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Eintracht Frankfurt : Schildenfeld meldet sich zurück

Immer den Blick auf die Spieler gerichtet: Eintracht-Trainer Armin Veh. Bild: dapd

Der Verteidiger der Eintracht zeigt nach Vehs Kritik die erhoffte Reaktion. Mit seinem ersten Saisontor beim 5:1 in Rostock krönt der junge Familienvater eine für ihn außergewöhnliche Woche.

          Kurz vor der Kabine machte er halt. Auf Bitten der Reporter vollzog Gordon Schildenfeld eine Kehrtwende, um an der Stätte seiner respektablen Rückkehr über das 5:1 der Eintracht bei Hansa Rostock vor allem aber über seinen eigenen Auftritt zu reflektieren. Schildenfeld, der am Sonntag 27 Jahre alt werdende Innenverteidiger der zweitklassigen Frankfurter Fußballprofis, war einer der Gewinner des Ausflugs an die Ostseeküste. Vor zwei Wochen noch, nach dem 2:4 der Eintracht beim SC Paderborn, bekam der Kroate die verbale Wucht seines Trainers zu spüren. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“, sagte Armin Veh - und verordnete seiner in Ostwestfalen indisponierten Stammkraft eine Auszeit. Tatsächlich gehörte Schildenfeld in der darauffolgenden Heimpartie gegen den FC Energie Cottbus noch nicht einmal zum Kader. Doch neben sportlichen waren es vor allem persönliche Gründe, die Schildenfeld zum Zuschauen zwangen. An jenem Wochenende ist er erstmals Vater geworden. Veh, selbst Vater zweier Kinder, hatte ihm selbstverständlich freigegeben.

          Erstaunlich, aber wahr: Seitdem Tochter Leila das Licht der Welt erblickt hat, ist es auch mit Papa Schildenfeld aufwärtsgegangen. In der Vorbereitung auf die Reise zu Hansa probte Veh im Rahmen des Testspiels gegen Rot Weiss Frankfurt das bewährte Innenverteidiger-Duo Gordon Schildenfeld/Bamba Anderson. Mit Folgen, denn die beiden Stammkräfte, die vom dritten Spieltag an gemeinsame Sache machten, wurden mit der Verteidigungsarbeit in Rostock beauftragt. Kein Heiko Butscher, kein Martin Amedick - Schildenfeld verdiente sich Vehs Vertrauen zurück. „Ich weiß selber, dass ich in dieser Saison zu viele Aufs und Abs hatte“, sagte der Kroate selbstkritisch. „Zweimal spiele ich gut, einmal schlecht.“ Bei Hansa war sein Auftritt mehr als ordentlich. Schließlich gab es als besondere Note einen Knalleffekt der besonderen Art. Schildenfeld erzielte mit dem Kopf Saisontor Nummer eins. „Es war eigentlich geplant, dass der Kopfstoß zum ersten Pfosten geht“, sagte Schildenfeld nach dem vorausgegangenen Eckstoß von Benjamin Köhler. Doch dann nahm die Kugel eine andere Flugbahn - und landete über dem Kopf von Hansa-Schlussmann Kevin Müller im Tor (42.). Schildenfeld ehrlich: „Das war so nicht geplant.“

          An der Küste hat Schildenfeld die Kurve gekriegt

          Im vergangenen Sommer, nach vollbrachter Meistermission in Österreich, war der in Frankfurt bis dahin unbekannte Schildenfeld zur Eintracht gestoßen. Bruno Hübner hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, um den Kroaten von Sturm Graz nach Deutschland zu holen. Am 7. Juli 2011 erzielte der Frankfurter Sportdirektor Einigung mit den Sturm-Partnern. Schildenfeld unterzeichnete einen Vertrag, der ihn bis zum 30. Juni 2014 an die Eintracht bindet. Im Gegenzug überwiesen die Frankfurter die für den kroatischen Nationalspieler festgeschriebene Ablösesumme von einer Million Euro an Graz. Schildenfelds Motive für den Wechsel:„Bei Sturm Graz habe ich mit Pokalsieg und Meisterschaft in den letzten beiden Jahren das Maximum erreicht. Außerdem liebe ich Herausforderungen.“ Die Herausforderung sofortige Rückkehr in die Bundesliga hat ihn dazu bewogen, dem Werben der Eintracht stattzugeben. Sieht man einmal vom Durchgänger in Paderborn ab, konnte sich Veh zumeist auf den umsichtig und mit Kopfballstärke agierenden Schildenfeld verlassen, der freilich regelmäßig läuferische Defizite und Schwächen im Sprint aufzeigte.

          Auch beim 5:1 in Rostock, dem offiziellen Ende von Angstspielen an der Ostsee, behauptete sich Schildenfeld gegen akut abstiegsbedrohte Hanseaten. Der junge Familienvater legte den Grundstock für den späteren ungefährdeten, im Ergebnis zu hoch ausgefallenen ersten Auswärtssieg seit vier Monaten. Und wunderte sich, dass die schon jetzt respektable Punkteausbeute der Eintracht keine Aufstiegssicherheit gibt. „Ich finde es spektakulär, was man hier in Deutschland an Punkten braucht. Bei Sturm sind wir mit 61 Punkten Meister geworden“, sagte Schildenfeld. In Deutschlands zweiter Klasse wird dies in dieser Saison nicht reichen. Schon jetzt haben die Spielvereinigung Greuther Fürth und die Frankfurter Eintracht, die beiden führenden Klubs, 53 und 52 Punkte gewonnen. Im Schnitt entspricht dies einer Ausbeute von gut zwei Zählern pro Spiel. Bei noch neun ausstehenden Begegnungen dürften also bis zu 18 weitere hinzukommen. Weil Anderson und Schildenfeld am Sonntag in Rostock als Duo harmonierten, spricht alles für eine Fortsetzung dieses eingespielten Tandems am Freitag gegen Dynamo Dresden (18 Uhr). „Bamba und Butscher, das hatte ich gegen Rot Weiss getestet“, sagte Eintracht-Trainer Veh in der Rückschau. „Aber das hat mir nicht so gefallen. Bamba und Schildenfeld passen besser zusammen.“ Und Butscher? „Den sehe ich links außen.“ Dort also, wo der notorische Hektiker Constant Djakpa bei Hansa seinen Dienst ohne lichte Momente versah. Taktiker Veh hat mit seiner nach dem Paderborn-Spiel geübten Kritik an Schildenfeld augenscheinlich den richtigen Kurs gefahren. „Gordon ist seitdem konzentrierter. Meine Kritik war als Denkanstoß gedacht.“

          An der Küste hat Schildenfeld die Kurve gekriegt. Und weil sich beim 5:1 gleich fünf verschiedene Eintracht-Profis als Torschützen empfehlen konnten, sprach Veh von einem „guten Signal für die Truppe“. Ausgeglichenheit als Trumpf und Stärke. „Wir haben jetzt eine bessere Tordifferenz als Fortuna Düsseldorf“, rechnete der Frankfurter Trainer vor. „Am Ende kommt es auf die Nerven an.“ Der Vorteil der Eintracht: „Wir können es aus eigener Kraft schaffen.“ Schildenfeld will dazu weiter mit stabilen Leistungen seinen Beitrag leisten.

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