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Eintracht Frankfurt : Reifeprüfung am Rhein

In Düsseldorf ein Teil der neu formierten Eintrachtabwehr: Talent Marc-Oliver Kempf Bild: Eilmes, Wolfgang

Eintracht-Talent Kempf wird auch in Düsseldorf von Beginn an spielen. Zusammen mit Vadim Demidov soll er der neu zusammengestellten Defensive Stabilität verleihen.

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          Fußballstadion statt Klassenzimmer. Zum zweiten Mal innerhalb von nur 72 Stunden steht Marc-Oliver Kempf im Blickpunkt. Wie schon am Dienstag im verlorenen Nachbarschaftsduell gegen den FSV Mainz 05 wird der erst 17 Jahre alte Schüler in seinem Perspektivberuf Fußballprofi gefordert. Sein Arbeitgeber Eintracht Frankfurt, vor allem aber Trainer Armin Veh, baut auf die Verteidigungskünste des jungen Mannes. „In ein, zwei Jahren ist er so weit“, sagte der Eintracht-Coach am Donnerstag vor der Abreise an den Rhein. Dort steht an diesem Freitag das schwere Auswärtsspiel beim Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf an (Anpfiff 20.30 Uhr). Und einer wie Kempf soll mithelfen, den Tiefschlag gegen Mainz vergessen zu machen.

          Veh ist überzeugt davon, dass sein jugendlicher Innenverteidiger auch bei der Fortuna seinen Mann steht. „Er hat das Zeug dazu, Stammspieler zu werden.“ Dass der angehende Fachabiturient jetzt schon in der Startelf gefordert ist, hängt auch und vor allem mit den großen Abwehrproblemen zusammen. Beide Stammkräfte nämlich, Carlos Zambrano ebenso wie Bamba Anderson, stehen der Eintracht nicht zur Verfügung. Für Veh ist das bitter, „denn wir haben noch niemals verloren, wenn Carlos und Bamba gemeinsam gespielt haben“. Das Erfolgsduo aber ist gesprengt. Der Peruaner Zambrano ist nach der gegen Mainz erhaltenen fünften Gelben Karte gesperrt; der an der Bauchmuskulatur frisch operierte Brasilianer Anderson wird erst zum Rückrundenstart zurückerwartet.

          Mit 5200 Fans nach D-Dorf

          Kempf also muss ran. Gemeinsam mit einem, der bislang die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllt hat: Vadim Demidov. Der Norweger mit lettischen Wurzeln, zuletzt angeschlagen, hat das Trainingsprogramm der vergangenen Tage beschwerdefrei absolviert und soll gemeinsam mit Kempf die ebenso wichtige wie sensible Innenverteidigung bilden. Dass es bei der Eintracht hinten wie vorne personell klemmt, hatte Veh schon nach dem 1:3 gegen Mainz eingestanden. „Das Ganze ist auf Kante genäht.“ Wer sich die Angriffsreihe der Frankfurter anschaut, wird bei der Partie in Düsseldorf an vorderster Linie Karim Matmour zu sehen bekommen. Der Algerier rückt wieder in die Startelf; der auch gegen Mainz schwache Kanadier Olivier Occean muss Platz machen. „Olli kämpft mehr mit sich“, sagte sein Förderer Veh am Donnerstag. „Da muss er durch. Im Moment kann er uns nicht helfen.“

          Hilfe, die Hürde Düsseldorf zu nehmen, erhofft sich der Frankfurter Fußballlehrer auch durch die stimmgewaltige Unterstützung der Fans. 5200 haben sich schon mit Karten eingedeckt. Doch die Anhänger werden nicht nur der komplett neuen Innenverteidigung sowie dem stürmischen Rückkehrer Matmour bei der Arbeit zuschauen können. Auch Martin Lanig dürfte nach derzeitigem Kenntnisstand zur Startelf gehören. Der blonde Mittelfeldmann ist erster Anwärter für den Posten vor der Abwehr. Da nämlich Kapitän Pirmin Schwegler gegen Mainz zum fünften Mal mit Gelb verwarnt worden ist, muss auch der Schweizer pausieren. Dies ist Lanigs Chance, Veh von seinen Qualitäten zu überzeugen. Gut für Lanig: Nebenmann Sebastian Rode, der neben Schwegler, Alexander Meier und Kevin Trapp seit Wochen beste und beständigste Eintracht-Profi, hat seine in der Partie gegen Mainz erlittene Prellung auskuriert. „Er ist hart im Nehmen“, sagte Veh.

          Veh sieht ein „enges Spiel“

          Hart im Nehmen, das ist auch Veh selbst, der mit dem kommenden Gegner Fortuna Düsseldorf vor allem eines verbindet: die Begegnung mit Sascha Rösler. In der den Aufstieg bringenden Zweitligasaison war der gestandene Fußballlehrer mit dem alternden Profi verbal mehrmals aneinandergeraten. Die Rede vom „Rotzlöffel“ machte die Runde, und auch Fortuna-Manager Wolf Werner gehört seit jenen zwei Duellen nicht gerade zu Vehs Freundeskreis. „Wenn ich der Buhmann bin, dann soll es so sein“, sagte Veh in aller Lässigkeit. Rösler kickt schon länger nicht mehr für die Düsseldorfer, die der Eintracht-Coach „im Aufwind“ sieht. „Sie haben einen überraschenden Punkt in Dortmund geholt und gehören zu unseren unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.“

          Veh rechnet mit einem „engen Spiel. Es ist wichtig, dort zu punkten.“ Und zu versuchen, endlich einmal eine Bundesligapartie ohne Gegentreffer zu überstehen. Torwart Trapp, dem Veh im Hinblick auf eine Nationalmannschaftsberufung abermals gute Chancen ausrechnete, „es zu packen“, erhofft sich dies schon seit Wochen. Ob Wünsche Wirklichkeit werden, hängt auch von der Stabilität der komplett neu gebildeten Innenverteidigung ab. Schüler Kempf steht vor einer abermaligen Reifeprüfung.

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