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Eintracht Frankfurt : Nur der „Babyspeck“ muss weg

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Ein waschechter Frankfurter: Der 19 Jahre alte Joel Gerezgiher „hat was, was nicht viele haben“. Bild: Jan Huebner

Talent Joel Gerezgiher überrascht EintrachtTrainer Armin Veh. Die neuesten Spekulationen um Carlos Zambrano halten den Klub auf Trab.

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          Applaus, Applaus! Das zweite Trainingslager der Eintracht neigt sich dem Ende entgegen, und Armin Veh spart nicht an Lob für seine Mannschaft, die er am Freitag, als er die knapp neunzigminütige Einheit abgepfiffen hatte, mit demonstrativem Beifall auf den Fußweg ins Hotel verabschiedete. „Stand heute haben wir eine gute Vorbereitung absolviert“, bilanzierte der Trainer, der an diesem Samstag mit seinen Leuten noch in der Stadt Irdning ein Privatspiel gegen das englische Zweitligateam FC Fulham absolviert (16.30 Uhr), ehe es anschließend mit einer Chartermaschine zurück nach Hessen geht.

          Sonntag und Montag bekommen alle Mann, die nun seit knapp vier Wochen bis zu dreimal täglich auf dem Platz, der Joggingstrecke oder im Kraftraum gemeinsam schwitzten, frei, um zu Hause die Füße hochzulegen. „Es gefällt mir, was ich sehe“, urteilte Veh, „alle sind konzentriert bei der Sache, aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Viele Dinge, die wir uns für die Runde vorgenommen haben, können wir schon.“

          Zambrano könnte zu Galatasaray Istanbul wechseln

          Dazu gehört unter anderem das schnelle Umschalten nach der Balleroberung, bei dem die Kugel mit wenigen Flachpässen den Weg ins Sturmzentrum finden soll. Vom kommenden Dienstag an geht die Arbeit an der Frankfurter WM-Arena weiter – und dann soll auch Carlos Zambrano wieder mitmischen. Der peruanische Abwehrabräumer wird nach seinen Ferien im Anschluss an die Copa America in Frankfurt zurückerwartet. Sein gegenwärtiger Arbeitsvertrag, der bis Sommer 2016 befristet ist, sieht eine Ausstiegsklausel bis zum Ende der Wechselperiode am 31. August vor; demnach könnte der Verteidiger für die vergleichsweise geringe Ablöse von 1,5 Millionen Euro den Klub verlassen.

          Kommt er, bleibt er, geht er? Der Peruaner Carlos Zambrano.

          Was er, glaubt man seinen Beratern, die zum Teil Familienangehörige sind, auch vorhat. Die Agenten betreiben offenbar einen Transfer zu Galatasaray Istanbul, dessen Kader sich kurioserweise bis zum vergangenen Wochenende in der gleichen Unterkunft wie die Eintracht in Windischgarsten vorbereitete, bevor die Spieler zurück in die Türkei flogen, während ihr Coach Hamza Hamzaoglu samt Anhang noch ein paar Tage Wellnessurlaub in Oberösterreich machte – und auf dem Weg zu Pool und Sauna auch wiederholt Bruno Hübner traf.

          Der Frankfurter Sportdirektor wiederum gab nichts auf die neuesten Spekulationen um den Südamerikaner, mit dem auch deswegen nicht ganz so einfach zu verhandeln ist, weil ein Teil seiner Transferrechte bei einem Konsortium aus Schweizer Geschäftsleuten liegt, die ihn 2006 nach Europa holten und seitdem an jedem Deal mit ihrem Mandaten fleißig mitverdienen wollen. „Ich bin in der Angelegenheit ganz ruhig“, sagte Hübner, der Zambrano – gegen entsprechende Honorierung – die Schlupfloch-Option gerne abwerben würde. Auch Veh machte einen gelassenen Eindruck: „Ich gebe nichts darauf, was irgendein Schwippschwager auf Twitter oder Facebook mitteilt, sondern verlasse mich auf das, was ich im persönlichen Gespräch mit Zambrano gesagt bekommen habe.“ Demnach, so Veh, „wird Carlos nach Frankfurt kommen“. Nur wie lange er bleibt, ist die wohl wesentlich entscheidendere Frage – für die eine Antwort aussteht.

          Für Gerezgiher „geht ein Traum in Erfüllung“

          Mit einem Abonnement auf die Startelf, das er zuletzt besaß, wird Zambrano auf absehbare Zeit in Frankfurt nicht kalkulieren können, „er hat jetzt erst einmal einen Rückstand gegenüber denen, die schon seit Anfang Juli zusammen sind“, sagte Veh. „Niemand ist bei mir gesetzt“, ergänzte der Trainer, das gelte auch für die Defensive, in der sich Neuzugang David Abraham bisher als abgeklärter Ruhepol präsentierte. „Ich bin froh, mit ihm, Marco Russ und Zambrano drei Innenverteidiger zur Auswahl zu haben. Eine Stammformation gibt es während einer Saison nicht, der Kampf um die Plätze beginnt jede Woche neu.“ Wobei sich Joel Gerezgiher nach dem Ausflug in den Luftkurort am Rande der Kalkalpen zugutehalten kann, dass er seine Bewährungschance besonders nachdrücklich nutzte.

          Bei Veh besitzt das Talent aktuell jedenfalls prima Karten. „Ich bin wirklich überrascht von ihm“, sagte der 54-Jährige über den neben Chandler und Zummack dritten waschechten Frankfurter im Profilager der Eintracht. Gerezgiher ist 19 Jahre alt und wurde in der Nordweststadt groß, spielte zunächst für den FSV, ehe er sich als A-Jugendlicher dem Leistungszentrum am Riederwald anschloss. „Der hat was, was nicht viele haben“, sagte Veh über den schlaksigen Teenager. Durch seine feine Ballbehandlung konnte Gerezgiher während der Tage auf dem Dorfplatz in Windischgarsten auch auf engstem Raum immer wieder gestandene Kollegen ins Leere laufen lassen. „Er kann Situationen einschätzen, seine Übersicht ist außergewöhnlich.“

          Der Sohn eritreischer Einwanderer sagte, für ihn ginge „ein Traum in Erfüllung“, wenn er sich bei der Eintracht tatsächlich durchsetzen könnte, zumal er schon früh merkte, wie schmal der Grat zwischen Glück und Unglück sein kann: Ein Riss des Syndesmosebandes setzte ihn für Monate außer Gefecht. Nun nimmt er einen neuen Anlauf – und Veh glaubt, dass er weit kommen kann. „Er macht Dinge, die ihn dazu befähigen, ein richtig Guter zu werden.“ Was ihm noch fehle, sei „mehr Stabilität im Rumpf“, und er habe „ein bisschen Babyspeck“, den er abtrainieren müsse. Doch sein größter Trumpf müsse gar nicht der Körper sein, wie Veh findet, sondern könne der Kopf werden: „Joel ist klar in der Birne.“

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