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Eintracht Frankfurt : „Saison im Großen und Ganzen okay“

  • -Aktualisiert am

Wenigstens nicht auf einem Abstiegsplatz: Alexander Meier blickt auf eine durchwachsene Hinrunde zurück Bild: dpa

Rückkehrer Alexander Meier hält die Saison der Frankfurter Eintracht für durchwachsen. Im neuen Jahr will Trainer Vehs Team wieder angreifen.

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          Die Zuversicht von Kevin Trapp, dass alles Schlechte irgendwann ein Ende findet, war wenige Minuten vor dem Ende des Spiels zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Augsburg in höchster Gefahr. Er selbst sorgte dafür, dass sie abgewendet wurde. „Ich hätte den Glauben verloren, wenn der Ball reingegangen wäre“, sagte Trapp. Dieser Ball flog aus kurzer Entfernung gleich zweimal auf ihn zu, binnen Sekunden jeweils geschossen vom Augsburger Angreifer Arkadiusz Milik - und beide Male gehalten von Trapp. Da stand es 1:1, und hätte der Torwart nur etwas schlechter reagiert und Verteidiger Carlos Zambrano den zweiten Schuss nicht zusätzlich noch vor der Torlinie weggeschlagen, dann hätte ein harter Tag für die Frankfurter mit einem jener Tiefschläge geendet, die eine sehr lange Erholungszeit erfordern. „Schwierig, aber nicht prekär“ sei die Lage jetzt, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen nach dem achten Heimspiel in Serie ohne Sieg. Immerhin also.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und genau so war auch die allgemeine Stimmungslage nach diesem Teilerfolg. Es hätte mehr sein können, aber so wie es endete, war es auch in Ordnung - diese Haltung machten sich Bruchhagen, Trainer Armin Veh und alle Spieler zu eigen. Den Weg in den Weihnachtsurlaub und in die Winterpause konnten die Beteiligten mit einer Haltung aus kühler Analyse, Realitätssinn und Trotz antreten. Das ist eine gute Mischung, denn auf alle kommt demnächst eine Menge zu. Nichts weniger als die neue Eintracht soll am Ende dieses Weges stehen. Ausgeruhter, aggressiver, mutiger - im Grunde also wie die alte, die in der vergangenen Saison in den Europapokal gestürmt ist. „Wir können im Moment nicht das zeigen, wozu wir fähig sind“, sagte Veh. Aber das soll sich bald ändern. Am besten vom Rückrundenstart am 25. Januar an, dann kommt Hertha BSC Berlin nach Frankfurt.

          Wenigstens kein Abstiegsplatz

          Nach 28 Pflichtspielen in der Vorrunde sind Beine und Köpfe ermattet, was gegen einen bissigen, laufstarken und gut organisierten Gegner wie den FC Augsburg nicht zu kompensieren ist. „Sie haben den Vorteil, den wir in der letzten Saison hatten“, sagte Veh. Sie gehen gründlich vorbereitet und ausgeruht in ihre Spiele - zusätzlich getragen von den vielen Erfolgserlebnissen in den vergangenen Wochen. Veh dagegen hat im Dauerstress der Belastungen in drei Wettbewerben kaum noch Zeit, um gezielt zu trainieren. Bleiben für die Eintracht am Ende ein Punkt in diesem Spiel, 15 Punkte aus siebzehn Partien und Platz 15 in der Tabelle. „Wenigstens überwintern wir nicht auf einem Abstiegsplatz“, sagte Trapp.

          Ihm ist die Belastung der vergangenen Wochen noch am wenigsten anzumerken, aber dass sich einige Spieler förmlich über die Runden quälen mussten, war unübersehbar. Sebastian Rode ist dafür ein gutes Beispiel. Er steht für die hohe, seit vergangener Saison neue Qualität der Eintracht, aber auch für ihre aktuelle Verfassung. Die Müdigkeit spielt mit, und wenn nach etwa einer Stunde der länger verletzte Alexander Meier eingewechselt wird, er kam für Johannes Flum ins Spiel, dann ist das nächste Eintracht-Symbol am Ball: ein Profi mit besonderen Fähigkeiten, der gerade nicht leisten kann, was er zu leisten vermag.

          Dass Meier wieder zurückkam, wenn auch nur für eine halbe Stunde, war ermutigend, mehr aber war nicht zu erwarten. Er braucht noch Zeit - wie fast alle. Als er eingewechselt wurde, war das Spiel dem Ergebnis nach gelaufen. Den Treffern von Bobadilla in der 33. Minute zur Augsburger Führung und von Jan Rosenthal (42.) folgte kein weiterer. Vor allem dank Trapp. Miliks Doppelchance in der 85. Minute war die beste von wenigen Möglichkeiten, die sich beide Mannschaften vor 46 400 Zuschauern gegenseitig gestatteten. Was bei der Eintracht kein Wunder war: Sie spielte defensiver, als sie das sonst tut, zurückhaltender beim frühen Attackieren des Gegners. Pressing - das ist derzeit Wunsch, aber in der Not nicht Wirklichkeit.

          Abschied vom ewigen Oka

          Die Saison sei bislang „im Großen und Ganzen okay“, sagte Meier, was bei allen Widrigkeiten daran liegt, dass die Eintracht in drei Wettbewerben, Bundesliga, DFB-Pokal und Europapokal, im Rennen bleibt. Die Vereine, auf die das ebenfalls zutrifft, verdeutlichen, wie respektabel dieses Abschneiden ist: Bayern München, Borussia Dortmund - Gegner der Frankfurter im Viertelfinale des Pokals am 11. Februar - und Bayer Leverkusen. Drei Champions-League-Teilnehmer und die Eintracht: der Verein könnte in schlechterer Gesellschaft sein.

          Dass es am Freitagabend doch noch einen Gewinner gab, lag an einem Abschied, der unter die Haut ging. Der „ewige“ Oka Nikolov kam nach seiner Episode zum Ausklang der Karriere bei Philadelphia Union mal wieder in Frankfurt vorbei. Der Verein, voran Bruchhagen, verabschiedete den früheren Eintracht-Torwart warmherzig, die Fans auf der Nordwestkurve mit einer Demonstration der Zuneigung und Phantasie. Eine überwältigende Choreographie in Rot-Schwarz, Nikolovs Bild in der Größe eines Tores, dazu Sprechchöre ohne Unterlass - der Abschied nach 19 Jahren als Profi bei der Eintracht war angemessen. Was wäre wohl los, wenn sein früherer Verein mal wieder ein Heimspiel gewinnen würde?

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