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Eintracht-Frankfurt-Präsident : „Manchmal fühle ich mich wie Astrid Lindgren“

  • -Aktualisiert am

Mit Lust und Leidenschaft bei der Sache: Er könne seinen Kritikern keine Hoffnung machen, sagt Peter Fischer, dass er sich in absehbarer Zeit aus dem Präsidentenamt zurückziehen werde. Bild: Rainer Wohlfahrt

Viele Bullerbüs im Kopf: Eintracht-Präsident Peter Fischer über seine Rolle als Captain Future, den Traum von der Anfield Road und warum für ihn noch lange nicht Schluss ist.

          Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat den Basketball in München finanziell und sportlich stark gemacht. Hegen Sie als Eintracht-Präsident Ambitionen, eine andere Sportart unter dem Dach der Eintracht genauso stark zu machen? Der Frauen-Fußball-Bundesligaverein FFC Frankfurt würde ja zum Beispiel gerne mit der Eintracht fusionieren.

          Die Frage lässt sich nicht so einfach und klar beantworten. Ich versuche es mit einem fiktiven Blick in die Zukunft und schlüpfe in die Rolle von Captain Future. Wir leben in einer globalisierten Welt und wissen, was das bedeutet. Im Sport werden sich in Zukunft immer mehr die Namen in einem Verein bündeln – egal, ob das Basketball, Volleyball oder Eishockey ist. Die Klubs werden sich zu einer Marke zusammenschließen und die Kraft dieser Marke, das große Mitgliedervolumen mit bis zu 100000 Menschen, die Kraft der Organisation, Menschen anzusprechen, die Kraft der Digitalisierung und der Moderne für sich nutzen. Von daher kann ich nicht als Peter Fischer, aber als Captain Future, der von oben auf eine Sportlandschaft in einen Wettbewerb außerhalb des Fußballs blickt, mir an Entwicklungen in dieser Hinsicht vieles vorstellen. Und wissen Sie überhaupt, wie Basketball in München entstanden ist...?

          ...erzählen Sie es uns.

          Es ist der Spezialfall Bayern München. Dort beziehen sie Mitgliedsbeiträge von deutlich mehr als 250000 Mitgliedern, es ist der größte Sportverein der Welt. Das sind vielleicht Einkünfte in Höhe von 20 Millionen Euro, die im e.V. sind, die keinen Transfer zur Kapitalgesellschaft erlauben und die dann im e.V. investiert werden müssen. So ist in München Spitzenbasketball entstanden. Deshalb glaube ich als Captain Future, dass man sich auch in unserer Stadt eines Tages unter einer Marke treffen wird. Denn irgendwann sind Struktur und Größe wettbewerbsrelevant.

          Was halten Sie davon?

          Diese Frage, ob ich das persönlich als Peter Fischer und Eintracht-Präsident gut finde, kann ich derzeit noch nicht beurteilen, geschweige denn beantworten. Aber in der Betrachtung von oben auf den Markt, den Wettbewerb und die Konkurrenz sehe ich, dass es in den kommenden Jahren Zusammenschlüsse geben wird. Es ist ein Prozess, den ich mir sehr gut vorstellen kann, um den Nutzen der Stärke auf mehreren Ebenen für sich zu vereinen. Dabei meine ich den Top-Sport im Profispitzenbereich, der sich unter einer Marke sammeln wird.

          Zurück zum FFC: Gibt es Fusionspläne?

          Dazu kann ich aktuell nichts sagen, das ist derzeit kein Thema für mich.

          Die Eintracht steuert bei ihrer Mitgliederzahl auf die 70.000 zu. Wird es irgendwann eine Obergrenze geben?

          Einen Mitglieder-Stopp kann ich mir nicht vorstellen. Wir können gar nicht genug Mitglieder haben, weil die Mitgliederzahl auch die Stärke symbolisiert, mit der wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Von unseren Partnern und Sponsoren – und von der Bundesliga insgesamt. Wie wir überhaupt als Gewicht eines Vereins auch sportpolitisch wahrgenommen werden. Denn wir reden hier auch von einer politischen Größenordnung. Das sind zum Beispiel politische Wählerstimmen. Als ich die Marke von 10.000 Mitgliedern anvisiert habe, wurde ich als Phantast bezeichnet. Deswegen: Wir sollten uns nach oben keine Grenzen setzen.

          Sie bezeichnen sich selbst gerne als Fan-Präsident. Als wie groß schätzen Sie den Imageschaden ein, den einige Anhänger durch ihr Verhalten wie in Rom dem Klub zufügen?

          Wir setzen schon seit Jahren auf den Dialog mit den Fans und werden es auch weiterhin tun. Es ist schade, dass dennoch eine kleine Gruppe ein Spiel missbraucht, um ihre Aggressionen auszuleben. Damit schaden sie dem Verein und den anderen 99,8 Prozent, die friedlich unsere Mannschaft unterstützen. Wir müssen weiter gemeinsam daran arbeiten, diese Kräfte einzudämmen, und werden den Dialog fortführen.

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