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Eintracht Frankfurt : Schiffbruch in Rheinhessen

Tristesse nach dem Tiefschlag: Torhüter Trapp, Torjäger Meier und Verteidiger Anderson Bild: Heiko Rhode

Die Frankfurter Eintracht erleidet beim 1:3 in Mainz einen Rückschlag. Russ sieht in der zweiten Halbzeit zu viel „Treterei“ und Hübner kritisiert Torjäger Meier.

          3 Min.

          Der nächste Einbruch. Schon zum dritten Mal in dieser turbulenten Bundesliga-Saison hat die Eintracht mit ganzer Wucht eine der Gesetzmäßigkeiten des Fußballs zu spüren bekommen. Danach ist erst Schluss, wenn der Schiedsrichter abpfeift – und nicht schon dann, wenn man 1:0 in Führung liegt. So geschehen in der Hinrunde beim 1:3 in Paderborn. Und so geschehen auch in der zweiten Saisonhälfte bei den jeweiligen Auswärtsprüfungen in Freiburg (1:4) und Mainz (1:3). Gerade der jüngste Rückschlag bei den Rheinhessen schmerzt die Eintracht, denn mit einem Erfolg im prestigeträchtigen Nachbarschaftsduell bei den Null-Fünfern hätte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf ein schönes Punktepolster verschaffen können.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Als Stefan Aigner als letztem Glied einer vorzüglichen Angriffskette das 1:0 glückte (35.), wähnte sich die Eintracht noch auf Kurs. Doch spätestens mit den drei Mainzer Treffern zwischen der 38. und 50. Minute kam der Schiffbruch. Nichts wollte mehr gelingen. Marco Russ, einer der Wortführer der Frankfurter, sagte später: „Wir haben uns nicht mehr auf Fußball konzentriert, sondern nur noch auf die Treterei.“

          Frankfurts Angriff ist geschwächt

          Bruno Hübner sah die Eintracht dabei so manchen vermeintlichen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters ausgesetzt. Referee Felix Brych, der schon in der Hinrunde das Rhein-Main-Duell gepfiffen hatte, wurde vom Frankfurter Sportdirektor verbal gemaßregelt. „Er kann es einfach nicht. Ich habe ihn mal für einen guten Schiedsrichter gehalten, aber er ist schlechter geworden. Er verliert total seine Linie im Spiel.“ Besonders echauffierte sich Hübner wegen der hitzig geführten Zweikämpfe von Carlos Zambrano und Shinji Okazaki. „Okazaki provoziert von der ersten bis zur letzten Minute. Er springt in den Gegner rein“, sagte Hübner. „Aber gepfiffen wird immer gegen den Abwehrspieler.“ In diesem Fall gegen Zambrano. Nun ist es so, dass der Peruaner nicht als erster Anwärter für die Verleihung des Fair-play-Preises in Frage kommt, denn zumeist bewegt sich der Abwehrchef der Eintracht an der Grenze des Erlaubten. Dass er in der 83. Minute des Feldes verwiesen wurde, weil er nach einem unbeherrschten Ellenbogencheck zum zweiten Mal verwarnt wurde, war ebenso überflüssig wie richtig. „Die Gelb-Rote Karte war absolut korrekt“, sagte Russ. Zambranos bisherige Bilanz in 105 Bundesliga-Spielen: 40 Gelbe Karten. Am kommenden Samstag, im Heimspiel gegen den Hamburger SV, muss der 25 Jahre alte Südamerikaner pausieren. Wie übrigens auch schon in der vorangegangenen Begegnung vor eigener Kulisse gegen den FC Schalke 04. „Carlos muss das unbedingt in den Griff bekommen“, empfahl Russ. „Sonst schwächt er uns in den nächsten Wochen weiter.“ Schwächer gegen den HSV dürfte die Eintracht auch in der Offensive daherkommen. Haris Seferovic wird einen weiteren glücklosen Auftritt in wenig angenehmer Erinnerung behalten: Der Schweizer sah beim 1:3 in Mainz zum fünften Mal Gelb und muss gesperrt gegen Hamburg zuschauen. Bleibt als einziger Angreifer mit Alexander Meier jemand, der noch nicht einmal als klassischer Stürmer gilt.

          Schaaf: „Wir sind im Umbruch“

          Dass der dienstälteste Frankfurter Fußballprofi am Wochenende in der Bundesliga-Torschützenlisten von Arjen Robben überholt wurde, hatte er schon lange kommen sehen. „Am Ende holt doch sowieso einer vom FC Bayern die Torjägerkanone – und nicht ich.“ Was freilich neu für Meier gewesen ist: Er musste sich kritische Töne von Hübner anhören. Dem Sportdirektor, frustriert wegen des Tiefschlags von Mainz, gefiel bei der 1:3-Niederlage vor allem Meiers Laufleistung nicht: „Wir wissen ja: Wenn Alex kein Tor schießt, ist er unauffällig. Diese Kröte müssen wir schlucken.“ Meiers Konter ließ nicht lange auf sich warten. Am Sonntag, als das sogenannte Auslauftraining mit einer längeren Ansprache von Trainer Schaaf eingeleitet wurde, sagte Meier über Hübner im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk: „Er versucht schon seit längerer Zeit, sich negativ zu meiner Person zu äußern. Ich kann immer nur mein Bestes geben, und das mache ich.“

          Die Mainzer haben vieles von dem gezeigt, das zum Repertoire ihres Besten gehört. Vor allem haben sie eines getan, was den wankelmütigen Frankfurtern in manch entscheidenden Phasen eines Bundesliga-Spiels fehlt: Sie haben verbissen gekämpft. Sie wollten dieses Spiel mit aller Macht gewinnen und haben deshalb mehr investiert. So wie die Paderborner in der Hinserie, so wie die Freiburger zum Rückrunden-Auftakt. „Natürlich sind wir unzufrieden“, sagte Eintracht-Trainer Schaaf. „Aber unser Weg geht weiter. Wir sind im Umbruch. Wir haben schon viele Dinge bei der Eintracht angestoßen und müssen damit geduldig umgehen.“ Und so würde es nach „tollen Spielen gegen Wolfsburg und Schalke“ immer wieder auch Begegnungen wie in Mainz geben. „Die Mannschaft betrachtet sich ja selbst. Sie weiß, dass es so nicht weitergeht, und sucht nach dem richtigen Weg.“ Die Eintracht auf der Suche nach der ganzheitlichen Stärke – der Prozess geht weiter.

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