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Eintracht Frankfurt : Saison der verpassten Gelegenheiten

  • -Aktualisiert am

Augen zu und durch: Alexander Meier – hier im Duell mit Marcelo – bleibt gegen Hannover ansonsten weitgehend unauffällig. Bild: Wonge Bergmann

Selbst gegen Hannover reicht der Eintracht ein Zwei-Tore-Vorsprung nicht. Die Fans pfeifen allmählich auf das Spektakel. Die Flut an Gegentreffern verhindert den Blick Richtung Europa.

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          Fortsetzung folgt. Was den Spektakel-Fußball der Frankfurter Eintracht angeht, ist ein Ende nicht absehbar. Denn auf die Frage, ob seine Mannschaft in der kommenden Bundesligasaison die Zahl der Gegentreffer nicht deutlich reduzieren müsse, sagte Trainer Thomas Schaaf dieser Zeitung: „Solange wir ein Tor mehr schießen, habe ich kein Problem damit.“ Nur beim 2:2 zu Hause gegen Hannover fehlte ebendieses eine Tor mehr. Schlimmer noch: Die Frankfurter verspielten eine 2:0-Führung durch die Tore von Alexander Madlung (27. Minute) und Stefan Aigner (54.). Marcelo (68.) und Didier Ya Konan (82.) machten mit ihren Treffern Hannover froh und den Gegner unglücklich. Wieder nichts gelernt aus Eintracht-Sicht. Schließlich war es bereits das neunte Mal, diesmal sogar im Duell mit der schlechtesten Rückrundenmannschaft. 23 Punkte hätten es mehr auf dem Konto des Tabellenachten aus Frankfurt sein können, wenn er seinen jeweiligen Vorsprung behauptet hätte. Zielstrebigkeit gehört gewiss nicht zu den Frankfurter Stärken.

          Dass es bei der Eintracht „nie langweilig“ werde, wie Schaaf wohl mit einem Hauch Ironie nach dem Hannover-Spiel hervorhob, ist für deren Anhänger kein Trost mehr, ganz im Gegenteil: Vier Tore pro Spiel mit Beteiligung der Hessen hin oder her – der Unmut der Fans wächst gewaltig. Das dokumentierten die vielen Pfiffe in der Arena. Das Publikum kann der Mannschaft deren Schludrigkeit und Wankelmütigkeit nicht mehr verzeihen. Auf solche Spektakel würden die Zuschauer gerne verzichten. Sie sind am Ende einfach nur deprimierend. Besonders wenn bei der Eintracht wie gegen Hannover totale spielerische Armut herrschte.

          Wenig Anlass zur Hoffnung

          Torhüter und Kapitän Kevin Trapp kann den Ärger und die Enttäuschung der Anhänger verstehen. „Wenn sie mit hängenden Schultern im Stadion sind und nicht wissen, wie ihnen geschieht.“ Schön ausgedrückt. Auch Trapp, der außerdem den immer größer werdenden Sarkasmus der Fans nachzuvollziehen weiß, nervt die Unzuverlässigkeit der Eintracht-Mannschaft, die extremen Schwankungen zwischen gut und schlecht. Sie steuern die Frankfurter an den Rand der Zerreißprobe und überlagern die bloßen Zahlen. „Das ist die Crux an der Sache“, sagt der Torwart. „Wir spielen eine ordentliche Saison – aber gefühlt keine gute. Die Dinge sind so gravierend, dass sie überwiegen.“ Noch ein Punkt fehlt den Frankfurtern, dann hätten sie bereits das Ergebnis der Vorsaison (36 Zähler) erreicht. Ernsthaft in Abstiegsgefahr schwebten sie in dieser Runde nie.

          Aber diese Bilanz zählt kaum. Mehr „Eindruck“ hinterlassen nämlich die verpassten Chancen der Eintracht. Mit einem Heimerfolg über Hannover und dann 37 Punkten hätte sie im Schlussspurt der Saison einen Angriff auf die Europa-League-Plätze starten können. Es wäre noch einmal Schwung in die Sache gekommen. Womöglich hätte sich eine gewisse Eigendynamik hin zu mehr Behauptungswillen der Spieler und größerer Konzentration entwickelt. So gibt die Realität jedoch wenig Anlass zur Hoffnung. Zumal die kommenden Gegner Bayern München, vor eigenem Publikum Borussia Mönchengladbach und dann auswärts Dortmund und Bremen heißen. Mit einem großen Punktesprung der Eintracht in den kommenden Wochen ist nach jetziger Lage nicht zu rechnen.

          Wackelkandidat Lucas Piazon

          Will sie in der neuen Saison den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen, muss sie ein ernsthafter Kandidat bei der Vergabe der Europa-League-Plätze werden. Nur: Mit der momentanen Flut an Gegentreffern würde dieses Ziel schwer umzusetzen sein. Zusammen mit Werder Bremen und jeweils 54 Gegentoren in 27 Begegnungen bieten die Frankfurter die schlechteste Verteidigung der Liga auf. Sie müssen also vor allem ihr Defensivverhalten verbessern. Verstärkt werden soll die Mannschaft mit einem Rechtsverteidiger und auf jeden Fall einem Innenverteidiger. Außerdem besteht im defensiven Mittelfeld Handlungsbedarf. Hier wird ein flinker Führungsspieler mit Spielintelligenz und Verantwortungsbewusstsein gesucht. Schaaf will sich auf einzelne Positionen aber nicht festlegen, er sagt nur: „Unser Schwerpunkt liegt auf guten Spielern. Das ist das wichtigste Merkmal.“ Die Anzahl der möglichen Neuzugänge lässt er offen. Es könnten aber mindestens fünf werden. Schließlich sollen noch ein Stürmer und ein Offensivspieler für die linke Seite kommen. Ein Wackelkandidat ist nach wie vor der vom FC Chelsea ausgeliehene Lucas Piazon. „Zu dem Zeitpunkt, an dem wir etwas entscheiden müssen, werden wir die Entscheidung treffen. Bis dahin werden wir uns alle Zeit nehmen“, sagt Schaaf. Bei Innenverteidiger Madlung hingegen herrscht Klarheit. Der Trainer sagt: „Er weiß um seine Situation. Und wir wissen es auch.“ Ein Weggang des Zweiunddreißigjährigen wäre keine Überraschung. Wie der im Sommer von Mittelfeldspieler Johannes Flum, der gegen Hannover nicht im Frankfurter Aufgebot war. Sein großer Frust stand ihm im Gesicht geschrieben.

          Das Spiel am kommenden Samstag beim Branchenprimus FC Bayern könnte die nächste herbe Enttäuschung für die Eintracht bergen. Trapp sieht in dem Aufeinandertreffen mit dem designierten Meister jedoch eine Chance, das muss er auch. „Du hast wenig zu verlieren. Es erwartet sowieso jeder, dass du verlierst“, sagt der Kapitän. „Aber wir sollten auf keinen Fall das Spiel herschenken. Sich auf irgendeine Art zu verstecken, wäre das Schlimmste, was wir machen können.“ Auf den Spektakel-Fußball der Eintracht bei der „momentanen Übermannschaft“ (Trapp) darf man gespannt sein.

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