass der vielseitige und erfahrene Chris bei der Eintracht, die in der ersten Juli-Woche erstmals wieder gemeinsam auf dem Übungsplatz stehen wird, zunächst mittrainieren darf, um sich in Form zu bringen - ohne jedwede Verpflichtung auf beiden Seiten.

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