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Eintracht Frankfurt : Ohne Durchschlagskraft und Leidenschaft

Auf dem Weg nach vorn, aber ohne Fortüne: Chandler und die Eintracht im Berliner Olympiastadion. Bild: Heiko Rhode

Uninspiriert auf dem Platz, unprofessionell auf der Bank: Die Eintracht hat nicht gewusst, dass ein Angriff auf Platz sieben noch möglich gewesen wäre. Dafür aber hätte sie in Berlin ein Tor erzielen müssen.

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          In der Halbzeit erbebte das Olympiastadion. Allerdings hatte das rein gar nichts mit dem sportlichen Auftritt der Frankfurter Eintracht bei Hertha BSC Berlin zu tun. In der Frankfurter Fankurve detonierten Rauchbomben, die das Stadion minutenlang in dichten Nebel hüllten. Die Eintracht wird wegen dieses Vorfalls in Kürze wieder Post vom Deutschen Fußball-Bund erhalten. Die Rechnung für das letzte Auswärtsspiel der Saison dürfte dabei das Einzige sein, was von diesem Spiel länger in Erinnerung bleibt.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Eintracht präsentierte sich in Berlin als eine Mannschaft ohne Durchschlagskraft und Leidenschaft. Sie spielte sich gegen einen Abstiegskandidaten keine einzige Torchance heraus und bereitete dafür die beste Berliner Gelegenheit selbst vor. Und dazu ließen Team und Trainer die letzte Chance auf den Einzug in den europäischen Fußball teilnahmslos verstreichen. Thomas Schaaf wusste nicht einmal, dass es diese Chance bis zur letzten Minute überhaupt noch gab. Der Trainer war, wie er selbst sagte, über die Spielstände der Konkurrenz nicht informiert, und im Olympiastadion wurden sie auf der Anzeigetafel erst nach dem Schlusspfiff eingeblendet. Da war es zu spät. Ein Angriff auf Platz sieben wäre mit einem Sieg am letzten Spieltag bis zur letzten Minute noch möglich gewesen. Ein einziges Tor hätte genügt, um diese Chance für das letzte Saisonspiel zu Hause gegen Bayer Leverkusen weiter zu wahren.

          Eine sträflich verpasste Chance von Aigner

          So uninspiriert und unprofessionell, wie sich die Eintracht auf dem Platz und auf der Bank in Berlin präsentierte, hat man jedenfalls schon lange keine Mannschaft mehr erlebt, die es tatsächlich nach Europa zieht. Auch ein engagiertes Coaching des Trainers war an der Seitenlinie, anders als bei vielen anderen Spielen, im Olympiastadion nicht zu sehen. Dafür gab es allerdings einen Grund. Schaaf hatte Rückenschmerzen. „In der zweiten Liga laufen morgen bessere Spiele“, stellte Mittelfeldspieler Stefan Aigner nach dem Schlusspfiff und einer sträflich verpassten Chance illusionslos fest.

          In der Auswärtsfalle: Eintracht-Abwehrchef Zambrano.

          Dass diese letzte Möglichkeit, einer wechselhaften Saison doch noch eine überraschende und ganz erfolgreiche Wende zu geben, in der Schlussphase nicht einmal ergriffen wurde, schien den Trainer jedoch ziemlich kaltzulassen. Er stellte lakonisch fest, dass seine Mannschaft die Chance, sich auf die internationalen Plätze zu spielen, schon mehrmals in dieser Saison ausgelassen habe. „Das hätten wir auch in den Spielen davor schon machen können“, sagte Schaaf. Das klang, als ob die Eintracht dafür nicht die Fähigkeiten und Qualitäten besitze, als ob die internationalen Ränge ihre natürliche Grenze in dieser Saison sei. Heribert Bruchhagen resümierte, dass die 40 Punkte, die die Eintracht mit dem 0:0 in Berlin nun schon nach 33 Spieltagen gesammelt hat, ein Ergebnis seien, „das wir uns vor der Saison gewünscht hätten“. Aber nicht mehr während der Saison, in der die schwächelnde Konkurrenz der Eintracht immer wieder die Chance bot, Europa nahe zu kommen. „Es wäre mehr möglich gewesen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Eintracht.

          Ohne Meier keine Tore

          Das galt für die gesamte Saison wie für das letzte Auswärtsspiel in der Hauptstadt. „Wir hatten mehr Spielanteile, mehr Ballbesitz, aber wir konnten nichts Entscheidendes daraus machen“, sagte Schaaf. Aber weil die Eintracht trotz spielerischer Vorteile nicht in der Lage war, ein einziges Mal in neunzig Minuten auf das Berliner Tor zu schießen (der einzige Torschuss durch einen Freistoß Marc Stenderas ging in der ersten Halbzeit über die Latte), geht die Eintracht als auswärtsschwächstes Team der gesamten Liga aus dieser wechselhaften Saison hervor. In den vergangenen sechs Spielen, seit der Verletzung von Torjäger Alexander Meier, blieb das Team in fünf Spielen ohne Torerfolg, nur die drei Treffer in der Vorwoche gegen Hoffenheim markieren die Ausnahme dieser tristen Regeln in einem Saisonendspurt, den man bei der Eintracht aber so nicht nennen mag.

          In fremden Stadien blieb die Eintracht nun in den letzten 399 Minuten dieser Spielzeit ohne eigenen Treffer – und dennoch haben immer noch nur drei Mannschaften mehr Tore geschossen in dieser Saison als die Eintracht: der FC Bayern, Wolfsburg und Leverkusen. Selbst Mönchengladbach kommt mit seinen 52 Treffern (noch) nicht an die 54 Tore der Eintracht heran, die gegen harmlose Berliner über neunzig Minuten allerdings so spielte, als habe sie tatsächlich vergessen, was das Ziel eines Fußballspiels eigentlich ist.

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