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Eintracht Frankfurt : Nur eine leichte Brise

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Nicht immer gut in Schuss: Joselu hat es noch nicht zur unumstrittenen Stammkraft der Eintracht geschafft. Bild: Wonge Bergmann

Was ist bloß mit den Stürmern der Frankfurter Eintracht los? Joselu und Kadlec kamen hochgelobt nach Frankfurt – aber die Erwartungen haben sie nicht erfüllt.

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          Bei kaum einem Verein ist die Fluktuation an Stürmern so groß wie bei Eintracht Frankfurt. In den vergangenen drei Jahren sind unter Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Armin Veh sieben Angreifer gekommen und wieder gegangen: Mohamadou Idrissou, Rob Friend, Karim Matmour, Jimmy Hoffer, Dorge Kouemaha, Olivier Occean und Srdjan Lakic wurden gewogen und für zu leicht befunden. Im aktuellen Kader stehen gerade zwei „gelernte“ Stürmer, so wenige wie bei keinem anderen Klub der Bundesliga. Und selbst Joselu und Vaclav Kadlec sind keine unumstrittenen Stammkräfte. Nicht selten kommt sogar keiner der beiden zum Einsatz.

          Die Sturmschwäche hat Auswirkungen auf das Abschneiden der Mannschaft. Nur der Tabellenletzte Eintracht Braunschweig (16 Tore) und der Vorletzte SC Freiburg (22) haben weniger Treffer als die Frankfurter erzielt, die bislang 24 Mal erfolgreich waren. Die Defizite sind offensichtlich. Nach dem 0:0 am vergangenen Sonntag gegen Werder Bremen kritisierte Veh, „dass wir im Strafraum einfach nicht entschlossen genug waren“. Das klang, zum Teil wenigstens, wie Kritik an Mittelstürmer Joselu. Kadlec hat Veh schon vor längerem ins Stammbuch geschrieben, „dass er seinen Körper viel besser einsetzen muss“. Was dem eher schmächtigen Tschechen schwer zu fallen scheint.

          Kadlec zu stark gefordert

          Bei beiden Stürmern hatten sich die Einschätzungen im Sommer noch ganz anders angehört, nachdem sie mit ziemlichen Mühen und einigem Getöse verpflichtet worden waren. Für Joselu hat die Eintracht eine Leihgebühr von 800000 Euro an die TSG Hoffenheim bezahlt, für Kadlec eine Ablöse von mehr als drei Millionen Euro an Sparta Prag. Joselu sei ein „richtig guter Spieler“ hatte Veh versichert, „ich bin überzeugt, dass er bei uns einen weiteren Entwicklungsschritt machen wird.“ Nicht weniger vorauseilendes Lob hatte es für Kadlec gegeben. Er sei ein „großes Talent“, das der Eintracht bald helfen könne, sagte der Trainer, der den damals 21 Jahre alten Nationalspieler zu seinem „Wunschkandidaten“ erklärt hatte. Beide konnten bisher allerdings nicht halten, was sie versprochen haben – oder was sich die Eintracht von ihnen versprochen hatte. Kadlec hat in der Liga vier Tore erzielt, Joselu drei. Dabei ist die Quote des Spaniers höher zu bewerten, weil er deutlich weniger Spiele bestritten hat.

          So ist der Sturm der Eintracht oft nur eine leichte Brise. Warum aber tut sich die Eintracht so schwer mit der Offensive? Und warum tun sich Stürmer so schwer bei der Eintracht? Bei Kadlec sind die Gründe offenkundig: Nach einem guten Einstand mit zwei Toren in Bremen waren dem Hochbegabten im Laufe der Vorrunde „die Kräfte ausgegangen“, wie der Trainer feststellte. Kadlec hatte in dieser Saison schon mit Sparta Prag gespielt, bevor er in Frankfurt den ersten Ball treten durfte. Zudem wurde er bei vier Länderspielen eingesetzt – zu viel Belastung. Ende der Vorrunde war er nicht mehr erste Wahl. Doch auch zur Rückrunde und nach ein paar Wochen Urlaub und neuer Vorbereitung hat sich an seinem Status als Ersatzspieler nichts geändert. Das ist ein erster Karriereknick für den jungen Mann, der sich wegen mangelnder Sprachkenntnisse schwer tut mit der Integration.

          Rosenthal bringt zu wenig Tore

          Joselu scheint einen Schritt weiter, auch wegen des spektakulären Treffers beim 2:2 in Porto. Der 23 Jahre alte Spanier entspricht eher dem Typ Mittelstürmer. Er ist groß, schnell, kopfball- und schussstark. Dennoch pendelt auch er zwischen Stammplatz, Auswechselbank und zwischenzeitlich sogar der Tribüne. „Manchmal arbeitet er zu wenig nach hinten“, kritisierte der Trainer. Gegen Porto an diesem Donnerstag dürfte Joselu trotzdem erste Wahl sein. Dennoch stellt sich die Frage: Werden Stürmer im Spielsystem der Eintracht, das ziemlich stark auf den offensiven Mittelfeldspieler Alexander Meier zugeschnitten ist, vielleicht gar nicht gebraucht? Meier, manchmal als „Mittelfeld-Stürmer“ bezeichnet, liegt mit fünf Treffern, die er trotz längerer Verletzungspause erzielt hat, an der Spitze der internen Torjägerliste. Nicht selten im bisherigen Saisonverlauf hat Veh auch die taktische Variante mit einem „schwimmenden Stürmer“ bevorzugt, meist interpretiert von Jan Rosenthal, der also nicht ganz vorne spielt, sondern recht frei rund um den einzigen gesetzten Offensivspieler Meier im Einsatz ist. Richtig erfolgreich war aber auch diese Variante selten. Auch weil Rosenthal sich nahtlos in die enttäuschenden offensiven Neuzugänge der vergangenen Jahre eingereiht hat. Nur auf ein Tor hat es der ehemalige Freiburger gebracht – zu wenig für einen Stürmer, zu wenig auch für einen offensiven Mittelfeldspieler.

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